Filmszene aus Brothers

Brothers

Regie: Jim Sheridan, Jan Rudolph, Joe Camp III, Steve Battaglia, Nye Heron
Drehbuch:
Schauspieler*innen: Tobey Maguire, Jake Gyllenhaal, Natalie Portman, Sam Shepard

Kinostart D:
Kinostart US:
Originaltitel: Brothers
Laufzeit: 1:50 Stunden
Filmposter: Brothers

Filmkritik zu Brothers

Benutzerbild von andreas
5/ 5 von

Man mag über die Handlung denken, was man will. Die ist nicht nur deswegen vorhersehbar weil „Brothers“ ein Remake des Films „Brødre“ der dänischen Regisseurin Susanne Bier ist. Dass die illustre Darstellerriege aber aus dem Stoff ein dermaßen intensives und bewegendes Drama macht, ist schon erstaunlich.

Jake Gyllenhaal wirkt anfangs mit seinem bekannten treuen Dackelblick nicht gerade wie die Bestbesetzung für einen aggressiven Mann mit Knasterfahrung. Je mehr er sich jedoch in die Familie seines totgeglaubten Bruders integriert, umso mehr harmoniert sein Erscheinungsbild mit seiner Rolle. Natalie Portman hat hier und da ein paar gute Szenen, vor allem natürlich dann, wenn sie die Todes- bzw. Überlebensnachricht ihres Mannes bekommt. Die Gefühle, die sie da förmlich in ihr Gesicht presst, lassen einen nicht kalt.

Das absolute Highlight des Films ist jedoch Tobey Maguire, der hier nichts mehr gemein hat mit dem milchgesichtigen Peter Parker aus „Spiderman“. Heruntergekommen, mit verfilzten Haaren und Vollbart, habe ich ihn erstmals als „ganzen Kerl“ wahrgenommen. Diese Rolle kann er ebenso glaubhaft ausfüllen wie jene des gebrochenen Kriegshelden, der in der Heimat nicht wieder richtig Fuß fassen kann. Und auf einmal spielt der Herr Maguire in einer Liga mit Jeremy Renner, der in „The Hurt Locker“ ebenfalls als Kriegsheimkehrer seine Probleme hat und vor dem bedeutungslosen Alltag zuhause lieber wieder ins Krisengebiet flüchten will. Gerade zum Ende hin kann Maguire mal richtig zeigen was er kann und sorgte bei mir durch sein intensives Spiel für eine bedrückende Gänsehaut. Respekt!

Respekt geht ebenfalls an die beiden Kinderdarstellerinnen, die vielleicht gerade deswegen aus der Masse der Film-Kids herausragen, weil ihre Rollen von Bedeutung sind und nicht nur niedliches Beiwerk. Eine große Zukunft vorauszusagen wäre sicherlich zuviel des Guten, aber beeindruckt angesichts ihrer Darstellerleistungen bin ich auf jeden Fall.

Neben den hochkarätigen Darstellern hat mich vor allem auch die punktgenaue Inszenierung begeistert. Für manchen mag der Film vielleicht ein zu langsames Tempo vorgeben; ich hingegen finde, dass jede Szene einen Sinn ergibt und nie in die Länge gezogen wirkt. [Kleiner Spoiler ahead] Besonders die Szenen rund um Sams Gefangenschaft sind auf das Notwendigste reduziert und vermitteln doch haargenau ein Gefühl für seine Situation.

„Brothers“ ist zwar nur ein kleiner Film, der sicherlich nur in wenigen Kinos zu sehen sein wird. Für mich ist er aber die erste große Überraschung des Kinojahres 2011. Alle Vorbehalte Remakes gegenüber über Bord geworfen erhält man hier eine Drama-Filmperle mit namhafter Besetzungsliste, die tief unter die Haut geht und mit ihren atmosphärisch dichten Momenten lange nachhallt. Unbedingte Seh-Empfehlung!

Brothers im Heimkino

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