Rabia – Stille Wut: BluRay Review und Gewinnspiel

Wir wurden vor einigen Wochen aufordert, nicht nur Filme aus dem Mainstream zu bewerten, sondern auch einmal links und rechts zu schauen. Dies nahmen wir natürlich zum Anlass, als eine Pressemitteilung ins Postfach flatterte, die das DVD-/BluRay-Release von „Rabia“ ankündigte. Kein geringerer als Guillermo del Toro hat diesen Film als Produzent begleitet. Auch bei „Das Waisenhaus“ trat Del Toro als Produzent auf und der geneigte Nerdtalk-Hörer weiß, dass dieser Film einer unserer All-Time-Favorites ist.
Wird „Rabia“ in der selben Klasse spielen? Wir waren gespannt, denn die Story klingt verheissungsvoll.

Rabia – Stille Wut
Veröffentlichung: 22.06.2011
© 2011 Senator
mit freundlicher Unterstützung von Senator Home Entertainment

Story:

José Maria (Gustavo Sánchez Parra) arbeitet als Gastarbeiter auf einer Baustelle und lernt in einer Pause Rosa (Martina García, bekannt aus „Buitiful“) kennen. Auch Rosa kommt aus dem Ausland und arbeitet für das reiche Ehepaar Torres (Concha Velasco, Xabier Elorriaga). Die beiden verlieben sich ineinander und treffen sich so oft es geht in der weitläufigen Villa der Torres‘. José Maria ist schon öfters aufgrund seiner Agressivität aufgefallen, als er aber durch einen Unfall seinen Vorarbeitet tötet, sucht die Polizei nach ihm.
José Maria flüchtet unbemerkt in die Villa der Torres‘ und versteckt sich dort in einem ungenutzten Flügel. Getrieben durch Angst und Panik kann er sich weder Rosa noch jemandem anderen offenbaren und lebt ständig in der Angst, entdeckt zu werden. Machtlos muss er zusehen, dass sich im Haus grausame Dinge ereignen.

Kritik:

Wenn Guillermo del Toro selbst Hand anlegen darf, dann kommt etwas fantastisches bei herum („Hellboy“, „Pans Labyrinth“). Arbeitet er als Produzent, so sind die Filme meist näher an der Realität angesiedelt, wie man schon in „Das Waisenhaus“ oder „Don’t be afraid of the Dark“ sehen kann. Ganz dieser nicht gerade offiziellen Linie entsprechend ist auch „Rabia – Stille Wut“ ein Film, der erschreckend realistisch gehalten ist.
Sieht man im Film anfangs noch verschiedene Szenen wie die Baustelle, die offene Straße, die Villa oder ein Einkaufscenter, so beschränkt sich der gesamte Film nach der Flucht von José Maria auf die Villa. Trotz der Weitläufigkeit der Räume, die besonders am Anfang und in der Endszene durch lange Kamerafahrten gut visualisiert wird, wirkt das Haus auf einmal bedrängend, wie ein Gefängnis. Ein schöner Schachzug der Inszenierung.

Aufgrund der Tatsache, dass José Maria sich ständig verstecken muss und nicht auffallen darf, fehlt dem Film natürlich der aus dem Mainstream gewohnte Spannungsbogen. Die Torres‘ leben weiter, Rosa erledigt ihre Aufgaben und José Maria ist ständig darauf bedacht, sich zurückzuhalten. Doch es gibt im Alltag genug Ereignisse, die zumindest eine gewisse Brenzligkeit mit sich bringen: José Maria muss natürlich auch essen und trinken, ebendies will auch seinen Weg wieder herausfinden und während die Hausherren meist nur im Wohnbereich leben, wuselt Rosa an viel mehr Stellen herum. José Maria kann sich aber ihr nicht offenbaren, andererseits kann er aber nicht von ihr ablassen: Ständig versucht er, Kontakt mit ihr aufzunehmen, ohne dass sie Verdacht schöpft, dass sie nur einige Wände trennen.
Den Höhepunkt erreicht der Film, wenn auch die bisher brachliegenden Räume genutzt werden: Nicht nur, dass die Rückzugsmöglichkeiten dadurch immens eingeschränkt werden, auch offenbart sich hier so mancher Abgrund, der José Maria vor die schwierige Wahl stellt, einzugreifen oder tatenlos zu bleiben.

Mehr als vergleichbare Filme setzt „Rabia – Stille Wut“ Wert auf Details. So werden die Charaktere erst richtig rund, wenn man nicht ihr direktes Handeln und ihre Dialoge heranzieht, sondern darauf achtet, in welcher Umgebung sie leben, wie die Einrichtung ist, welche Dekoration gewählt wurde. Man entdeckt so besonders bei mehrfachem Sehen Punkte, die einem vorher nicht auffielen und noch mehr über die Eigenschaften der Person verraten. Für so manchen Filmliebhaber ist das weniger etwas, da dieses Mittel natürlich eine intensive Beschäftigung mit dem Film abseits des vordergründig Sichtbaren voraussetzt. Auf der anderen Seite sind die Charaktere natürlich wesentlich tiefgründiger als man es sonst kennt.

Wer einen Film im typischen del Toro-Stil erwartet, wird mit diesem Film nicht viel anfangen können. Er ist weder fantastisch noch mainstreamkonform sehr spannend. Die Spannung ist eher subtiler gehalten, schwingt aber jederzeit mit. Die alltäglichen und teils nicht alltäglichen Ereignisse bringen für José Maria immer wieder neue Herausforderungen mit sich, die er zu meistern hat, um nicht aufzufallen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist der Teufelskreis schon so festgefahren, dass es quasi keinen Ausweg mehr gibt. Am Ende steht der Thriller mit einer gehörigen Portion Romanze, die sich -ebenfalls so gar nicht mainstream- nicht mit dem Holzhammer entwickelt.
Ich gebe dem Film 6/10 Sternchen.

BluRay-Review:

Das Titelmenü stellt sich ruhig und klassisch dar: Sanfte Klavierklänge stimmen auf den ruhigen Film ein, dazu gibt es Filmszenen, die von einer transparente Blättertapete überdeckt sind. Wirkt schon recht stimmig. Was nervt, ist der penetrante Pseudounterstreichungseffekt, der auf die Onlineservices hinweisen soll. Viel zu hektisch und zerstört das aufgebaute Gesamtbild.
Die BluRay stellt sich natürlich in 1080p Full HD dar und bringt DTS-HD Master 5.1 in Deutsch und Spanisch mit. Der Film würde auch in Sterero seine volle Wirkung entfalten, sodass man keine Nachteile durch geringere oder höhere Audioaustattung hat.

Bonusmaterial

Die BluRay bringt nur wenig Bonusmaterial mit sich: Streng genommen beschränkt sich das Material auf ein umfangreiches MakingOf. Abseits davon gibt es den Online-Bereich, der zum Rezensionszeitpunkt nicht gefüllt war, was aber dem geschuldet sein sollte, dass wir die BluRay vor der offiziellen Veröffentlichung gesehen haben. Einige Trailer weisen auf weitere Filme hin (Sheitan, Whatever Works, Paranormal Activity, Paranormal Activity: Tokyo Night), auch der Trailer von Rabia ist vertreten.

Making Of

Das Making Of zeigt viele Szenen vom Dreh im Originalton mit Untertitel. Alle zentralen Personen vor und hinter der Kamera kommen mit einem verehältnismäßig großem Anteil zu Wort.
Schwerpunkt des Making Ofs ist anfangs die Inszenierung des Films: Viele Kameraeinstellungen werden werden erklärt und zeigen auf, dass jede Szene exakt so gewollt war. Später steht das Haus im Vordergrund: Warum wählte man dieses Haus und was tat man, um es so wirken zu lassen, wie es im Film wirkt. Hier stellt sich auch deutlich dar, dass sehr viel Detailliebe in die Konzeption des Hauses investiert wurde: Es sollte eine eigene Rolle spielen und nicht nur „Ort“ sein, jeder Raum sollte den Charakter unterstützen.
Mir fehlten Statements zur Zusammenarbeit mit Guilmero del Toro und insbesondere den besonderen Herausforderungen der Rolle an Gustavo Sànchez Parra (Jòse Maria), denn diese bringt eindeutig viel Disziplin und Entbehrungen mit sich. Letzteres wurde zwar angesprochen, aber im Verhältnis zur Preisung von Haus, Inszenierung und Besetzung doch etwas stiefmütterlich behandelt.

Allem zum Trotz ist das Making Of eines der tiefgehensten, das ich seit Langem gesehen habe: Jede Person hat viel Raum, seine Sicht darzustellen und Interpretationen wie auch Gefühle zu äußern. So etwas sieht man nur noch selten.

Gewinnspiel

Wie zu fast jedem Review haben wir natürlich auch wieder ein Exemplar für euch an Land gezogen! Zu gewinnen gibt es ein BluRay-Exemplar von „Rabia – Stille Wut“.

Was ihr dafür tun müsst?
Schreibt unter diesem Artikel in die Kommentare, was ihr für kuriose, spannende oder geheimnisvolle Erlebnisse rund um ein Haus erlebt habt. Gab es ein Haus, in dem ihr einen Spuk miterlebt habt? Oder gibt es bei euch ein Haus, das sehr lustig oder geheimnisvoll aussieht? Was verbindet ihr mit diesem Haus? Oder habt ihr selbst ein Haus gebaut und abseits von typischen Baupannen etwas erlebt, was es so wohl nicht ein zweites Mal gibt? Vielleicht wohnt ihr selbst in einem großen und/oder abgeschiebenen Haus, fast wie in den ganzen Horror- und Thrillerfilmen? Wie fühlt ihr euch dabei?
Wir wollen eure Gedanken, Gefühle und Erlebnisse rund um den Begriff „Haus“ haben.

In den Lostopf kommen alle Kommentare, die bis Freitag, den 24.6.2011 23:59 Uhr, unter diesem Eintrag hinterlassen werden. Bitte achtet auf eine gültige E-Mail-Adresse, damit wir euch im Gewinnfall direkt anschreiben können.
Der Gewinner wird per Zufall ermittelt und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Viel Erfolg wünsche ich euch! 🙂

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