Ein kleiner Einblick in Trakt.tv

Vor gut zehn Jahren hätte ich ohne mit der Wimper zucken zu müssen das Kino als meinen zweiten Wohnsitz eintragen lassen können. Dank Jahreskarte habe ich seinerzeit nahezu hundert Filme pro Jahr im Kino gesehen, teils vier oder fünf am Tag. In den letzten Jahren hat sich das ja geändert. Der Wegzug aufs Land hat meinen Fokus auf andere Dinge gerichtet. Angefangen beim Hausbau, bei dem jeder Euro wo anders besser aufgehoben schien als im Kino (samt „Nebenkosten“ mit vorab/danach essen/trinken gehen etc.). Dann hat der Sport zunehmend Zeit in Anspruch genommen, in den letzten Jahren dann auch noch gerne mal ein wenig Gartenarbeit. Anstatt den gesamten Abend im Kino zu verbringen besteht der Medienkonsum eher aus Serien. Wie konnte ich dem in meinem Statistik-Wahn Rechnung tragen? Trakt.tv erschien als eine brauchbare Alternative. Anfangs…

Was das statistische Erfassen von Filmen angeht, gehen bei den Nerdtalkern ja die Meinungen auseinander wie bei wenigen anderen Glaubensfragen. Micha setzt seit jeher auf die IMDB, bewertet dort seine Filme und hat einen Überblick, was er wann gesehen hat und wie er es fand. Phil und ich hängen dagegen sehr am erst später gestarteten Dienst Letterboxd. Über den Dienst gab es bei uns ja auch schon mal ein paar ausführlichen Artikel. (Übrigens: hier die jeweiligen Profile von Micha, Phil und mir). Und ja, ich weiß, dass man bei der IMDB auch einzelne Serienepisoden vermerken kann. Dort muss ich sie aber immer einzeln bewerten, was mir irgendwie nicht so liegt.

Aber was ist denn nun mit Serien? Durch die automatisierten Twitter-Posts von unserem Hörer @iGattaca bin ich früher schon mal auf Trakt.tv aufmerksam geworden. Das schien genau das zu sein, was ich mir wünschte: eine Möglichkeit, einzelne Serienfolgen so zu tracken, damit ich sie später in Statistiken gut verwursten kann.

Fangen wir erst mal mit dem Positiven an: der Dienst tut, was er soll. Ich habe hier eine Möglichkeit, Serienfolgen einzeln als gesehen zu markieren. Ein weiterer Vorteil: Trakt.tv gibt sich sehr quelloffen, stellt Entwicklern sehr umfangreiche Dokumentationen zur Verfügung, anhand derer beispielsweise Apps geschrieben werden können.

Eine offizielle App von Trakt.tv sucht man dann aber vergebens. Anfangs hatte ich mich für die App Hobi entschieden. Da diese aber keine Möglichkeit bietet, auch Filme zu tracken, kam noch Nachos hinzu. Und da geht es schon los: auf der Homepage von Trakt.tv werden insgesamt 24 Apps für das iPhone sowie 20 Apps für Android verlinkt, mit denen man Trakt nutzen kann. Nicht alle Apps bieten alles. Da ist es bei Letterboxd schon etwas einfacher: eine App direkt vom Anbieter, die alle notwendigen Features bietet. Vielleicht verbirgt sich unter all diesen Apps irgendwo die “eierlegende Wollmilchsau”, aber so ein Service muss für mich einfach funktionieren und mich nicht erst mal tagelang mit der Installation und dem Prüfen des jeweiligen Funktionsumfangs beschäftigen.

Auch was das tatsächliche Tracken angeht, muss ich einmal mehr neidisch auf Letterboxd schauen, denn dort kann ich vollkommen frei eigene Tags erstellen und den jeweiligen Filmen anhängen. So kann ich beispielsweise nicht nur sehen, welche Filme ich im Kino, bei Amazon Video oder Netflix gesehen habe. Ich kann auch genauso gut Tags für Freunde vergeben und mir später dann genau ansehen, welchen Film ich mit wem zusammen geschaut habe.

Bei Trakt hingegen bin ich schon froh, wenn das Tracken tatsächlich funktioniert. Es gibt nämlich zwei Möglichkeiten: zum einen kann ich in eine Serienepisode “einchecken”. Das mache ich praktisch in dem Moment, in dem ich mit dem Schauen beginne. Zum anderen kann ich sie später zu meiner History hinzufügen. Und da fangen für mich die Probleme schon an: ich checke das Einchecken nicht! Will heißen: Ich kann nicht einfach nach einem schönen Serien-Abend in alle gesehenen Episoden “einchecken”, quasi alle einfach abhaken. Bei der zweiten Folge erhalte ich die Fehlermeldung “Du bist bereits in Folge S01E01 eingecheckt”. Etwas umständlich.

Einchecken oder zur History hinzufügen – das ist hier die Frage…

Was noch hinzu kommt: der Dienst ist sehr stark auf den US-Fernsehmarkt ausgerichtet. So bekomme ich häufiger mal Nachrichten wie “Tonight New Episode of ‘This is us’ on NBC”. Hat für mich als europäischen Nutzer keinen Mehrwert. Die meisten Serien schaue ich inzwischen eh on demand und nicht dann, wenn Programmplaner möchten, dass ich sie gucke.

Auch die Statistik-Funktion kann trotz meiner VIP-Mitgliedschaft nicht meinen Ansprüchen genügen. Entweder kann ich mir ein “The Year in Review” ansehen, eine Übersicht, die zugegebenermaßen recht hübsch ist , meine Top-Serien/Filme/Regisseure/Darsteller/Sender darstellt, aber eben nur jahrweise. Außerdem gibt es eine “Last 30 Days”-Ansicht. Auch hier wird schön aufgeschlüsselt, was für Serien aus welchen Genres man gesehen hat. Was mir fehlt: eine freie Eingrenzung des Zeitraums. In meinem privaten Blog mache ich gerne eine Monatsrückschau, in der ich kurz was zu Serien, Filmen und Büchern schreibe. Aber ein “Zeig mir alle Serien und Filme aus April 2019” ist bei Trakt anscheinend nicht machbar.

Gesehene Filme und Serien auf einen Blick: die History

Zwar wird am Ende des Jahres so eine Statistik sicherlich schon sehr imposant und aussagekräftig sein, werden doch auch solche Sachen wie „Am häufigsten schaust Du am Dienstag um 21 Uhr…“ abgezeigt, aber ich fände es eben schöner wenn ich mehr in die Details gehen könnte. Wer mal einen einen Blick auf den Umfang einer solchen Jahresstatistik werfen will, für den habe ich meine hier mal verlinkt.

Als einzigen Workaround kann ich mir eine CSV-Datei exportieren, mit der ich dann in Excel selbst ein wenig herumspielen kann. Also: so schön die Statistiken auf Trakt auch sind – so richtig brauchbar sind sie für mich dann doch nicht.

Auch einige andere Funktionen sind vielleicht für den einen oder anderen praktisch, ich hingegen kann da nicht viel mit anfangen. So kann man beispielsweise Collections anlegen. Erklärt sich eigentlich von selbst: Listen von „Die besten Breaking-Bad-Folgen“ über „Science-Fiction-Highlights 2018“ bis hin zu „Filme, in denen Stifflers Mom mitspielt“ sind hier keine Grenzen gesetzt. Für mich nicht wirklich interessant. Ebenso habe ich hier die Möglichkeit eine Watchlist anzulegen mit Filmen und Serien, die ich dringend noch schauen will. Aber warum sollte ich das tun, wenn ich das doch auch direkt in Amazon Video oder Netflix machen kann?!

Bleibt der soziale Aspekt. Trakt kann mir Serien oder Filme empfehlen, indem es meine Bewertungen – ähnlich wie das deutsche Moviepilot – mit denen anderer Anwender vergleicht. Für mich ist das eigentlich auch nicht interessant, da ich auf die meisten Serien per Empfehlung in den sozialen Medien oder einfach beim Durchstöbern von Netflix und Amazon aufmerksam werde.

Und dennoch: dank Hobi habe ich es mir doch angewöhnt, bei jeder gesehenen Folge schnell in ein Häkchen zu setzen und so meinen Konsum im Auge zu behalten.

Eine klare Empfehlung kann ich an dieser Stelle für Trakt aber nicht aussprechen. Aber da ich nun mit Beginn von 2019 angefangen habe hier meine Statistiken zu pflegen, werde ich damit auch erst mal weitermachen.

Aber wer weiß?! Vielleicht habe ich das Angebot einfach noch nicht gut genug durchdrungen? Hat jemand von Euch vielleicht mehr Erfahrungen? Irgendwelche Tipps für Apps? Gibt es vielleicht gar andere Portale, die auf den Datenschatz von Trakt zurückgreifen, wo die API doch so offen verfügbar ist? Oder womit behaltet ihr denn den Überblick bei euren Serien-Sichtungen?

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