The Firm – DVD-Review

Mit “The Firm” wurde Ende Januar von Ascot Elite ein sehr populärer Fernsehfilm des umstrittenen britischen Regisseurs Alan Clarke nun auf DVD und BluRay veröffentlicht. Lohnt sich der Kauf? Kann der TV-Film mit der Kino-Konkurrenz mithalten? Wir haben es für Euch gecheckt.

The Firm
Veröffentlichung: 27.01.2012
© 2012 Ascot Elite Home Entertainment
mit freundlicher Unterstützung von Ascot Elite Home Entertainment

Story:

Clive “Bexy” Bissell (Gary Oldman) hat zwar Frau und Kind, lebt aber doch kein ganz so geregeltes Leben. Gemeinsam mit seinen Kumpels sorgt er immer wieder samstags im und um das Fußballstadion herum für ordentlich Randale. Bexy führt seinen Hooligan-Trupp namens “Inter City Crew” vor allem gern in die Schlacht gegen die rivalisierenden “Buccaneers”. Doch im Jahr 1988 steht die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland an. Dort wollen die britischen Hooligans den Kollegen aus Holland ein paar liebe Grüße übermitteln. Zu diesem Zweck will Bexy die verfeindeten Gruppen miteinander aussöhnen, um gemeinsam gegen die Niederländer zu kämpfen. Doch das geht mächtig schief.

Kritik:

Der Beginn dieses britischen TV-Films aus dem Jahr 1988 war ein Sprung ins kalte Wasser: nach ein paar Trailern für andere Filme zum Thema “Hooligans” begann der Film ganz unvermittelt mit einer Fußball-Szene, die nach wenigen Minuten in Vandalismus übergeht. Das DVD-Menü bekam ich erst am Ende des Films zu Gesicht. Doch auch ohne diesen klitzekleinen Mangel war der Einstieg in den Film recht sprunghaft. Wer da gerade wessen Auto auseinandernimmt ist für den Zuschauer erst mal nicht klar, nur dass es sich um ein besonderes und kein x-beliebiges Auto handelt, wird schnell deutlich. Auch eine Möglichkeit die Feindschaft zweier Gruppierungen eindrucksvoll zu dokumentieren.

“The Firm” ist der letzte Film des viel zu früh (im Alter von 55 Jahren) verstorbenen Regisseurs Alan Clarke, der fast ausschließlich TV-Filme drehte. Clarke beschäftigte sich vorrangig mit Missständen in der Gesellschaft. Seine Filme waren für die damalige Zeit dermaßen schonungslos, dass sie teilweise nur geschnitten im englischen Fernsehen liefen. Auch auf der DVD-Hülle wird der britische “Guardian” mit der Aussage “Der beste Film über Hooligans” zitiert. Für damalige Verhältnisse mag das sehr wohl stimmen und auch für heutige Sehgewohnheiten wirkt der Film überaus realistisch und authentisch. Und so kann man dem Film eigentlich auch nicht wirklich ankreiden, dass er keine theatralische Story in vier Akten bietet, in der sich langsam etwas zusammenbraut. Vielmehr hat der Zuschauer das Gefühl, dass er bei diversen (Aufeinander-)Treffen der Hooligans dabei ist und somit ein wenig in ihre Denkweise und das vorherrschende Gemeinschaftsgefühl einblicken kann. Auch das Fehlen von jeglicher Hintergrundmusik macht aus dem Film schon fast eher eine Quasi-Doku denn ein “Hooligan-Drama”.

Obwohl die Laufzeit von gerade mal knapp 70 Minuten nicht viel Zeit lässt für Charakterentwicklung, gelingt es doch vor allem Gary Oldman in allerbester Weise dem Protagonisten ordentlich Profil zu geben. So geht es nicht nur um Gemeinschaftsgefühl und Starksein in der Gruppe, sondern eben auch um die private Seite. Um die Beziehung zu seiner Frau, die seiner Samstagsnachmittagsfreizeit natürlich nicht so wohlgesonnen ist. An der Aufgabe so viel Tiefe in so kurzer Zeit vermitteln zu können, wären weniger versierte Darsteller kläglich gescheitert. Oldman hingegen lässt hier schon in jungen Jahren sein Potenzial an Können erahnen, das ihm in der laufenden Saison endlich seine erste Oscar-Nominierung überhaupt einbrachte.

Fakt ist: vergleichbar mit meinen “Hooligan-Referenzfilm” (was ein Wort!) “Green Street Hooligans” ist er nur bedingt. Anstatt hier einen Normalo langsam auf die schiefe Bahn zu setzen und ihn immer tiefer in die Misere hineingeraten zu lassen, steckt Bexy in “The Firm” schon mittendrin. Nichtsdestotrotz hat Alan Clarke mit diesem seinem letzten Film noch einmal eindrucksvoll die britische Fernsehlandschaft aufmischen können – zu recht.

DVD-Review

Der Film
Natürlich merkt man schon sehr stark, dass es sich hier um einen TV-Film vom Ende der 80er Jahre handelt. Irgendwie macht das ja auch einen gewissen Charme aus. Störend fand ich es zumindest nicht, dass der Film mit heutigen Produktionen nicht mithalten kann. Aber schließlich kommt es auf den Inhalt an und solange die Qualität nicht den Filmgenuss stört – und das hat sie nicht – lohnt da kein Wort der Kritik. Ob man sich das Werk allerdings auf BluRay zulegen muss, lasse ich mal dahin gestellt.

Die Extras
Das ist mal eine DVD aus dem seltenen Lager “Mehr Extras als Film”, was ich durchaus positiv finde!

The Alan Clarke Season
Leider ist der Tod eines Regisseurs ein eher trauriger Anlass noch einmal in einer 50minütigen Rückschau auf das Werk Weggefährten, Filmkritiker und andere Personen zu Wort kommen zu lassen. Es ist schon sehr interessant hier noch einmal durch das Werk eines Mannes geführt zu werden, der in den 70ern und 80ern in Sachen Fernsehfilm einiges in England bewegt (und England bewegt) hat. Natürlich gibt es auch viele Interviewauszüge des Regisseurs, in denen er etwa seine Herangehensweise an Gewaltszenen gut ausformuliert. Es geht ihm um Authentizität, deswegen bleibt die Kamera eher auf Abstand und zeigt Gewaltszenen aus der Distanz, anstatt sie in den Mittelpunkt zu zerren und sich an ihr zu weiden. Gewalt mal nicht als Selbstzweck, ein löblicher Ansatz.

Intro into THE FIRM (mit David Leland)
Clarkes Fernsehfilme waren so kontrovers, dass sie – zumindest “The Firm” – nur mit einem Vorwort versehen ausgestrahlt werden konnten. Vermutlich musste man das englische Volk vorwarnen, dass gleich ganz krasse und realitätsnahe Ereignisse auf der Mattscheibe passieren würden. Vielleicht sollte das einführende Vorwort auch die aufkommenden Wogen im Keim glätten. Präsentiert werden die einleitenden Worte von Schauspieler und Regisseur David Leland, der hierzulande sicherlich am ehesten für seine Regiearbeit in einer Episode des WW2-Zehnteiles “Band Of Brothers” bekannt sein dürfte.

Late Show: Paul Morley im Gespräch mit Alan Clarke
Diese Fernseh-Talkshow aus damaliger Zeit zeigt beeindruckend, welche Kontroversen Clarkes Filme ausgelöst haben. In heutigen Zeiten nimmt diese Art des Talkshow-Journalismus auch bei uns mehr und mehr zu: erst gibt es einen gesellschaftskritischen Film, anschließend folgt die große Talk-Runde zum Thema in “Hart aber fair” oder bei Anne Will. Auch sehr sehenswert, nicht nur weil sie teils tiefe Einblicke in den damaligen Sellenzustand der englischen Gesellschaft offenbart.

Timewatch
Besonders interessant: ein etwa 10minütiges Feature, das sich dem Thema „Hooligans“ mal historisch nähert. Hier kommen waschechte Historiker zu Wort, die teilweise mit Bilddokumenten aus uralten Zeiten belegen, wie sich die Kultur der Hooligans im Lauf der Jahre entwickelt und verändert hat.

Fazit

“The Firm” hat eine komplett andere Herangehensweise an das Thema “Hooligans” als Filme unserer Zeit. Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen – ist der Film, zusammen mit dem umfangreichen Bonusmaterial, sehr sehenswert. Was man bei Sichtung bedenken sollte: 1985 kam es im Brüsseler Heyel-Stadion (heute Köig-Baudouin-Stadion) zu einer durch britische Hooligans ausgelösten Katastrophe. Vor Beginn des damaligen Europapokal-Endspiels zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool kam es zu einer beispiellusen Eskalation der Gewalt. Durch die entstehende Panik wurden 39 Menschen getötet und über 400 teils schwer verletzt. Man kann sicher sein, dass England dieses Trauma 1988 noch nicht wirklich verarbeitet hatte und auch dies ein Grund gewesen ist, warum “The Firm” für so viel Aufsehen in den britischen medien gesorgt hat. Als Film vielleicht nicht ganz so dramatisch und spannend wie etwa “Green Street Hooligans”, als Zeitdokument dafür umso wichtiger.

Gewinnspiel

Ihr könnt ein Exemplar des Films bei uns gewinnen!
Hierzu müsst ihr nur folgende Frage beantworten:

In welcher Superhelden-Filmreihe spielt Gary Oldman heutzutage eine größere Nebenrolle?

Sendet eure Antwort bis Montag, den 20. Februar 2012, an gewinnspiel@nerdtalk.de – aus allen richtigen Antworten wird in der kommenden Podcast-Episode ein Gewinner ausgelost.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit freundlicher Unterstützung von Ascot Elite Home Entertainment.

Viel Glück!

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