Rabia - Stille Wut

Regie: Sebastián Cordero
Drehbuch:
Schauspieler: Martina García, Icíar Bollaín, Yon González, Gustavo Sánchez Parra

Kinostart D:
Kinostart US: (FSK NR)
Originaltitel: Rabia
Laufzeit: 1:29 Stunden
Filmposter: Rabia - Stille Wut

Filmkritik zu Rabia – Stille Wut

Benutzerbild von Phil
3/ 5 von

Wenn Guillermo del Toro selbst Hand anlegen darf, dann kommt etwas fantastisches bei herum (Hellboy * (WerStreamt.es?), Pans Labyrinth (WerStreamt.es?)). Arbeitet er als Produzent, so sind die Filme meist näher an der Realität angesiedelt, wie man schon in “Das Waisenhaus” oder “Don’t be afraid of the Dark” sehen kann. Ganz dieser nicht gerade offiziellen Linie entsprechend ist auch “Rabia – Stille Wut” ein Film, der erschreckend realistisch gehalten ist.
Sieht man im Film anfangs noch verschiedene Szenen wie die Baustelle, die offene Straße, die Villa oder ein Einkaufscenter, so beschränkt sich der gesamte Film nach der Flucht von José Maria auf die Villa. Trotz der Weitläufigkeit der Räume, die besonders am Anfang und in der Endszene durch lange Kamerafahrten gut visualisiert wird, wirkt das Haus auf einmal bedrängend, wie ein Gefängnis. Ein schöner Schachzug der Inszenierung.

Aufgrund der Tatsache, dass José Maria sich ständig verstecken muss und nicht auffallen darf, fehlt dem Film natürlich der aus dem Mainstream gewohnte Spannungsbogen. Die Torres’ leben weiter, Rosa erledigt ihre Aufgaben und José Maria ist ständig darauf bedacht, sich zurückzuhalten. Doch es gibt im Alltag genug Ereignisse, die zumindest eine gewisse Brenzligkeit mit sich bringen: José Maria muss natürlich auch essen und trinken, ebendies will auch seinen Weg wieder herausfinden und während die Hausherren meist nur im Wohnbereich leben, wuselt Rosa an viel mehr Stellen herum. José Maria kann sich aber ihr nicht offenbaren, andererseits kann er aber nicht von ihr ablassen: Ständig versucht er, Kontakt mit ihr aufzunehmen, ohne dass sie Verdacht schöpft, dass sie nur einige Wände trennen.
Den Höhepunkt erreicht der Film, wenn auch die bisher brachliegenden Räume genutzt werden: Nicht nur, dass die Rückzugsmöglichkeiten dadurch immens eingeschränkt werden, auch offenbart sich hier so mancher Abgrund, der José Maria vor die schwierige Wahl stellt, einzugreifen oder tatenlos zu bleiben.

Mehr als vergleichbare Filme setzt “Rabia – Stille Wut” Wert auf Details. So werden die Charaktere erst richtig rund, wenn man nicht ihr direktes Handeln und ihre Dialoge heranzieht, sondern darauf achtet, in welcher Umgebung sie leben, wie die Einrichtung ist, welche Dekoration gewählt wurde. Man entdeckt so besonders bei mehrfachem Sehen Punkte, die einem vorher nicht auffielen und noch mehr über die Eigenschaften der Person verraten. Für so manchen Filmliebhaber ist das weniger etwas, da dieses Mittel natürlich eine intensive Beschäftigung mit dem Film abseits des vordergründig Sichtbaren voraussetzt. Auf der anderen Seite sind die Charaktere natürlich wesentlich tiefgründiger als man es sonst kennt.

Wer einen Film im typischen del Toro-Stil erwartet, wird mit diesem Film nicht viel anfangen können. Er ist weder fantastisch noch mainstreamkonform sehr spannend. Die Spannung ist eher subtiler gehalten, schwingt aber jederzeit mit. Die alltäglichen und teils nicht alltäglichen Ereignisse bringen für José Maria immer wieder neue Herausforderungen mit sich, die er zu meistern hat, um nicht aufzufallen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist der Teufelskreis schon so festgefahren, dass es quasi keinen Ausweg mehr gibt. Am Ende steht der Thriller mit einer gehörigen Portion Romanze, die sich -ebenfalls so gar nicht mainstream- nicht mit dem Holzhammer entwickelt.

Rabia - Stille Wut im Heimkino

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