Von Spoilern und Verrätern

Wer bei der Wortverkettung von „Spoiler“ und „Film“ nur an „Manta Manta“ denkt, der liegt ziemlich daneben. Da ich selbst – obwohl inzwischen bekennender Filmnerd – bis vor einigen Jahren selbst nichts mit dem Begriff anfangen konnte, hier eine kurze Erläuterung für ähnlich Unwissende:

Unter einem „Spoiler“ versteht man in Kinokreisen das Verraten von inhaltlich meist wichtigen Filmteilen. Auf gut Deutsch: wer schon zu Filmbeginn verrät wer der Mörder ist, gehört gepfählt, aber big time!

Bei Arte würde man sagen: von diesem anglizistisch angehauchten Subjektiv gibt es auch ein entsprechendes Verb. Bei uns im Kino heißt das dann eher: „Ey, kannst Du mal aufhören hier so derbst rumzuspoilern?“

Klar gibt es immer mal so kleine Details, bei denen ein wenig spoilern noch vertretbar ist. Wer kennt ihn nicht, den begeisterten Zuschauer, der den Film zum zweiten Mal sieht und an entsprechenden Stellen mal ein „Pass auf jetze!“ oder „Gleich wird’s laut“ in den Raum wirft. So was kann man meist ganz gut tolerieren. Wer jedoch solchen Filmen wie „The Sixth Sense“ oder „Der Nebel“ das kongeniale Ende vorwegnimmt, darf nicht auf Gnade hoffen.

Merke: wer dem gespannten Publikum zu viel von der Story vorweg nimmt, darf sich seinen neuen Freundeskreis in einem anderen Postleitzahlengebiet suchen.

Und hier kommen wir zu einem Problem, das mich schon eine Weile beschäftigt: wie ist es mit Spoilern in Nerdtalk? Ich gehe mal von meinem eigenen Hörverhalten aus. Ich selbst höre gerne Podcasts, in denen ein Film im Detail auseinander genommen wird. Natürlich mag ich das nur dann, wenn ich den Film selbst schon kenne. Auch für mich ist Spoilern bei unbekannten Filmen ziemlich lästig. Nur mag ich es eben wenn bei mir bekannten Filmen nichts ausgespart wird und auch die eher überraschenden Punkte in eine Kritik mit einbezogen werden.

Bei einer geschriebenen Kritik ist das noch relativ einfach. Da kann man einen Absatz, der zu viele Filmdetails enthält gut mit einem „Spoiler“ vorn und einem „Spoiler“ hinten markieren, so dass der Leser, der sich vom Film überraschen lassen will ihn einfach überlesen kann. Nur wie ist es beim Podcast? Da fällt es dann doch schon sehr schwer. Zwar kann man sagen: „So, jetzt mal alle weghören, jetzt wird hier mal kurz nach Herzenslust gespoilert.“, aber wie soll der Hörer merken, dass die „Spoiler-Sektion“ beendet ist?

In so mancher Folge ist uns sicherlich schon mal das eine oder andere Detail über die Lippen gehuscht, das man eigentlich für sich behalten sollte. Das lässt sich kaum vermeiden, vor allem wenn ein Film voll begeistern konnte. Da gerät man eben leicht ins Loben und will möglichst viele Aspekte des Films würdigen.

Die Zugriffszahlen auf Nerdtalk zeigen auch recht deutlich, dass Folgen, die schon ein paar Wochen alt sind immer noch häufig heruntergeladen werden. Gibt es da draußen vielleicht noch mehr Leute, die vor allem dann Spaß an Filmkritik-Podcasts haben, wenn sie die Filme schon kennen – und in Gedanken quasi „mitreden“ können?

Wie seht Ihr das?

Ein Gedanke zu „Von Spoilern und Verrätern“

  1. Das Spoiler-Problem, wenn man es so nennen mag, haben natürlich insbesondere die Sneak Podcasts. Man sieht ja meistens die Filme noch eher als die regulären Kinogänger. Wir versuchen es immer zu vermeiden über die letzten 20 % des Films zu reden, oder auch über bestimmte Teile, die für uns besonders überraschend waren und deren Überraschung wir anderen nicht verderben wollen. Aber da wir ein offener Podcast sind, der im Foyer unseres kinos aufgenommen wird, kann jeder mitmachen und nicht jeder ist in diese Philosophie eingeweiht 😉

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