Nerdtalk Sendung 337

Gesehene Filme:

Saving Mr. Banks *
Mary Poppins *
Contraband *
Jack Reacher
König von Deutschland
Non-Stop
The Butler *

August in Osage County *
The Grand Budapest Hotel *

Vorgestellte Filmstarts der Woche:

Lone Surviror

http://www.filmstarts.de/kritiken/104676-Lone-Survivor/trailer/19537018.html

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18 Gedanken zu „Nerdtalk Sendung 337“

  1. Hab zwar nur die ersten paar Minuten der neuen Sendung geschaft, aber schon hab ich mich angesprochen gefühlt hier was zu schreiben.

    Ihr tut dem Film Lone Survivor aber SOWAS von unrecht. Hab den im Februar hier geschaut und es ist nicht nur ein richtig guter Film, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es der beste Kriegsfilm seit Black Hawk Down ist. Es ist überhaupt nicht eins dieser US-Propagandafilme. Wenn ihr den Schluss anschaut kann man sogar sagen, dass es ausgesprochen politisch korrekt ist.
    Dass Navy Seals nur selten von einer Kugel gestoppt werden dürfte auch alt bekannt sein.

    Grosse Empfehlung, vor allem auch dank dem tollen Cast, das eben nicht nur ein Wahlberg & Co darstellen soll, sondern Wahlberg ist nur einer von vieren

  2. Hast du einen anderen Film gesehen als ich? Nicht nur sehen wir 2 Stunden lang heroische Marines, die dann (kein Spoiler) in Zeitlupe, zu pathetischer Musik, den edlen Heldentod sterben – darüber hinaus wird uns auch klar gemacht, dass das töten von unschuldigen Zivilisten (die Hirten) oft eine notwendige Entscheidung ist – was Marcus Lutrell sogar bei jedem Interview und in seinem Buch breit tritt. Klar, am Ende trennen wir noch einmal gute und böse Afghani – wer den Amerikanern hilft ist okay, der Rest verdient den Tod. Propaganda, die Göbbels zu plump gewesen wäre. Auf keinen Fall anschauen, widerwärtig und niederträchtig, das schlimmste was das Kino zu bieten hat.

  3. Ja das frag ich mich auch. Es wurde eben klar gemacht, dass es eben eine Entscheidung gibt was zu tun ist. Genau das haben die auch im Film gemacht.
    Die sind Soldaten im Krieg, natürlich müssen die auch unschöne Entscheidungen besprechen falls notwendig. Und diese Propaganda von dem du redest kann ich auch nicht verstehen. Was sollen die denn tun wenn auf die geschossen wird? An einen Tisch setzen und das ganze besprechen?

    Ich finde es genau so blöde wenn ein Kiegsfilm eklig patriotisch ist und wenn man einige Zuschauer ständig nach solchen Solchen Sachen suchen und ständig was reininterprätieren um Sachen schlecht zu reden. Ist ein richtiger Trend geworden diese Haltung.
    Manche haben sogar US Propagande in Captain Phillips gerufen oder unvergessen dieser dämliche Aufschrei damals bei Spiderman 3, wo er einmal 2 Sekunden lang vor einer US-Fahne war. Ja mein Gott. Da hat der Film nun wirklich einiges falsch gemacht was man kritisieren könnte, aber ständig kam diese dumme Fahnen-Szene als Argumentation als ob das auch nicht Scheiss egal wäre

  4. Mit jedem neuen US-amerikanischen Militärfilm, sei es “The Hurt Locker”, “Lone Survivor” oder selbst “Transformers” langweilt mich dieses elendige Patriotismus-Geblöke immer mehr. Vielleicht sollte so ein Film einfach mal mit bolivianischen oder albanischen Soldaten besetzt werden.

  5. @Der_Stille_Pupser:

    Nur das es hier nicht um Spiderman 3 oder eine amerikanische Flagge geht. Es geht auch nicht um unbequem Entscheidungen, sondern darum, dass der Film argumentiert, man müsse drei vollkommen Unschuldige (darunter ein Kind!) abschlachten, damit US-Soldaten nicht in Gefahr geraten. Es geht hier um einen Film, dessen Kritiker in den USA Todesdrohungen von selbsternannten “Patrioten” bekommen haben (u.a. Amy Nicholson von der LA Weekly). Einen Film, der die Fakten so vollkommen verdreht, dass es absurd wird, der die Anzahl der Taliban verzehnfacht. Der Film wurde von Menschen wie Rush Limbaugh und Sean Hannity in den Himmel gelobt. Ein Film der Afghani wie Zombies behandelt, die man Reihenweise dahinmeucheln darf, der vollkommen ernst gemeinte Sätze wie “You can die for your country, I’m gonna live for mine.” oder “I’m the reaper.” enthält. Wenn du die Propaganda nicht siehst, würde ich mir ernsthafte sorgen machen.

    Darf man sich keine Gedanken machen über das, was man konsumiert? Muss man vollkommen blind alles schlucken? Sind für dich auch “Birth of a Nation” und “Der ewige Jude” unbedenklich?

  6. “dass der Film argumentiert, man müsse drei vollkommen Unschuldige (darunter ein Kind!) abschlachten, damit US-Soldaten nicht in Gefahr geraten”

    Ich verstehe diese Argumentation immer noch nicht. Die haben es NICHT getan. Und wie man auch im Film sah, waren die auch nicht unschuldig, sonst wäre der Taliban Mob nicht da gewesen.

    Ich an deren Stelle hätte übrigens eine andere Lösung gefunden, die einfach mitnehmen zum anderen Beobachtungsposten und wenn die Aktion vorbei ist, die frei lassen.

    Ich sehe wir werden uns irgendwie nicht einig, ist auch okay so. Für mich ist das kein Propaganda Mist, dafür wurde kaum ideoligisiert. Es sind einach nur Menschenschicksale. wo jede Partei einfach für sich alleine kämpft.
    Glaub jeder Nerdtalker soll selbst entscheiden ob er dem Film ne Chance gibt, ich kann es durchaus empfehlen. Allein schon der Sound (2 vollkommen verdiente Oscar Nominierungen) waren grossartig

  7. Gut das du erst einmal nahezu alles ignorierst, was du nicht lesen möchtest.

    Dann erkläre ich es mal so, dass auch du es verstehst: Ja, die Soldaten haben die Ziegenhirten nicht getötet – und diesen Umstand stellt der Film als etwas Negatives dar. Marcus Luttrell spricht in seinem Buch von einer weichen, “liberalen” Entscheidung , Drehbuch und Regie übernehmen diese menschenverachtende Position ohne jegliche Kritik. Du argumentierst hier gerade für das Durchführen von Kriegsverbrechen, informiere dich doch auch bitte ein bisschen über die Hintergründe.

    Deiner Aussage entnehme ich, dass diese Menschen für dich nicht mehr unschuldig waren. Weil sie eine Horde bewaffneter Männer den lokalen Autoritäten gemeldet haben? Weil sie vermutlich Angst hatten? (ob vor Taliban oder Amerikaner ist ja eigentlich auch egal). Du hast gerade erklärt, der vermutlich 14-15 jährige Hirtenjunge sei nicht unschuldig? Gibt es im Krieg für dich überhaupt Limits oder sollten Armeen verbrannte Erde hinterlassen?

    Klar hätte es andere Lösungen gegeben – aber in Luttrells blindem Militarismus werden diese nicht einmal erwogen. Es geht schließlich um den Mann der behauptet, “Kriegsverbrechen” wären eine Erfindung der liberalen Medien.

    Wenn dieser Film für dich kein “Propaganda Mist” ist, möchte ich dir die Fähigkeiten, solchen zu erkennen, gerne absprechen.Lies ein bisschen zu dem Thema, informiere dich – vielleicht spricht aus dir einfach mangelndes Wissen, ein bösartiges Wesen möchte ich dir nicht unterstellen. Es sind im Film eben nicht einfach “Menschenschicksale”, die Parteien werden mehr als eindeutig gewertet, die Umstände inszeniert und zur Unkenntlichkeit verzehrt.

    Der Film stellt wahre Ereignisse wissentlich falsch dar, zum erzielen eines politischen Effekts – das ist, im wahrsten Sinne des Wortes, die Definition von Propaganda. Scheinbar hat sie bei dir gewirkt.

    Sicher, manche handwerkliche Aspekte (auch die Stunts, die ja auch den Hauptpreis der Stuntmans Association of Motion Pictures gewonnen haben) des Films sind beeindruckend. Aber du hast dich vollkommen blenden lassen, denn handwerkliche Güte machen doch eine abartige Intention in keiner Weise besser. Um wieder den Vergleich zu bemühen: Birth of a Nation war für seine Zeit bahnbrechend und hat das Medium Film im erheblichen Maße vorangebracht. Dennoch ist die Kernaussage des Films verabscheuungswürdig. Lone Survivor hat noch nicht einmal eine solche Güte, es ist einfach ein mittelmäßiger Actionstreifen mit schrecklicher Kameraführung (man beachte die Dialogszenen am Anfang, dümmlichen Dialogen, ekelhaftem Melodrama und furchtbaren Darstellern. Der bislang schlimmste Film des Jahres.

  8. Ich frag mich nur, wenn du das Buch schon so Scheiße fandest, warum hast du dann den Film überhaupt angeschaut?

    Es ist natürlich ungemein einfach als Aussenstehender über Sachen zu urteilen. Die Lage in Afghanistan ist wesentlich komplexer als das man sowas bei nem Nerdtalk Kommentar besprechen kann. Fakt ist, der Krieg dort ist kein einfacher, denn es gibt kein Konflikt zwischen Uniform und Uniform. Schon wegen den Stämmen dort ist das ganze dort noch komplizierter, wie man im Film auch letztendlich sah.

    Der ganze Film war mehr oder weniger auf diesen moralischen Konflikt zugespitzt, wo es keine wirklich gute Lösung gab. Dass du da jetzt zehntausende Kilometer entfernt den moralischen Finger zeigt ist recht bequem, versetz dich mal in die Lage von denen. Da hast du die Chance einen wichtigen Gegner zu schnappen, der für viele Todesfälle unter den Kameraden verantwortlich ist und du selbst Familie hast, die du wiedersehen möchtest. Letztendlich hat sich ihre Furcht mit dem Informator auch bewahrheitet, also haben die wissentlich eher gegen sich selbst entschieden.

    Und dass du den Film hier schlimmer als Göbbels Propagande darstellst ist ja wohl echt ne Unverschämtheit 🙁

    Nicht dass mich solche Punktzahlen sonderlich kümmern würden, aber interessant, dass der Film bei Rottentomatoes auf beachtlichen 76% steht, das voll von nicht amerikanischen Filmkritiken ist. So schlimm scheint er dann doch nicht zu sein wegen US-Propaganda und so.
    http://www.rottentomatoes.com/m/lone_survivor/

    Würde mich nach all dem Drama hier in den Kommentaren über eine Filmbewertung in Folge 338 freuen 🙂

  9. Zu ersten Frage: Weil es schlimme Bücher gibt, die gute Filme werden können? Weil mich die Thematik und Umsetzung interessieren, auch wenn ich mit dem Ursprungstext fragwürdig ist?

    Natürlich ist jede bewaffnete Auseinandersetzung eine komplexe Gemengelage von Einzelmomenten, Anspannung und verschiedenen, oft widersprüchlichen Rechtswirklichkeiten. Aber ich verurteile auch nicht die Handlungen Luttrells, sondern die Schlüsse die er aus dieser Situation zieht und seine politischen Äußerungen.

    Der Film ist nicht auf eine moralischen Konflikt ausgelegt, sondern primär auf das Stundenlange abschlachten gesichtsloser Afghani durch heroische Amerikaner. Der Film wird gerade dadurch perfide, dass er noch einige Einheimische positiv hervorhebt, bedient sich der klassischen Kolonialrhetorik der „edlen Wilden“ und reduziert Komplexität in dem Maße, wie es du mir gerade vorwirfst.

    Die Behauptung, als Kriegsgegner würde man ja aus der Distanz über etwas Urteilen, dass man nie direkt gesehen hat, war schon immer mehr als fragwürdig. Ich muss kein Filmmacher sein, um Filme beurteilen zu können; kein Koch um zu wissen, ob mir etwas schmeckt. Im Gegenteil: Gerade eine Außenperspektive gibt dem Kritiker einen Blick, der meist reflektierter ist, als der von direkt beteiligten. Krieg ist etwas barbarisches und nahezu immer falsches, unsere Hoffnung, als Menschheit jemals mehr zu sein als Affen mit besserer Technologie, liegt in Institutionen und Ordnungssystemen wie der Demokratie. Seit dem Westfälischen Frieden bemühen, eigentlich immer schon, bemühen sich Menschen den Krieg zu regulieren, ihn zu demokratisieren.

    Soldaten und Militärs leben in inhärent antidemokratischen Strukturen – sie bedürfen der Kontrolle von Außen, denn sie haben kein Interesse an der demokratischen Selbstordnung. Wer außer jene, die zehntausend Kilometer entfernt sind, soll den Urteilen? Als könnte ein Soldat jemals unbefangen die Menschen um sich herum, mit denen er in oft traumatischen Situationen und Gefechten Seite an Seite ums Überleben gerungen hat, nach fairen Kriterien beurteilen. Viele Gute Kriegsfilme beschäftigen sich gerade mit dieser Thematik.

    Was du sagst ist, dass der Zweck die Mittel heiligt. Ein vermeintlich wichtiger Talibanführer soll erlegt werden, um jeden Preis. Du sprichst von „Todesfällen der Kameraden“, von den Familien der Soldaten (wie der Film am Anfang auch – wir sollen ja schließlich mit diesen Menschen mitfühlen wenn sie im Kugelhagel verenden) – aber die afghanische Perspektive wird ausgeblendet. Ihre Leben zählen dem Film nichts, ihre Interessen werden ausgeblendet. Sie sind eine gleichförmige, zombieartige Masse die nur lebt, um Amerikaner zu töten, eigentlich jeden der sich ihnen nicht unterwirft. Die Soldaten entscheiden sich für das richtige – sowohl Regisseur Peter Berg als auch Autor Luttrell stellen das als falsche, weiche Entscheidung dar.

    Dann argumentierst du noch mit Rottentomatoes – eine Seite mit überwiegend amerikanischen Kritikern, ein paar Australier und Britten – beide am Afghanistankrieg beteiligt. Selbst wenn dem nicht so wäre – die Mehrheit hat nicht automatisch recht. Darüber hinaus sind solche Metadaten-Sammler nicht wirklich zielführend: Filme in Prozent oder Punktwertungen zu drücke kann nie mehr als eine Orientierungshilfe sein. Über Qualität sagen sie nichts aus. Sind die Filme an der Spitze von IMDB und Rotten Tomatoes die besten aller Zeiten? Ich weiß es nicht, aber ihre Position sagt nur, dass sie die populärsten sind. Metascore mit 60 Punkten und „Mixed or average reviews“ blendest du übrigens ganz aus.

    Wenn du mir einen Punkt nennen kannst, in dem der Film besser ist als Göbbels Propaganda, nehme ich meinen, zugegeben etwas polemischen, Kommentar gerne zurück.
    Du argumentierst, als würde ich dir etwas wegnehmen wollen. Ich will dir deine Freude an Lone Survivor nicht wegnehmen, was dir gefällt bleibt deine Entscheidung, bleibt jedermans Entscheidung. Wir können auch Dinge genießen, die fragwürdigen Inhalt haben. Wir müssen uns nur ihrer problematischen Machart bewusst werden, reflektieren, mehr sehen als blinkende Lichter auf einer Leinwand. Wenn wir Propaganda erkennen, verliert sie ihre gefährliche Wirkung zum größten Teil. Lone Survivor ist Propaganda, ob du den Film mochtest, spielt dabei keine Rolle. Ich mochte ihn nicht, er hat mich geärgert und frustriert, hat mir wieder vor Augen geführt, warum so viele Menschen auf der Welt den USA kritisch gegenüberstehen. In Deutschland würden wir einen solchen Film niemals drehen im Jahr 2013 – weil wir gelernt haben aus unserer Vergangenheit.

  10. Nochmal kurz zu Walt Disney, weil Phil ihn so positiv dargestellt hat: Man sollte nicht vergessen, dass er von vielen Menschen immer noch als Rassist und Antisemit gesehen wird. Diese Vorwürfe sind zwar von seinem Biographen entkräftet worden, aber dass er in dieser Hinsicht problematische Ansichten verfolgte und auch danach handelte, wird auch von dem nicht bestritten.

    Ich weiss, das hat nur entfernt mit Saving Mister Banks zu tun, aber dem Kontext täten diese Informationen vielleicht gut.

  11. @Kinomensch

    Die afghanische Sichtweise wäre sicherlich einen eigenen Film Wert. Aber die gibt es leider viel zu selten (Dokumentarfilme meine ich), weil die selbst in Angst leben. Ohne Frage.
    Aber DIESER Film handelt nicht von denen, es ist nicht möglich näher auf Schicksale der zB Hirten einzugehen. Zumindest mit den Dorfbewohnern hat man es irgendwo versucht, aber das auch nur kurz, weil es ein Verständigungsproblem gab. Das dem Film vorzuwerfen ist meiner Meinung nach unfair.

    Und um dem Göbbels Vergleich auf die wirklich plattest Art zu zerstören: Dieser Film zeigt auch gute Afghanen, ich kann mir nicht vorstellen, dass Göbbels jemals auch gute Juden zeigte

  12. Warum soll das den nicht möglich sein? Schau dir selbst einen große Mainstreamproduktion wie “Captain Phillips” an, der beide Seiten zeigt, ohne dadurch weniger spannend zu sein. Ein Film, der uns am Ende auch mit den Konsequenzen konfrontiert und in seiner Beurteilung von Gut und Böse weniger eindeutig ist, als Lone Survivor. Das wir im Film eine Seite so geschickt ausblenden und ihr Leiden in Schnitten und Einstellungen ungeschehen machen können, ist eine der großen Propagandawerkzeuge des Films. Peter Bergs Film hat keinen Versuch gemacht, die Afghanische Seite zu verstehen – nie, auch am Anfang, als es sich nicht um eine Darstellung von Kommunikation zwischen Amerikanern und Einheimischen handelt nicht, wird klar, was gesprochen wird. Wenn ich mich richtig erinnere ist das erste, was wir von ihrer Seite sehen, eine grausame Hinrichtung. Wer einen Film über aktuelle, noch laufende und politisch bedeutsame Ereignisse dreht, begibt sich auf besonderes Terrain und muss sich auch an nach entsprechenden Maßstäben messen lassen. Er wird einer breiten Öffentlichkeit ein fiktionalisiertes Bild von Ereignissen darstellen, das noch lange bestehe wird. Ich bin also mehr als fair gegenüber dem Film, und hebe sogar manche seiner Qualitäten hervor, wenn ich urteile, dass er gefährlich und abstoßend ist.

    Zu deinem Einwand: Was dargestellt wird zeigt einfach, das Berg perfider vorgeht als Göbbels es zu seiner Zeit konnte. Wer mit Rassisten redet, wird oft Sätze hören wie “Ich habe ja auch Schwarze/Jüdische/Türkische Freunde”; der Kolonialismus hat immer mit dem verqueren Idealbild des edlen Wilden gespielt und einzelne, assimilierte Individuen für sich eingenommen. Im Film werden die Afghani, welche die Amerikaner unterstützten und ihre Landsleute töten als die “Guten” dargestellt, wer sich den Invasoren widersetzt als böse. Sie werden benutzt als die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Doch selbst über die “guten” Einheimischen erfahren wir wenig, sie sind leere Chiffren und dienen dem Regisseur als Werkzeug, um seine Pro-Afghanistankriegsnarrative zu erzählen. Dem nationalsozialistischen Film fehlten einfach die Erkenntnisse unserer Zeit – heute würde es auch bei Göbbels sicher einige Juden geben, die bei der Jagd auf ihre Freunde und Familie helfen – Teilen und Herrschen ist kein neues Konzept.

    Eine Anmerkung: Wie fadenscheinig das Lob für die afghanische Gastfreundschaft, welche Luttrell vor den Taliban bewahrt hat, wird recht schnell klar. Pashtunwali, ein altertümlicher Gesetzeskodex der Pashtun, enthält auch einen Abschnitt über Melmastia (bedeutet soviel wie Gastfreundschaft). Genau dieses Gesetz macht es den Taliban allerdings auch unmöglich, Osama Bin Laden auszuliefern. (Quelle: https://repository.library.georgetown.edu/bitstream/handle/10822/553438/amatojonathan.pdf?sequence=1) Ich glaube kaum das Berg und Luttrell diesen Umstand gelobt hätten – ihre Zuneigung für die Einheimischen ist oberflächlich und heuchlerisch.

  13. Ach komm, diese 2,5 Minuten bei Captain Phillips mit dem somalischem Dorf als positiv Beispiel zu nennen ist ja wohl etwas weit hergeholt 😉 Das war ja noch das plumpeste an den Film (was übrigens gut ist)

  14. Guck mal, so langsam bin ich ein wenig frustriert. Ich habe das Gefühl, du bist einer dieser Menschen, für die es keinen Subtext gibt, für die jede Interpretation das Werk zerstört und für die das Medium Film keinen Wert hat, außer zwei Stunden zu unterhalten.

    Sicher, Captain Phillips war nur ein naheliegendes, vergleichbares Beispiel – aber das du nur die Anfangsszene benennst, ist dann doch mehr als kurzsichtig. Paul Greengrass als Regisseur ist ein hervorragendes Beispiel – ein Mann, der es schafft, einen Film über 9/11 nicht zur patriotischen Schmachtfantasie zu machen (United 93), und Unterhaltungsfilme mit seiner BBC-Journalistenausbildung zu erstaunlichen Thrillern zu vermengen. Bloody Sunday wäre ein gutes Beispiel.

    Stell dir vor wie “Captain Phillips” bei Peter Berg ausgesehen hätte: Bösartige, gierig sabbernde Somalier, von denen wir nie ein einziges Wort verstehen (Terroristen? Muslime?) machen sich grausam über ehrliche, einfache amerikanische Seeleute her; sie missbrauchen die Frauen und verprügeln die Männer. Am Ende rücken die muskulösen Marines an und sorgen für Freiheit und Gerechtigkeit. “Geh zurück in dein Sandloch, du Ziegenficker” verkündet General McHardfight, bevor er dem geifernden Ungetüm eine Kugel zwischen die Augen donnert. Stars und Stripes wehen in der Luft, im Hintergrund geht die Sonne auf. Eine E-Gitarre mit Flanger und viel Hall zerrt “The Star Spangled Banner” an. Tom Hanks schaut ernst und bestimmt in die Ferne – abblende, Credits zu Rockmusik. “We dedicate this movie to the REAL HEROES, the US-Marine cops.”

  15. @Kinomensch:
    So einige sind inzwischen sicherlich auch von Deinen Kommentaren frustriert, denn – um bei Deiner Wortwahl zu bleiben – Du bist einer dieser Menschen, die meinen die einzig wahre Interpretation gefunden zu haben und sie allen anderen aufdrücken zu wollen. Wer das dann anders sieht ist eben doof, unbelesen oder ignorant. Da wären wir dann wieder bei der Schwarz-Weiß-Sichtweise eines Herrn Goebbels (übrigens mit “oe” und nicht mit “ö”).

    …muss ja auch mal gesagt werden.

  16. Ich würde nie von mir behaupten, die einzige richtige Interpretation für einen Film gefunden zu haben – ich glaube nicht, das es je eine solche geben kann. Kein Film ist je eindeutig, ich versuche hier lediglich meine persönliche Sichtweise über den Film darzulegen. Ich denke nicht, das eine Meinung zu besitzen schon dem “aufdrücken” gleichkommt. Doof, unbelesen oder ignorant ist für mich nur, wer sich doof, unbelesen oder ignorant äußert – keines dieser Wörter habe ich je benutzt, würde auch keins davon irgendwem hier zuschreiben wollen. Das ein Argument sinnvoller und zielführender ist, wenn es auch ein Fundament besitzt, sollte wirklich nicht kontrovers sein.

    Möglicherweise habe ich auf diesen Film eine etwas Schwarz-Weiße-Sichtweise, er hat mich wirklich geärgert. Das bin ich gerne bereit zuzugeben. Deshalb war ich ja auch an dieser Diskussion interessiert. Ich habe bis wirklich nichts gehört, was auch nur annähernd einem vernünftigem Gegenargument nahe kommen würde. Mich deshalb mit Goebbels (danke, keine Ahnung warum ich die andere im Kopf hatte weiß ich nicht) zu vergleichen leuchtet mir nicht ein – es handelt sich um ein zugespitztes Extrembeispiel, dass Darstellen sollte wieso Filmpropaganda gefährlich ist. Ich habe das zu keinem Zeitpunkt auf einen Diskussionsteilnehmer bezogen, was du hier einfach tust. Außerdem besitzt Lone Survivor nun einmal viele Elemente des Durchhaltefilms, bei der Anfangsmontage fühlt man sich an “Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht” erinnert.

  17. Mahlzeit,

    an der zugebenermaßen unterhaltsamen Diskussion über die US-Propaganda möchte ich mich an dieser Stelle nicht beteiligen. Ich mag mich vielmehr kurz zu “Saving Mr. Banks”, “Mary Poppins” und “Non-Stop” äußern.

    Es ist schön zu hören, dass “Saving Mr. Banks” scheinbar auch funktioniert, wenn man “Mary Poppins” nicht kennt und dazu führt, dass man sich den Disney-Klassiker dann doch anschaut. Allerdings kann ich Phils Bewertung nicht so ganz nachvollziehen, zumindest nicht, dass das langsame Erzähltempos für die Findung der Punkte eine Rolle spielte. Ich denke, wenn man sich alte Filme anschaut, sollte man sich bewusst sein, dass hier ein anderes Tempo angeschlagen wird, als in den Produktionen für die Generation “You Tube”. Das gilt ja nicht nur für “Mary Poppins”, sondern auch für Actionfilme. Ist “Bullitt” aus heutiger Sicht ein schlechterer Film, weil die Action so ganz anders inszeniert ist als heute? Ich denke nicht!

    Ansonsten bin ich über die hohe Wertung zu “Non-Stop” überrascht. Für mich ist der Film nicht mehr als ein durchschnittlicher Actionfilm, der schon früh die möglichen Täter einführt und sich alleine durch den Handlungsort von ähnlich konstruierten Filmen absetzt. Es ist zwar durchaus interessant Liam Neeson bei seiner “Ermittlungsarbeit” zuzuschauen, doch schlussendlich gelingt es dem Film nicht der Story neue Aspekte abzugewinnen und auch die Figuren sind für meinen Geschmack etwas zu stereotyp angelegt. Für mich ist der Film definitiv keine 8, sondern maximal eine 6 oder sogar nur eine 5.

    Hear u nxt week
    Gnislew

  18. Um mal über einen anderen Film zu reden, hab Non-Stop inzwischen auch gesehen.

    Die erste Hälfte ist wirklich gut gemacht, sau spannend, mit dieser Text Grafik auch optisch sehr schön anzusehen.
    Nur die Auflösung und besonders Motivation des Schurken war absurd. Kann mir echt nicht vorstellen, dass die das bei den Besprechungen für gut fanden. Und auch sonst wurde der Film leider immer mehr zur Klischee Parade, angefangen mit dem Mädchen, dann dem Schicksal von Neeson, der Alkohol etc. Hätte man alles echt weglassen können und dafür einen guten (oder zumindest einen Mittelmässigen) Schluss schreiben können.

    Hab es nicht bereut anzuschauen, aber das lag an der sehr guten ersten Hälfte (oder 2/3)

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