Antikörper


Filmposter: AntikörperRegie:
Drehbuch:
Darsteller: , , ,

Kinostart D: (FSK 16)
Kinostart US:
Originaltitel: Antikörper
Laufzeit: 2:02 Stunden

Filmkritik zu “Antikörper”

4/5 von andreas

Fragt man einmal in die Runde, welcher Film denn als der beste deutsche Krimi der letzten Jahre in Frage kommt, erhält man häufig „Das Experiment“ zur Antwort. Wirklich gute Krimis, die auch international den Vergleich mit Hollywood-Produktionen nicht scheuen müssen, sind in der Tat rar gesät. Mir würde auf die obige Frage auch noch „Antikörper“ einfallen.

Der Serienmörder Gabriel Engel ist der Polizei ins Netz gelaufen und verlangt nach einem bestimmten Dorfpolizisten, um ihm seine Taten zu gestehen. Michael Martens, der Kriminalbeamte vom Lande ist ganz angetan davon, dass er im Gegensatz zu den Großstadt-Cops Zugang zu dem Gefangenen bekommt. Ihn umtreibt eine Frage: ist der geständige Täter auch verantwortlich für ein verschwundenes Mädchen in seinem abgeschiedenen Dorf? Ins Profil passt es nicht: alle 13 Opfer von Engel waren Jungen…

Mit André Hennicke hat Regisseur Regisseur Christian Alvart einen guten Griff gemacht: er verkörpert den Serienkiller sehr eindringlich und braucht sich nicht hinter einem Anthony Hopkins zu verstecken. Von Anfang an hat er eine eiskalte und einschüchternde Präsenz. Auch in anderer Hinsicht finden sich einige Parallelen zum Klassiker „Das Schweigen der Lämmer“: Polizist Martens bekommt von Engel die eigene dunkle Seite vorgeführt. In jedem steckt Gewaltpotenzial, und sei er noch so rechtschaffen – wie etwa der streng gläubige Dorfpolizist. Wotan Wilke-Möhring eignet sich ausgezeichnet als kleiner Mann vom Lande, der plötzlich seine Aggression und Wut entdeckt und ans Tageslicht bringt. Ist Wilke-Möhring anfangs das Musterbeispiel eines Polizisten in einem verschlafenen Dorf, so scheint seine Wandlung doch sehr glaubhaft.

Gut gelungen ist auch der Kontrast „Stadt-Land“. Während die Szenen in ländlicher Umgebung sehr ruhig und teils etwas arg in die Länge gezogen wirken, herrscht in der Stadt meist Hektik und ewiges Gewusel. Den obligatorischen Strip-Club-Besuch, bei dem unser Land-Ei natürlich ganz verschüchtert vorgeführt wird, hätte man da glatt auslassen können. In Anbetracht des restlichen Films ein wenig sehr viel Klischee.

„Antikörper“ versteht es gut, den Zuschauer auf viele falsche Fährten zu führen, um dann mit einem genialen Twist Licht ins Dunkel zu bringen. Alvarts finaler Griff in die Kitsch-Kiste wäre allerdings verzichtbar gewesen und bricht ein wenig mit der ansonsten vorherrschenden Stimmung des Films. Dennoch: „Antikörper“ ist ein durchaus sehenswerter deutscher Thriller, der zwar mit der Bestie im Menschen spielt, ohne sich jedoch in bestialischen Gewaltdarstellungen zu ergehen.

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