Datensparsamkeit – mal anders gedacht

Bild: Gilles Lambert (CC0)

Seit einigen Tagen ist die DSGVO aktiv. Halt, bevor, ihr wegklickt: Es geht nicht um den drölfzigsten Artikel, wie man seine Seite absichern muss – da haben wir uns alle gerade eine Pause verdient.
Aber ich habe da ja eine Hoffnung und die will ich euch nicht vorenthalten.

Die DSGVO fordert ja Datensparsamkeit – gut, tat das Bundesdatenschutzgesetz auch schon. Aber jetzt legt man noch einmal den Fokus drauf: Man soll nur die Daten erheben (und speichern und verarbeiten), die für die auch sinnvoll nötig für den Zweck sind. Finde ich gut: Warum sollte ich mehr persönliche Daten von mir Preis geben (müssen) als notwendig? Und es trägt ja schon Früchte: Viele Formulare wurden entschlackt.

Vielleicht nutzen die Seitenbetreiber nun die Chance, auch mal ihre Seiten generell zu entschlacken. Auch wenn es bereits Mobiltarife mit Datenvolumen von bis zu 15 GB gibt: Gerade unterwegs schaue ich doppelt auf die Dateigröße einer Webseite – denn das Transfervolumen ist im Gegensatz zum Eigenheim begrenzt.
Wenn man sich mal den Spaß macht, dann fällt man hinten über: Teilweise sind die Seiten über 1 MB groß mit ihren ganzen Bildern, Skripten, Inhalten und und und. Über 1 MB: Der Eine oder Andere erinnert sich, dass die Floppydisks eine ganze Weile das Medium zum Datentransfer bei den Heim-PCs waren. Die fassten 1,44 MB.

Screenshot Spiegel.de vom 27.05.2018
Screenshot Spiegel.de vom 27.05.2018:
4 MB nur für die Startseite.

Ich habe am 27. Mai 2018 mal Spiegel.de aufgerufen. Ohne Adblocker. Die Seite brauchte an einem regulären VDSL-Anschluss über 30 Sekunden zum Laden und übertrug 4 Megabyte. Oder anders ausgedrückt: Drei Disketten. Für eine einzelne Seite.
Zugegeben habe ich die Seite aufgerufen, weil ich weiß, dass sie ein ziemlich hohes Datenvolumen an den Tag legt. Doch auch andere Seiten wie die der Tagesschau schaffen es mit Leichtigkeit über 1 Megabyte.
Das hat nicht mehr viel mit Sparsamkeit zu tun.

Ich hoffe, dass im Rahmen der Anpassungen an die neuen rechtlichen Richtlinien vielleicht beim Begriff „entschlacken“ auch an die komplette Seite gedacht wird: Bilder richtig webkonform komprimieren. Skripte und Inhalte im Quellcode zusammenfassen. Weniger schlecht integrierte Werbung.
Damit eine Webseite zukünftig wieder auf eine imaginäre Diskette passt.

Man wird ja noch träumen dürfen.

Comments (1)
  1. Peter 29.05.2018

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