Frost/Nixon


Filmposter: Frost/NixonRegie: ,
Drehbuch:
Darsteller: , , ,

Kinostart D: (FSK 6)
Kinostart US: (R)
Originaltitel: Frost/Nixon
Laufzeit: 2:02 Stunden

Filmkritik zu “Frost/Nixon”

4.5/5 von andreas

Der Watergate-Skandal um den ehemaligen Präsidenten Richard M. Nixon ist für das heutige deutsche Kinovolk nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich weit entfernt. Auch ich hatte anfangs meine Zweifel ob die Verfilmung einer legendären Interview-Reihe mit der ehemaligen Nummer eins in Deutschland was reißen kann. Zwar sehen die Besucherzahlen sehr traurig aus; wer sich jedoch in den Film traut, wird mit einer echten Filmperle belohnt, die mehr durch ihre Darsteller als durch die Handlung lebt.

Der Talkshow-Moderator David Frost hat einen verwegenen Plan. Drei Jahre nach dem Abgang Richard Nixons möchte er mit diesem eine groß angelegte Interview-Reihe machen. Neben einer rekordverdächtigen Zuschauerzahl hofft er vor allem auf ein Geständnis von Nixons Beteiligung am Watergate-Skandal. Nixon willigt in das Projekt ein, erscheint im Frost doch wie ein Leichtgewicht, das ihm nicht gefährlich werden kann. Doch so ein Weichei wie erhofft, ist der britische Moderator dann doch nicht.

Anfangs stellt man sich die Frage, welche Relevanz dieser Film in Deutschland haben kann. Die Watergate-Affäre ist Jahrzehnte entfernt und wurde bereits mii Robert Redford und Dustin Hoffmann in „Die Unbestechlichen“ in Gänze umrissen. Wer sich jedoch von den „harten Fakten“ löst, der wird ein hervorragendes Psychogramm zweier unterschiedlicher Männer sehen, das jederzeit seine Berechtigung haben wird.

Getragen wird der Film natürlich von seinen beiden Hauptdarstellern. Vor allem Frank Langella verkörpert den gescheiterten US-Präsidenten so glaubhaft, dass er von Hugh Jackman bei der Oscar-Verleihung „der echte Nixon“ genannt wurde. Eine Nominierung für den Oscar geht auch komplett in Ordnung. Langella hat für seine Darstellung des Nixon im zugrunde liegenden Theaterstück bereits im Jahr 2007 einen Tony Award erhalten. So gesehen hatte er im „Ex-Präsident-Sein“ ja schon einige Übung. Die merkt man ihm auch jederzeit an. Wirkt er zu Beginn des Films sehr überheblich, so bröckelt doch nach und nach die harte Fassade ab. Zum Vorschein kommt ein Mann, der entgegen aller bisherigen Bekundungen doch ein Gewissen und ein Schuldbewusstsein hat. Am Ende zeigt uns Langella einen gebrochenen Mann, der sich selbst gescheitert sieht. Was dieser Mensch mit ein wenig Mimik auszudrücken vermag, ist allein das Eintrittsgeld wert.

Ebenfalls gut, wenn auch nicht ganz so grandios, spielt Michael Sheen als Robert Frost auf. Auch ihm nimmt man den ambitionierten Moderator ab, der nach jahrelangem Latenight-Dasein ein wenig mehr Journalist und weniger Entertainer sein will. Auch wird schön deutlich, dass er sich mit seiner selbst gesetzten Aufgabe anfangs überfordert sieht. Nicht ganz so gut nachvollziehbar ist dann der Wechsel vom Selbstzweifler hin zum überzeugten knallharten Journalisten, der wasserdicht recherchiert und nach vielen rhetorischen Pleiten dann doch die richtigen Worte findet, um den unangreifbar scheinenden Ex-Präsidenten in die Defensive zu zwingen.

Für mich persönlich war der Film von Beginn an sehr spannend. Eine kurze Einführung in den Watergate-Skandal bringt auch Unwissende auf den notwendigen Stand der Dinge, um den Eklat, der zum Rücktritt Nixons führte, zu verstehen. Der Kampf um die Finanzierung des Projekts sowie die hilflosen Versuche, die Interviewreihe bei einem Fernsehsender zu platzieren, waren für mich fast ebenso spannend wie die tatsächlichen Interviews.

Tatsächlich sind die Interviews, die ja auf den ersten Blick ein elementarer Bestandteil des Films sind, angenehm kurz gehalten. Die jeweilige Marschrichtung, das Kräfteverhältnis der Gesprächspartner untereinander wird gut deutlich, ohne thematisch zu sehr in die Tiefe zu gehen. Meine befürchtete Langeweile angesichts stundenlanger Dialoge wurde nicht bestätigt.

Einzig ein Kritikpunkt bleibt: für die Story unerheblich ist die Liebesgeschichte zwischen Frost und seiner Freundin Caroline (Rebecca Hall). Doch gerade weil ihre Rolle in dem ganzen Treiben absolut verzichtbar ist, wird ihre Anwesenheit im Film auch auf ein Minimum beschränkt.

Wer auf der Suche nach großem Charakterkino ist und sich nicht an dem für „uns Deutsche“ eher unbedeutenden historischen Hintergrund stört, der wird mit „Frost/Nixon“ seinen wahre Freude haben.

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