Imperium


Filmposter: ImperiumRegie:
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Kinostart D: (FSK 16)
Kinostart US: (R)
BluRay/DVD-Release:
Originaltitel: Imperium
Laufzeit: 1:49 Stunden

Filmkritik zu “Imperium”

4/5 von Lars

Am Anfang steht das Wort. Am Anfang von Imperium steht: Ein Zitat von Adolf Hitler. Der Film macht damit von Beginn an unmissverständlich deutlich, wie nah er seinem Thema kommen möchte – dem abgeschlossenen Rechtsradikalismus, der sich seine eigene Welt aus Verschwörungstheorien, Angst und Hass aufbaut.

Nate Foster (Daniel Radcliffe) ist ein unscheinbarer FBI-Agent mit wenig Freunden, einer Vorliebe für klassische Musik und der Fähigkeit, sich besonders in andere Menschen einfühlen zu können. Seine Vorgesetzte Angela Zamparo (Toni Collette) erkennt in ihm einen idealen Undercover-Ermittler und wählt ihn für den Einsatz in der rechtsextremen Szene aus. Er soll Informationen über hochrangige Angehörige verschiedener White Supremacy-Gruppierungen sammeln, um ein geplantes Attentat mit einer radioaktiven Substanz zu verhindern.

Der Film zeigt eine Welt, die sich ihre eigene Welt konstruiert: Am Anfang steht das Wort und das Wort hat die Macht, Wirklichkeit zu erschaffen. Selbst dort, wo keine ist. Verschwörungstheorien leben davon, eine aus Angst genährte Imagination in die Schein-Evidenz von Fakten zu kleiden. Nates Vorbereitung auf seine Rolle als überzeugtem White Supremacy-Terroristen ist begleitet von einem Sturm dokumentarischer Bilder, deren Spektrum von Aufmärschen des Dritten Reichs über die brennenden Kreuze des Ku-Klux-Klans hin zu modernen Propaganda-Webseiten reicht. Nate taucht in eine Welt ab, die sich ihre ganz eigenen Grundsätze und Überzeugungen aus ihren eigenen Bildern und Worten baut – die gegen eine jüdische Weltverschwörung in den Krieg zieht, die hinter dem Begriff der Diversität einen gezielten Genozid an der „weißen Rasse“ vermutet.

So abstoßend diese rassistische Weltsicht ist, so viel unmittelbarer Widerspruch sich auf die von den Figuren des Films geäußerten Ansichten regen möchte – Imperium wählt den Weg einer harten Distanzlosigkeit. Nate nimmt seine Undercover-Identität an und der Zuschauer begleitet ihn auf dem Weg in eine Szene, die den meisten Menschen allenfalls am Rande, allenfalls als das Andere, das sich neben dem mehrheitlichen Diskurs etabliert, begegnen dürfte. Die Schwierigkeit, die darin liegt, ist das Bewahren einer eigenen politischen Identität als Film – wo beginnt die Darstellung eines völlig fremden Milieus, mit all seiner Rhetorik, und wo bedingt diese Darstellung irgendwann eine Stellungnahme, einen Kontext?

Über das bekannte Muster eines packenden Undercover-Thrillers, dessen Figur immer der Gefahr ausgesetzt ist, eine Lücke zwischen den Welten zu öffnen, die sie parallel bewohnt, die sich immer in der Lebensgefahr befindet, die Tarnung auffliegen zu lassen, unterlegt Imperium die gezeigte White Supremacy-Szene mit dem doppelten Blick eines zugleich integrierten und immer auch außenstehenden Beobachters. Nates Suche nach Informationen ist auch der Versuch des Verstehens, der Einfühlung, die ihn für diesen Job prädestiniert hatte: Wie entsteht der Glaube daran, dass nur ein rassistischer Krieg gegen das Fremde die eigene Situation bessern kann? Wieso finden junge Menschen in Gewalt und Hass so viel Sicherheit, dass sie schließlich bereit dazu sind, sich für ihre Ideale zu opfern?

Hier gelingt es dem Film, seine schwierige Balance zu halten – eben kein Verständnis zu entdecken, sondern sich den Figuren seiner Beobachtung zu nähern, ohne ihnen tatsächliche Nähe zu geben. Alles am White Supremacy-Milieu erscheint konstruiert, die Welt ist das, was aus ihr gemacht wird – das Wort hat die Macht, sie zu verändern. Verschwörungstheorien können eine düstere Welt der Angst hervorbringen und auch der Ursprung eines quasi-intellektuellen Rassismus lässt sich zumindest erklären, wenn er sich auch nicht verstehen lässt.

Imperium inszeniert einen erstaunlich zurückgenommenen Thriller, der mit wenig Musik, nahezu ohne Action-Sequenzen und ohne Gewalt auskommt und sich stattdessen ganz auf seine Figur konzentriert, auf Nate Foster, der den Spagat zwischen zwei Welten schafft, die in ihm zusammenlaufen, die Berührungspunkte offenbaren und deren fragile Balance schließlich kippt. Die Macht liegt nicht in der Tat, nicht in der Gewalt, von wem auch immer sie ausgehen mag – sie liegt im Wort. Es ist die Verpflichtung jedes Menschen, von dieser Macht Gebrauch zu machen, für die Wahrheit und für eine Welt ohne Furcht und Hass. Es gibt keine leichte Antwort auf das Problem rechtsextremer Verbreitung und Imperium gibt nicht vor, eine leichte Antwort gefunden zu haben. Das kann man dem Film zum Vorwurf machen und eine schärfere Positionierung von ihm fordern – doch gerade so gelingt der Verweis auf das einfachste und doch effektivste politische Mittel: vom Wort, von seiner Stimme, Gebrauch zu machen, anstatt still zu bleiben. Dieser Film könnte an keinem besseren Zeitpunkt erscheinen.

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Kommentare(2)
  1. lord_gold 05.12.2016
  2. lord_gold 05.12.2016

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