Nerdtalk Sendung 473

Sexismus und Whitewashing: Zwei Themen, die uns in dieser Sendung beschäftigen. Zudem gibt es zwei Filme, wo wir komplett unterschiedlicher Ansichten sind - und doch versöhnlich auseinandergehen. Und am SChluss, da gibt es noch düsterste Dystopie - ihr merkt: Diese Sendung hat es wieder in sich, heidinei...

Gesehene Filme:

Life, Animated (R: Roger Ross Williams, USA 2016)
Der traumhafte Weg (R: Angela Schanelec, DE 2016)
Zu guter Letzt (R: Mark Pellington, USA 2017)
Ghost in the Shell (R: Rupert Sanders, USA 2017)
1984 (R: Michael Radford, USA 1984)
Tower (R: Keith Maitland, USA 2016)

Vorgestellte Filmstarts der Woche:

Fast & Furious 8

40 Tage in der Wüste

Gold

The Birth of a Nation

Zu guter Letzt

Sonstiges:

Lars’ Filmkritik zu THE BIRTH OF A NATION bei kino-zeit.de

Stacy Smith: The data behind Hollywood’s sexism



TIMECODES:
00:05:07.539 Filmstarts der Woche
00:15:48.354 Besucher-Tippspiel
00:25:28.439 Life, Animated
00:45:40.197 Der traumhafte Weg
01:04:34.248 Zu guter Letzt
01:14:17.163 Ghost in the Shell
01:31:14.544 1984
01:40:00.518 Tower
01:49:31.373 TED-Talks: Stacy Smith: The data behind Hollywood's sexism


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10 Gedanken zu “Nerdtalk Sendung 473”

  1. Interessante Review zu “Tower”, hab bisher noch nix davon gehört. Letzte Woche hab ich noch “Full Metal Jacket” gesehen, wo auch kurz auf den Attentäter Bezug genommen wird und bin so auf den Fall aufmerksam geworden, vllt wär die Doku mal ein Blick wert.

  2. Zum Thema Whitewashing finde ich faszinierend, wie sehr ihr den rein wirtschaftlichen Aspekt außer Acht lasst. Mit Dreamworks hat ein amerikanisches Studio die Rechte gekauft, die natürlich alles dafür tun, dass der Film im westlichen Markt ein Erfolg wird. Dazu gehört natürlich vor allem die Besetzung der Hauptrolle. Das mag aus künstlerischer Sicht falsch sein, doch ist Film in dieser Größenordnung zunächst einmal ein großes Geschäft. Ich habe in meiner Besprechung ein wenig mehr dazu geschrieben. Das muss man nicht richtig finden, ist eben aber leider Realität.

  3. Diese scheiss Remakes von Filmen müssen aufhören, ich boykottiere diesen Mist mittlerweile aus Prinzip und rufe jeden dazu auf, das selbe zu tun. Die ganzen tausende Sequels und Prequels ohne ordentliche Nummerierung oder Untertitel sind schon nervig genug, ohne dass von jedem Film-Klassiker noch einmal gleichnahmige Hollywood-Pampe produziert wird. Girl with the Dragon tatoo, let the right one in, Ghost in the Shell, ist doch alles Dreck und unserer Aufmerksamkeit nicht würdig.

    Ich hab noch LOGAN gsehen, hab einen Actionfilm mit Drama-Elementen erwartet, aber ein Drama mit Actionfilm-Elementen bekommen, funktionierte für mich so mässig weil wärend den Drama-Teilen die Logikfehler in den Action-Teilen offensichtlich wurden, aber ansonsten ganz nett.

  4. eigenartigerweise schimpfen die Leute ständig über Remakes, reboots, etc. und dennoch werfen gerade diese Filme oft ziemlichen Erfolg ab! Man kann dieses Phänomen 1zu1 seit Jahren in der gaming Industrie nachweisen. Ob es jetzt an Ideenreichtum mangelt weiß ich nicht, am Ende springen Millionen Gewinne dabei raus, sich zu beschweren ist wie gegen Windmühlen zu kämpfen. Es wird so lange nicht aufhören wie damit kohle verdient wird. fragwürdig? Ja, ein Armutszeugnis für die ” kreativen” Köpfe in den Branchen? definitiv, aber letztendlich wird es immer weiter gehen… wenn ich lese, dass Disney bis auf weiteres 18 neue real Verfilmungen angekündigt hat, steht mir die Galle bis zum Hals. Aber naja, Opium fürs Volk…

  5. 40 Tage in der Wüste kann ich euch nur wärmstens empfehlen. Ein faszinierend gefilmtes und sehr berührendes Porträt von Jesus Christus, dem Ewan McGregor mit einer der besten Leistungen seiner Karriere eine zutiefst menschliche Seite verleiht. Mehr dazu in meiner ausführlichen Kritik zum kleinen, aber feinen Drama von Rodrigo García.

    Was Ghost in the Shell betrifft: Ja, ein großer Wurf ist Regisseur Rupert Sanders damit erneut nicht gelungen (auch sein Snow White and the Huntsman hatte schon nicht mehr als schöne Bilder anzubieten). Aber als schön bebilderter, solider Sci-Fi-Actioner geht er meiner Meinung nach schon in Ordnung (3/5 Sternchen). Vergleiche zur großartigen Animevorlage sollte man bei dieser erwartungsgemäß anspruchslosen Adaption gar nicht erst ziehen, sonst ärgert man sich doch nur. Mehr dazu meinerseits in der letzten Folge Kinokost: https://soundcloud.com/kinokost

  6. So ich bin mal wieder spät dran und möchte etwas über Orwell lästern. Ich muss gestehen, daß meine Erinnerungen sich stärker auf das Buch “1984” beziehen und weniger auf den gleichnamigen Film.
    1984 ist ohne Frage ein lesenswerter Roman, aber gefühlt beziehen sich immer Menschen darauf, die ihn entweder nicht gelesen haben oder nicht verstanden haben. Ja die Überwachung ist ein großes und wichtiges Thema, aber wer wird den wie überwacht? Die Masse der Bevölkerung überwacht sich gegenseitig. Orwell hatte im Gegensatz zu den Meisten, welche sein Szenario weitergedacht haben, schon sehr gut um Blick, welche Kapazitäten eine Überwachung erfordert und daß eine totale Überwachung aller Menschen nicht möglich wäre. Der (vorgebliche) Krieg, der inszenierte Widerstand der “Bruderschaft” sowie “Neusprech” samt der Parolen sind also wichtigere Elemente als die Telebildschirme, weil sie die nötigen Ressourcen bündeln und einen Rückhalt in der Masse gegeben, der durch inoffizielle Mitarbeiter die Kapazitäten erhöht. Winston erzählt uns zwar, daß Ministeriumsmitarbeiter total überwacht werden, aber in wie weit jenes stimmt, wissen wir nicht, da Winston bereits vorher in die Fallen für Abweichler tappt.
    In der Summe kann man also annehmen, daß die plakative Überwachungung durch die Gedankenpolizei, Telebildschirme und Mikrophone mehr das Gefühl einer totalen Überwachung bei den höheren Gesellschaftsschichten stärken, während man die Proles fast gänzlich ignoriert und durch Armut, sowohl geistig wie materiell, kontrolliert.

    Das Ministerium für Wahrheit in den Winston arbeitet ist hingegen eine Idee, welche zwar spannend ist, aber auch ihrer Zeit geschuldet ist. Sie entstammte noch einer Zeit der zentralisierten Informationenssysteme. Jenes ermöglicht es natürlich die zugänglichen Informationen in ihrer Gesamtheit anzupassen. Falsche Prognosen werden rückwirkend geändert, um die Unfehlbarkeit des Systems zu beweisen und Fakten samt derer Umstände den aktuellen Parteidoktrinen angepasst.
    Die heutige Informationsbeschaffung ist allerdings dezentral. Es gibt zwar immer noch den Punkt, wo man grundlegende Informationen glauben muss, weil man keinen Nachweis erbringen kann, aber ich kann genauso andere Interpretationen lesen und für wahr erachten. Man kann also Trumps Aussagen für wahr erachten und gegenteilige Beweise für Manipuliert erachten und umgekehrt oder mich sogar überzeugen lassen. Bevor jetzt jemand auf der Unsinnigkeit der Argumentation wegen des Beispiels Trump hinweist, rate ich dazu einmal nachzuprüfen, was man zum Beispiel über den Kirchenprozess von Galileo Galilei oder die Hintergründe des Unabhängkeitskrieges der USA weiß und dann mit anderen Quellen abzugleichen.
    Ich glaube nicht, daß es heute noch möglich wäre, Informationen so umfassend zu verfälschen wie 1984 es beschreibt. Sicherlich kann man das Auffinden erschweren und das Hinterfragen unterdrücken, aber derart vollumfängliches Vergessen funktioniert selbst in totalitären Staaten wie China nicht.

  7. Finde den Kritikpunkt bei GHOST IN THE SHELL (den ich selber “nur” solide fand) schwierig, auch wenn er nur stellvertretend für unrunde Kleinigkeiten angeführt wird. Immerhin war das Hirn des Majors ja mal ein Mensch. Ohne Erinnerungen an das ihr Leben zuvor, aber immer noch in den grundsätzlichen Verhaltensweisen unserer Zivilisation verhaftet (so auch einen Pyjama zu tragen). Auch wenn kleine Gesten andeuten, dass sie sich vom eigentlichen Menschsein entfremdet hat (z.B. die Szene mit der glatzköpfigen Prostituierten), benimmt sie sich weiterhin so wie sie denkt, dass es ein Mensch tut bzw. tun muss. gänzlich leer ist der Film also nicht, in die Tiefe geht er allerdings ebenfalls absolut nicht.

  8. @Elfant wow! Ein richtig toller Kommentar! Respekt für dieses extrem analytische durchdenken des Romans. Und ein interessanter Ansatz allemal. Klasse! mfg Nico

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