Zeiten des Aufruhrs


Filmposter: Zeiten des AufruhrsRegie: ,
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Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (R)
Originaltitel: Revolutionary Road
Laufzeit: 1:59 Stunden

Filmkritik zu “Zeiten des Aufruhrs”

4.5/5 von andreas

Sam Mendes mag zwar nicht zu den produktivsten Regisseuren Hollywoods gehören, sicherlich aber zu den besten. Für seinen Erstling „American Beauty“ hagelte es fünf Oscar-Trophäen und auch der Nachfolger “Road to Perdition” konnte sich über einen Goldjungen freuen. Besonders „Jarhead“ hat das Genre des Antikriegsfilms erfrischend bereichert – und mir persönlich sehr gut gefallen. In „Zeiten des Aufruhrs“ wendet sich Mendes nun wieder dem Scheitern einer Ehe aus dem amerikanischen Middleclass der 50er Jahre zu. Und beschert uns damit ein herausragendes Drama.

Die Ehe von April und Frank Wheeler ersäuft in der Tristesse des Alltags. All die großen Pläne aus früheren Zeiten sind einem eintönigen Leben in einem New Yorker Vorort zum Opfer gefallen. Nachdem die Frustration der beiden immer häufiger in einem aggressiven Streit endete, will April aus diesem vorbestimmten Leben ausbrechen. Sie möchte nach Paris auswandern, da auch ihr Mann in den Kriegsjahren dem Charme der Seine-Metropole erlegen ist. Gemeinsam planen sie, ihr bisheriges Leben in Amerika hinter sich zu lassen und in Europa den Neuanfang zu wagen. Vor allem für Leonardo ist die Möglichkeit, seinem miefigen Schreibtisch-Job zu entkommen und noch einmal ganz neu anzufangen, anfangs sehr verlockend. Bis eines Tages ein noch verlockenderes Job-Angebot die hoffnungsvollen Pläne jäh zerstört.

Wer mich in diesem Jahr nach einem Film fragt, der intensives und bedrückendes Gefühlskino bietet, wird von mir ohne große Grübelei „Zeiten des Aufruhrs“ zu hören bekommen. Diese emotionale Quälerei tat schon fast physisch weh. Was kann dramatischer sein als zwei Menschen, die sich aus tiefstem Herzen lieben, jedoch in ihrer Ehe alles falsch machen, in dem Glauben, endlich mal etwas richtig zu machen? Obwohl beide absolut gewillt sind, die Ehe aus der Krise zu manövrieren, entpuppt sich das wahre Leben als eine Art Einbahnstraße mit Abwärtsstrudel, aus dem auch der beste Steuermann nicht wieder heraus kommt. Der Mythos der perfekten Partnerschaft gerät langsam aber sicher ins Schlingern.

Abgesehen davon, dass dieser Film nachwirkt wie ein Pflasterstein im Magen, machte er mich doch zugleich auch fast wütend. Wütend darüber, dass Leonardo DiCaprio für seine Rolle als verzweifelnder Ehemann keine Oscar-Nominierung bekommen hat. Ich bin wirklich nie ein großer Leo-Fan gewesen, aber um zu sehen, dass er in diesem Film eine 100% auszeichnungswürdige Leistung erbringt, muss man kein absoluter Kenner sein. DiCaprio spielt mit jeder Faser Frank Wheeler und sich selbst damit die Seele aus dem Leib. Alle Emotionen, angefangen bei rasender Wut über Hoffnungslosigkeit bis hin zu überzeugenden Liebesbekundungen, bringt er wie mit Fingerschnippen mal eben so in Perfektion rüber. In einer Szene war er sogar dermaßen gut, dass mich allein sein intensives Schauspiel schon ganz dicht an den Augenwinkel-Dammbruch führte (sein Wutausbruch während eines Kaffeekränzchens mit Nachbars und deren Sohn). Standing Ovations für diese Leistung.

Auch Kate Winslet spielt die Rolle der verzweifelten Frau April, die ihre letzte Hoffnung im Ausbrechen aus dem Alltag sieht, sehr überzeugend. Auch ihr nimmt man die Rolle jederzeit ab. Ein weiteres Highlight des Films ist eindeutig der sozial gestörte Sohn der Nachbarn (Michael Shannon), der an seinen Freigangs-Tagen aus der Psychiatrie seine Eltern beim Kaffeekranz bei den Wheelers begleitet. Zuerst ist sein Verhalten, dass durch offene Aussprache seiner Gedanken geprägt ist, eher belustigend. Wenn er dann jedoch die Beziehung zwischen Frank und April bis ins kleinste entmutigende Detail seziert, bleibt einem schnell das Lachen in der Kehle stecken. Dass gerade derjenige die Beziehung am besten beurteilen kann, der sonst wegen sozialer Unfähigkeit in der Irrenanstalt sitzt, ist ein gelungener Winkelzug, der dem Film noch mehr Tiefe gibt.

Dass hier ein wirklich hervorragendes Drehbuch vorgelegen hat, sieht man an vielen kleinen Details. Während der Dramaking kritisiert, dass die beiden Kinder der Wheelers im Film fast gar nicht stattfanden, obwohl doch gerade auch die Entwicklung der Kinderseelen in einer solch zerrissenen Familie interessant ist, fand ich die Konzentration auf das Ehepaar an sich sehr gelungen. Mendes fokussiert sich wirklich haargenau darauf, das Aneinandervorbeireden der Wheelers in Szene zu setzen, welches später in solchen Sätzen wie „Warum hast du mich eigentlich geheiratet?“ gipfelt. Da auch noch die Kinder mit einzubeziehen, hätte meiner Meinung nach nur von der eigentlichen Thematik abgelenkt.

Besonderes Meisterstück: das Ende. Einen Film, der durch die Problematik eines Ehepaares lebt, das zwar miteinander redet, aber nie zuhört, mit dem gewählten Schluss zu beenden, entlockt einem erst ein kleines Lächeln, bis einem ob der vergangenen zwei Stunden ein dicker Kloß im Hals stecken bleibt. Genialer Schlusspunkt.

Ich kann mich nur wiederholen: wirklich großes Gefühlskino.

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