Filmszene aus Passion

Passion

Regie: Brian De Palma
Drehbuch:
Schauspieler: Noomi Rapace, Rachel McAdams, Karoline Herfurth, Paul Anderson

Kinostart D: (FSK 16)
Originaltitel: Passion
Laufzeit: 1:42 Stunden
Filmposter: Passion

Filmkritik zu Passion

Benutzerbild von Lars
4/ 5 von

Wenn man sich Passion ansieht, so gilt es zunächst eine zähe und weitgehend uninteressante erste Hälfte zu ertragen. Für etwa 45 Minuten wird außer trockenen und uninspirierten Büro-Dialogen wenig geboten. Wir erfahren in Grundzügen das Setup und stellen nach einem krassen Stilbruch in der Mitte des Films fest: Ach so? Dieses ganze Gerede war bloß die Exposition?
Zu sagen, der Film ließe sich viel Zeit für die Einführung von Charakteren und Grundlage der Handlung, wäre also wohl untertrieben.

Christine ist eine böse, machtgeile Karrierefrau und die etwas weniger ambitionierte Isabelle lässt sich von ihr den Weg nach oben versperren, bis sie eine Möglichkeit findet, den Spieß umzudrehen. Christine findet das nicht gut.
Diese zwei Feststellungen kann man auf eine Dreiviertelstunde dehnen – muss man aber vielleicht auch nicht. Dem Film hätte ein deutlich strafferes Erzähltempo in der ersten Hälfte sicher sehr gut getan. Denn wer bis zur zweite Hälfte durchhält, bekommt einen packenden Thriller, der allerlei Hommagen an den film noir und an alte Kriminalfilme bietet und leider erst sehr spät mit faszinierenden Stilmitteln und einigen unerwarteten Twists um die Ecke kommt.

Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, gilt der eigentliche Fokus einem Mordfall, den der Zuschauer scheinbar schnell zu durchschauen vermag – doch im Laufe der Aufklärung durch die Polizei ergeben sich immer wieder Enthüllungen, die tatsächlich überraschen und schließlich mit einem fantastischen Ende aufwarten lassen, das die Frage von Einbildung und Wirklichkeit, von Wahn und Bewusstsein bewusst nicht beantwortet.

Getaucht in sehr schattenreiche, düstere Beleuchtung, erinnert er häufig an Klassiker der dunklen Kriminalfilme. In jedem Raum scheint es an allen vier Wänden Rollos zu geben, die die typischen, schmalen Lichtstreifen auf die Szenerie werfen und nie ganz eindeutig vermitteln, zu welcher Tageszeit eine Szene eigentlich spielt, oder ob sie vielleicht überhaupt nur im Kopf der Protagonistin stattfindet. Je tiefer wir uns in die Geschehnisse begeben, desto häufiger wird unsere Erwartung der Wirklichkeit unterminiert – was ist hier noch real? Oder befinden wir uns schon in einem düsteren Alptraum aus Eifersucht, Machtgier und sexuellem Begehren?

Zu dieser Atmosphäre trägt nicht nur das erwähnte Lichtkonzept bei – umso weiter wir fortschreiten, desto stärker bedient Brian de Palma sich dem Werkzeug klassischer Hollywood-Krimis. Der Soundtrack entwickelt sich zu einer dramatischen, orchestralen Untermalung, die gefühlt direkt aus einem Filmarchiv der 40er- oder 50er-Jahre stammen könnte. Sogar das leider über den gesamten Film sehr blasse und uninteressante Schauspiel derpsb3 Darstellerinnen nimmt gegen Ende Züge des – aus heutiger Sicht überzogen daherkommenden – Overacting an, welches man von älteren Filmen kennt. Weit aufgerissene Augen, große Gesten der Dramatik – weitere, herrliche Hommagen an die goldene Zeit des großen Suspense-Films. Alle diese stilistischen Feinheiten treten umso deutlicher hervor, als die erste Hälfte im Gegensatz dazu in warmen, kontrastreichen Bildern gefilmt ist und keine Konvention aktueller Business-Thriller bricht.

Es ist natürlich schwierig einen Film zu bewerten, der zu weiten Teilen vollständig öde ist und dafür ab seinem Wendepunkt mit unerwarteten Enthüllungen nicht gerade geizt.
Darum sei an dieser Stelle nur noch einmal wiederholt: Haltet den langen, zähen Einstieg durch und freut euch auf ein packendes, schön inszeniertes Finale.
Der Film ist bei weitem nicht perfekt, auch in seinem interessanteren Teil mitunter blass und uninspiriert, lohnt aber in jedem Fall einen Blick – auch wenn er leider zu Unrecht sehr untergangen ist.

Ein kurzes post scriptum: Ich könnte mir vorstellen, dass das Original von Alain Corneau deutlich besser geschrieben ist. Eine der großen Schwachstellen, wie gesagt, sind über weite Strecken die Dialoge. Möglicherweise ist also auch der Blick auf Liebe und Intrigen (dt. Titel) sehr lohnenswert!

Passion im Heimkino

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