Zum deutschen Film…

Als vor zwei Wochen in unserer Sneak der Film „Nordwand“ lief, konnte man eine Zuschauerreaktion beobachten, die sehr häufig – zumindest bei Überraschungsfilmen – zu sehen ist: sobald im Vorspann irgend etwas von „Deutsche Filmförderung“, „Norddeutscher Rundfunk“, „Filmstiftung Nordrhein-Westfalen“ oder gar „arte“ eingeblendet wird, geht ein enttäuschtes Aufstöhnen durch die Sitzreihen.

Ich unterstelle einfach mal, dass die meisten Besucher einer Sneak mit dem Thema Kinofilm noch weit mehr anfangen können als der „normale Familienvater“, der zweimal im Jahr die Chance hat, ohne seine Kids ins Kino zu gehen und endlich mal das zu sehen, was ER sehen will. Ich zumindest habe mir im Laufe meiner Kino-Jahre einen gewissen Respekt ALLEN Werken gegenüber angeeignet und mich von Vorverurteilungen getrennt. Klar gibt es Filme, die ich unter aller Sau finde (Hallo „House Bunny“!). Doch war nicht auch oft schon ein vorab als Enttäuschung empfundener Film eine echte Perle („Ben X“, „Charlie Bartlett“)? Und wenn ich mein Urteil von etwas nicht abhängig machen will, dann vom Produktionsland.

Klar gibt es in Deutschland schlechte Filme – wie in jedem anderen Land auch. Aber gibt es nicht auch deutsche Filme, die wirklich klasse sind? „Knallhart“ beispielsweise hat mir sehr gefallen. Auch der hervorragende Fernsehfilm „Wut“, ebenfalls zum Thema Jugendkriminalität, sei hier unbedingt erwähnt. „Der freie Wille“ ist sicherlich nicht gerade ein Film für den lustigen Samstag-Abend, aber er setzt sich mit dem wichtigen Thema Vergewaltigung so intensiv auseinander, wie kaum ein anderer Film, zudem noch aus der ungewöhnlichen Täter-Sichtweise. Mit „Barfuß“ ist es sogar Til Schweiger gelungen eine gut ausbalancierte romantische Komödie abzuliefern, die sich vor US-Pendants wie „Juno“ oder „Beim ersten Mal“ nicht zu verstecken braucht.

Manko des deutschen Films: er hat einen Hang zum Realismus, traut sich manchmal zu wenig Fantasie zu, wirkt selten so abgehoben wie manch amerikanischer Film. Und über das Budget des teuersten deutschen Films aller Zeiten („Der Baader-Meinhof-Komplex“ mit 20 Mio. Euro), lacht selbst ein Judd Apatow, wenn er für solche Mittelmaß-Komödien wie „Ananas Express“ mal eben geschätzte XX Mio. Dollar zusammenkratzen kann. Dass man ohne großes Budget keine Action-Reißer für das Kino produzieren kann, ist klar. Dass man mit geringem Budget auch nur schlechte Actioner für das Privatfernsehen hinbekommt, wird uns auf RTL, Pro7 und SAT.1 jede Woche vor Augen geführt.

Die deutsche Schauspieler-Riege ist meiner Meinung nach über jeden Zweifel erhaben. Was bitte ist ein Seth Rogen, der im Komödienformat feststeckt wie ein Auto in der Schneewehe, gegen einen Moritz Bleibtreu, der das schauspielerische Talent mit der Muttermilch aufgesogen hat und sowohl ernste („Das Experiment“, „Chiko“) als auch leichte Rollen („Lammbock“, „Im Juli“) spielen kann? Oder etwa die ganz junge Garde, angefangen bei einer Karoline Herfurth über Johanna Wokalek und Sandra Hüller bis hin zu Tom Schilling. In deutschen Schauspielern steckt viel Potenzial. Zwar mögen sie nicht besser sein als internationale Kollegen, aber auf jeden Fall auch nicht schlechter. Da kann man doch froh sein, dass mit Ralf Möller und Udo Kier genau die richtigen nach Hollywood gewechselt sind…

Natürlich steht der deutsche Film nicht gerade für pompöses Action-Kino a la „Stirb langsam“ oder „I Am Legend“. Filme, die mit einem großen Budget in Deutschland gedreht werden, bekommen ihr Geld meist aus den Staaten („Speed Racer“, „Valkyre“, „Inglorious Bastards“). Uns fehlen eben auch so kreative Wirtschaftsgrößen wie etwa Steve Jobs, der durch seine Spende von 10 Mio. Dollar ein Unternehmen wie Pixar erst möglich gemacht hat. Welcher große deutsche Unternehmer investiert denn bitte in den Film?

Aber im Bereich Drama und teilweise auch Komödie können wir es doch wohl locker mit anderen Ländern aufnehmen, oder? Klar mag ich vor allem auch britische und französische Komödien, auch die skandinavischen sind oft zu Unrecht unbeachtet. Aber auch da gilt doch: es gibt gute und es gibt schlechte. Sowas kann man doch nicht generell an einem Land festmachen, sondern – wenn schon – dann an einem Regisseur oder Hauptdarsteller (Didi Hallervorden, Bud Spencer und Louis de Funes sprechen für sich…).

Wie steht Ihr zum deutschen Film?
Was unterscheidet ihn von anderen Ländern?
Habt Ihr deutsche „Geheimtipps“?
Welche deutschen Filme waren gut?
Welches Thema hat man aus einem anderen Produktionsland schon besser umgesetzt gesehen?

Meinungen willkommen!

8 Gedanken zu „Zum deutschen Film…“

  1. @Eric:
    Herzlichen Glückwunsch! Dein Kommentar war der zweite überhaupt, der sich in unseren Spam-Ordner verabschiedet hat. Während es beim anderen um Casinos ging (und das nicht im Zusammenhang mit dem Film “Casino”…), wurde Deiner sicherlich wegen der vielen Links aussortiert. Ist ja nun wieder drin. 😉

  2. Vielleicht sollte ich weniger Worte wie
    XXX
    Lolitas
    Viagra
    Porn

    und sowas schreiben – aber wahrscheinlich liest das jetzt wegen dem SPAM Filter sowieso niemand 😉

    Falls doch: Sagt doch mal was zu den Filmen, die ich gepostet habe. Kennt ihr die? Habt ihr andere?

    Ciao,
    Eric

  3. @Eric:
    Gesehen habe ich die Filme alle mal. Werden wir mal als Anlass nehmen, um in der kommenden Sendung ein wenig drüber zu schnacken.

  4. Hey !
    Also ich persönlich liebe deutsche Filme!! Habe selber ne Menge Original DVDs hier rumliegen, die ich mir regelmäßig gönne.

    Zu meinen Favoriten gehören
    “Keine Lieder über Liebe” (Gerade wg. der Musik á la Tomte, Kettcar u. Co. *g*)
    “Muxmäuschenstill” (s.o.).
    “Was nützt die Liebe in Gedanken”.
    “Ein Freund von Mir”
    …Bis auf den letzten genannten sind das alles Filme, die ziemlich ernst sind und sich halt sehr durch bedrückende Thematik auszeichnen. Deutsche Filme schaffen es meiner Meinung nach wie wenig andere Filme, Gefühle u. Abgründe einzelner Charaktere enorm authentisch rüberzubringen, was ich sehr wichtig finde. Mag vllt. auch daran liegen, dass in vielen Filme bestimmte Stilmittel (z.B. wackelige Handkamera, lange Kameraeinstellung, oft lange Phasen wo mal garnicht geredet wird etc…)verwendet werde. Ich beobachte das persönlich zumindestens sehr häufig.
    Was ist noch zu sagen? Naja. Ich finde es persönlich noch wichtig zu erwähnen, dass Deutsche Filme es immer wieder schaffen brisante u. wichtige Themen der (deutschen) Geschichte wie den Nationalsozialismus, Kalten Krieg, etc. wirklich realistisch und ernst dabei aber auch sehr gelungen zu bearbeiten und umzusetzen (an dieser Stelle seien Titel wie “Das Leben der Anderen”, “Der Untergang”, “Napola”, “Baader-Meinhof-Komplex”, “Sophie Scholl” etc.. genannt).
    Das solls erstmal gewesen sein von mir 🙂
    Macht weiter so !!

  5. @Markus:
    Genau die Tatsache, dass der deutsche Film sich viel zu häufig mit dem Dritten Reich beschäftigt, wird ihm gerne vorgeworfen. Verübeln kann ich es den Kritikern nicht, die nach “Der Untergang”, “Napola”, “Mein Führer” und “Sophie Scholl” nicht noch den nächsten Film aus diesem Bereich sehen wollen. Für mich zählt in der Hinsicht eigentlich wie überall: ist die Story gut und erzählenswert? Ist sie gut umgesetzt? Dann hat der Film auch seine Existenzberechtigung. Auch das können wir in der nächsten Folge gerne mal thematisieren.

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