Nerdtalk Extended: Filmrauschpalast Berlin-Moabit

Der Filmrauschpalast bezeichnet sich selbst als "Unabhängiges Kiezkino in Moabit". Doch was macht so ein Indie-Kino aus? Welchen Herausforderungen sieht es sich konfrontiert, wie werden Indiefilme ausgewählt und was definiert eigentlich, was ein Indie-Kino ist? Diese und viele weitere Fragen habe ich mal geklärt, mit Uschi und Hendrik vom Filmrausch e.V. Musik: http://www.bensound.com





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5 Gedanken zu “Nerdtalk Extended: Filmrauschpalast Berlin-Moabit”

  1. Das war doch mal wieder echt interessantes Interview. Mal ein paar Anmerkungen zu einigen Punkten:

    Release von Indie-Filmen: Indie-Filme hatten es ja noch nie wirklich leicht auf dem Kinomarkt. Klar gabs immer einige Verleiher, die sich eher für Indie-Filme interessierten und versucht haben, diese ins Kino zu bringen, aber grad mit Einzug der starken Konkurrenz “Streaming”, ist es für Indie-Produktionen nicht grad leichter geworden in Sachen Kinostart. Ein neuer Trend, so nehme ich es zumindest wahr, sind regionale Kinostarts. Hab ich jetzt schon bei einigen Produktionen bemerkt. Die starten dann erstmal nur in einer bestimmten Region (beispielsweise im Schwarzwald, weil der Film halt auch im Schwarzwald spielt oder so ähnlich), und wenn sie da gut laufen und das Feedback stimmt, wird der Release ausgeweitet. Find ich prinzipiell eine gute Sache. So haben die Filme trotzdem die Chance da zu laufen, wo sie laufen sollen: in einem Kino und trotzdem ist das finanzielle Risiko für alle Beteiligten nicht zu groß.

    Festivals vs. Kinostart: Da geb ich Hendrik absolut Recht. Gerade für Genrefilme sind Festivals oft die einzige Möglichkeit überhaupt etwas Presse zu bekommen. Ich war vor 2 Jahren beispielsweise an einer Produktion eines deutschen Thrillers beteiligt. Die Regisseurin hat monatelang versucht, diverse Produktionsfirmen von der Idee zu überzeugen. Leider ohne Erfolg. Letzendlich hat sie den Film, mit einem ganz knappen Budget, selber produziert. Danach ging die Suche wieder los, dieses Mal wurde ein Verleih gesucht, der das Ganze ins Kino bringt. Wieder ohne Erfolg, da deutsche Thriller, und seien sie auch noch so gut, im Kino einfach nicht funktionieren. Also blieben nur noch Festivals. Es fing mit den Hofer Filmtagen, wo die Regisseurin sofort den Nachwuspreis gewann. Seitdem läuft der Film auf unzähligen Festivals weltweit und gewinnt Preise ohne Ende. Das Ende vom Lied, nun gibt es endlich einen Verleiher, der sich traut den Film auch abseits von Festivals zu zeigen.

    Besucherrückgang Multiplex vs. Programmkino: Ich denke auch, dass das absolut etwas mit den unterschiedlichen Zielgruppen und auch dem Angebot zu tun hat. Da das “Mainstream-Kino” ja nun schon seit Jahren fast ausschließlich auf Fortsetzungen oder seichte Comedy-Unterhaltung, nach dem Motto “Never change a winning Team”, setzt, sind die Leute langsam übersettigt glaub ich. Das herkömmliche Kinoprogramm ist einfach nichts besonderes mehr und Iron Man 28 oder The ultimate Spider-Man 7 wird dann eben auch einfach auf Netflix geguckt. Is ja auch eh bequemer. Das Programm-Kino bleibt allerdings bunt und deswegen kommen die Leute auch immer noch um das Kino-Elerbnis zu zelebrieren. Ich hab vor einigen Jahren auch als Vorführer im Kino einer kleinen Kette gejobbt. Während es bei dem herkömmlichen Programm besuchertechnisch immer Mal wieder auf und ab ging, gabs eine Reihe die durchweg immer ausverkauft war. Das Ganze nannte sich “Kino für Kenner” und dort lief jeden Montagabend ein Film abseits des normalen Programms. Jede Woche ein anderer Film und jede Woche wars voll.

    Zukunft des Kinos: Dazu hab ich letztes Jahr an einem Interessanten Projekt mitgearbeitet. Das ganze nannte sich “Cinemathon”. Dort wurden Leute aus unterschiedlichsten Bereichen (Kinobetreiber, Autoren, Künstler, Business Consultants, Architekten…) eingeladen, die sich 2 Tage Gedanken über das Kino der Zukunft gemacht haben. Das war ganz Interessant zu sehen, da die Leuten aus ganz unterschiedlichen Bereichen kam und jeder eine andere Sichtweise mitbrachte. Das Ganze wurde auf einer Website zusammengefasst, inkulsive kleinem Film vom Workshop etc. Hier mal der Link:
    http://www.cinemathon.international/workshop-1/

    Wie gesagt, tolles Interview und ein paar interessante Themen über die ihr da gesprochen habt. Weiter so Phil!

  2. Ich verstehe nicht ganz wie Streaming und Indie-Filme im kino zusammenhängen.. Was hat netflix mit dem Erfolg eines kleines Films zu tun, welcher einen kinostart anstrebt? In erster Linie kommt es doch auf den film an und nicht auf die Plattform.. wenn ich okja sehen will gucke ich netflix, wenn ich der nachtmahr sehen möchte gehe ich ins Kino…. Das musst du erklären..

    mfg Nico

    zum Podcast : cooler Einblick, und es könnte sogar tatsächlich sein, dass ich vor ca 10 Jahren mal in diesem Kino war… kann mich nur noch schlecht erinnern! Die Arbeit der Leute hinter dem filmrausch Palast verdient höchste Anerkennung!

  3. Hey Nico,

    ich glaube einfach, dass die Hürde einen Kinostart zu erreichen, gerade für kleine Filme, größer geworden ist. Seit dem Erfolg der Streamingdienste hat das Kino für viele an Attraktivität verloren glaube ich. Und laut Phils Aussage, bezüglich der sinkenden Besucherzahlen, scheint das ja zu stimmen. Und auch wenn man das oft ausblenden mag, ist die Filmbranche in erster Linie auch profitorientiert und da reicht ein guter Film allein oft nicht aus. Grad in Deutschland kannst du eine noch so tolle Idee für einen Genrefilm haben, sobald diese von Schema F abweicht oder nicht mindestens einen der “großen” 3 Schauspieler vorweist, wirds für Produktionsfirmen und Verleiher ganz schnell uninteressant, weil sichs nicht gut verkauft. Die Risikobereitschaft hat einfach stark abgenommen. Der Nachtmahr, der es dann ja doch Kino schaffte, hatte gerade Mal knapp 2000 Besucher. Und selbst wenn wir ins etwas mainstreamigere Genrekino gehen und uns Stereo angucken, der immerhin Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu und ziemlich breite Promo vorweisen konnte, schaffte es nur auf knapp 10000 Besucher. Wenn jetzt also die Besucherzahlen im allgemeinen zurückgehen, was zum großen Teil sicherlich an Netflix und Co liegt, werdens solche Experimente im Kino sicherlich nicht leichter haben.
    Daher sei jenen Verleihern gedankt, die Indie-Filme und Genrekino nicht gänzlich abschreiben und ihnen teilweise wenigstens einen regionalen Kinostart ermöglichen 🙂

  4. “zum Podcast : cooler Einblick, und es könnte sogar tatsächlich sein, dass ich vor ca 10 Jahren mal in diesem Kino war… kann mich nur noch schlecht erinnern! Die Arbeit der Leute hinter dem filmrausch Palast verdient höchste Anerkennung!”
    Das geht runter wie Butter! 🙂

    Übrigens gerade auch interessant zum Thema Netflix vs. Kinostart:
    https://theplaylist.net/annihilation-intellectual-audiences-20171208/

    Wir versuchen unser bestes, den Film zu zeigen – ich mache mir da aber keine Hoffnungen mehr. Echt schade!

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