Nerdtalk Extended: Basics der Filmwissenschaft

In unserer ersten Ausgabe von Nerdtalk Extended sprechen wir über die Basis der Filmwissenschaft: Was heisst eigentlich das "Filmstudium"? Was sollte man mitbringen? Wie läuft so ein Studium ab? Was sind die Grundannahmen der Filmwissenschaft? Und wie wird ein Film eigentlich analysiert? Lars und Betti geben Antworten.

In unserer ersten Ausgabe von Nerdtalk Extended sprechen wir über die Basis der Filmwissenschaft:
Was heisst eigentlich das “Filmstudium”? Was sollte man mitbringen? Wie läuft so ein Studium ab?
Was sind die Grundannahmen der Filmwissenschaft? Und wie wird ein Film eigentlich analysiert?

Lars und Betti geben Antworten.

Literaurhinweise

Lexikon der Filmbegriffe
David Bordwell/Kristin Thompson: Film Art. An Introduction, New York 1979.

Picnic at Hanging Rock [dt. Frühstück am Valentinstag]; R: Peter Weir, AT 1975.
O Melissokomos [dt. Der Bienenzüchter]; R: Theodoros Angelopoulos, GR 1986.
Ah Fei Zing Zyun [dt. Days of Being Wild]; R: Wong Kar-Wai, HK 1990.
Edge of Tomorrow; R: Doug Liman, USA 2014.

Teaserbild: Moyan Brenn auf flickr ( https://www.flickr.com/photos/aigle_dore/16840395246 )
Musik: http://www.bensound.com





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12 Gedanken zu “Nerdtalk Extended: Basics der Filmwissenschaft”

  1. Sehr sehr spannender Podcast mit ganz viel Input, mehr davon!
    Ich gebe zu, dass mir das Studium wahrscheinlich zu theoretisch/kopflastig wäre. Da bin ich quasi das Gegenteil von Betti, die von der Praxis in die Theorie gekommen ist, und mein Weg genau andersherum verlaufen ist. In meiner Oberstufenzeit hatten wir mal Filmgeschichte angerissen mit Metropolis, Caligari, King Kong, etc., wo wir auch über Filmanalyse gesprochen haben, ich für mich aber gemerkt habe, dass mir nur das Wissen darüber nicht reicht und ich lieber aktiv Teil der Filmentstehung sein möchte.
    Gerade beim Kostüm merke ich persönlich, wie viel man beitragen kann. Man visualisiert nicht nur ein Kostümkonzept, man sorgt aktiv dafür, dass die Schauspieler zu ihren Figuren werden, egal wie markant das Kostümbild ist oder nicht. Man wird Teil eines Gesamtkunstwerks, was ich unglaublich bereichernd finde, v.a. wenn das Team großartig ist und alle Departments an einem Strang ziehen, selbst wenn man nur einen Horror-Trashfilm macht.
    Nichtsdestotrotz bin ich sehr offen für theoretische Filmansätze und freue mich, über euren Podcast einiges mitnehmen zu können, um “meinen Horizont zu erweitern” :D. In diesem Zug auch ein Danke an euch für den Hinweis aus einem früheren Podcast auf die Cinecouch, die jüngst American Beauty besprochen haben, wo es auch um Farbsemantik und Metaphern ging (es bezog sich auf die Farbe Rot und den Zweck der Rosen). Bei dem Begriff Diegese musste ich sofort an “Lynchville” denken, was ich im Rahmen meines letzten Dramaturgie-Kurses im Zusammenhang mit Lost Highway kennenlernen durfte und mich angefixt hat, die Welt rund um David Lynch zu entdecken, allen voran Blue Velvet.

    @Man kann nicht genug Filme sehen: Aus filmwissenschaftlicher Sicht würde ich das wahrscheinlich auch so sehen, aber als Privatmensch sehe ich das etwas anders. Ich bin durchaus offen für sämtliche Filmgenres, aber manche Sachen vermeide ich dann doch bewusst, z.B. Komödien, deren Humor mir gar nicht zusagt (z.B. New Kids Nitro) oder Filme, die mich allein von der Filmbeschreibung her schon psychisch verstören (z.B. A Serbian Film, Antichrist). Da verwende ich lieber meine Lebenszeit für andere wunderbare Filme, die nur darauf warten, entdeckt zu werden ;).
    Im Rahmen von Arbeiten bei (Kurz)Filmen stimme ich euch jedoch zu, dass es durchaus nützlich ist, sich einen Pool an gesehenen Filmen aufzubauen, z.B. hatte ich mal für einen Horrorfilm Filme mit bösen Kindern recherchiert und auf diese Weise absolute Perlen entdeckt, z.B. “Das Omen” (1976) oder “Orphan – Das Waisenkind” (2009), auf die ich sonst wahrscheinlich nie gestoßen wäre.

    Es ist wahrscheinlich eine Frage des Standpunkts, ob man sich einen Film als Unterhaltungs- oder Arbeitsmedium ansieht, bei ersteren sollte man meiner Meinung nach jedem die Freiheit lassen zu entscheiden, ob man diesen oder jenen Film sich anschauen sollte oder nicht. Ich bin auch ständig auf der Mission, meine Mitmenschen auf tolle Filme aufmerksam zu machen, bin denen aber auch nicht böse, wenn sie meine Ansicht nicht teilen ;).

  2. Wenn ich Lars und Betti richtig verstanden habe und das gesuchte Beispiel geben darf, dann ist die Filmanalyse ein Verfahren das einem fast jedem bekannten recht analog ist: Der Sprach- bzw Textanalyse wie wir sie auch aus der Schulzeit kennen. Insbesondere bei der Analyse lyrischer Texte mit dem Fokus auf Versmaß, der Strophenform, des Reimes etc. und deren Funktionen rückt doch die inhaltliche Ebene (und noch mehr das eigene Gefallen am Werk) in den Hintergrund. Das Beispiel passt vllt. auch deshalb, weil Gedichte der eigtl. Aussage einen bewusst optisch wahrnehmbaren Rahmen geben können.

    Da Interstellar wieder erwähnt wurde: Natürlich schaffen Filme ihre eigene Realität und nur diese sollte als ihr Maßstab gelten. Ein Film wie Interstellar darf eine Physik besitzen, die unserer widerspricht, darf sie als Prämisse ansehen um seine Geschichte erzählen zu können.
    Aber jeder Film interagiert mit unserer Realität, wenn er eine Aussage treffen möchte, eine Stellung bezieht. Diese ist nämlich keine Aussage für das Universum des Filmes, wo er niemanden wahrlich beeinflussen kann, sondern für uns in unserem Universum. Und hier braucht der Film daher Bezug zur Realität.
    Insbesondere wenn ein Film vorgibt mehr als nur die Aussage Unterhaltung zu beinhalten, und so sehe ich Interstellar mit seiner ernst vorgetragenen Philosophie, dann müssen aber auch den Weg und die Mittel zum Erreichen dieser Aussage für uns bewerten können. Es verhält sich wie die Meinung zum Argument. Interstellar nimmt als Mittel eine Wissenschaft (inkl. der Prämissen), scheitert aber in dieser auf dem Weg zu einer uns verständlich Aussage an selbst erschaffener Inkohärenz. Fury nimmt als Mittel für seine Aussage die realistische Darstellung von Gewalt und Kriegsverbrechen, scheitert aber daran die (scheinbar?) logische Konsequenz/Aussage zu ziehen.
    Das ganze kann man in seine (subjektive) Bewertung mit einbeziehen, oder man lässt es. Dann nimmt man dem Film meiner Meinung nach jedoch auch das Vermögen der Gesellschaftskritik, auch im positiven Sinne, und reduziert ihn auf reine Unterhaltung und/oder ein technisches Werk. Entsprechend fand ich Lars Erstbewertung für Fury passender, wenn auch subjektiver. Oben genannte Filme waren auch beide unterhaltsam und objektiv technisch hervorragend.

    Das Ganze ist bei Interstellar etwas konstruiert und nicht der Hauptkritikpunkt den ich am Film üben würde. Mir geht es eher darum, dass auch Filmrealitäten eine zwangsläufige Grenze und Logik erfüllen müssen (und Aussage kann ja auch durchaus eine Unlogik im Film verlangen) um uns als Rezipienten zu erreichen.
    Soweit, soviel, sehr subjektiv. Danke fürs Lesen und vielen Dank für das neue Format. Das nächste Thema hört sich sogar noch besser an als das Jetztige, ich werd’s mit Sicherheit hören.

    Shownotes?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Diegese
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mise_en_Sc%C3%A8ne_%28Film%29
    https://en.wikipedia.org/wiki/Suspiria
    https://de.wikipedia.org/wiki/Cocktail_f%C3%BCr_eine_Leiche

  3. leude, genau auf diesen podcast hab ich gewartet!

    zunächst also, mal wieder, ein riesenlob an euch für diesen zuwachs im nerdtalk expanded universe, bei mir habt ihr einen nerv getroffen.

    auf die gefahr hin, euch eventuelle planungen und ideen vorwegzunehmen:
    besonders spannend fände ich es, einem extended podcast die filme der to watch-list vorauszuschicken, sodass der geneigte hörer sich im vorfeld vorbereiten kann, um im anschluss quasi gemeinsam mit euch den ein oder anderen film genauer im nachfolgenden podcast zu betrachten und zu analysieren.

    ansonsten: bitte immer weiter so,

    keep on watching!

  4. Auch von mir erstmal ein großes Lob für die Idee und bisherige Umsetzung Eurer Extended-Reihe. Als Laie, der einfach gerne Filme sieht und ins Kino geht, aber trotzdem auch zu einer etwas intensiveren Auseinandersetzung mit Filmen bereit ist, bin ich über den Input sehr dankbar. Und das Ganze umgesetzt als klassische “Nerdtalk-Plauderei”, Daumen hoch dafür. 🙂

    Auch fände ich es wirklich gut, wenn ihr die Idee mit den Shownotes konsequent umsetzt und gleich auch passende Literatur oder ähnliches empfehlt. Lese selbst gern das eine oder andere Buch zum Thema Film, und würde mich über weitere Tipps sehr freuen. So finde ich beispielsweise Truffauts Interviewband “Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?” wirklich überragend gut und lehrreich. Ebenfalls einen sehr guten Überblick über das Thema Film bietet meiner Meinung zudem “Film verstehen” von James Monaco. Dort werden die verschiedensten Aspekte wie Filmtechnik, Filmgeschichte und so weiter für den Laien recht verständlich und durch viel passendes Bilmaterial auch anschaulich dargestellt. Ein für den Preis wie ich finde tolles Nachschlagewerk.

    Macht weiter so, freue mich auf nächsten Monat!

  5. Wow, vielen Dank für dieses Feedback – ich persönlich habe mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass hier so lange und tiefgreifende Kommentare geschrieben werden.
    Das übertrifft die Erwartungen um ein Vielfaches.

    Wir werden weiter machen – und an euch: “Keep on commenting” 😉

  6. Auch von mir: Klasse, dass dieses neue Format offenbar gut ankommt und Interesse weckt, das freut uns ganz enorm! Vielen Dank für die bisherigen Kommentare, macht weiter 😉

    Um kurz auf ein paar Gedanken einzugehen:

    @Mr. Feconi: Ein durchaus treffender Vergleich zur Schul-Analyse. Und völlig richtig, wie wir ja auch schon in der Episode mehrfach betonten: Dabei kann es dann eben in der Regel nicht bleiben – was wir in der Episode zu umreißen versucht haben, ist nur das handwerkliche, methodische Vorgehen der Analyse, um damit unsere Idee von Filmverstehen ein wenig zu verdeutlichen. Diese Trennung ist dementsprechend ein wenig konstruiert: die Analyse fließt natürlich in historische Fragestellungen und steht nicht so isoliert, wie von uns hier umrissen.

    Zu INTERSTELLAR: Dennoch würde ich dabei bleiben, dass die “wirkliche” Physik und die Filmphysik keine Bezugspunkte oder Überschneidungen brauchen. Es ist kein Film über Physik, sondern ein Film, der Physik als eines seiner Mittel nutzt – mein Problem mit INTERSTELLAR wäre eher, dass er allein *innerhalb* des von ihm konstruierten Universums Brüche hat, die in meinen Augen nicht gut aufgehen.

    @bashme: Kein Problem, sogar ein sehr schöner Vorschlag.
    Darum die Empfehlung für die Noir-Episode demnächst:
    DOUBLE INDEMNITY, Billy Wilder
    DETOUR, Edgar Ulmer
    THE BIG SLEEP, Howard Hawks
    THE BIG COMBO, Joseph H. Lewis

    CHINATOWN, Roman Polanski
    TAXI DRIVER, Martin Scorsese
    L.A. CONFIDENTIAL, Curtis Hanson
    Und z.B. etwas von Fincher wie FIGHT CLUB oder SE7EN

    Oder natürlich beliebig (viele) andere Noirs, dazu gibt es ja umfangreiche Listen überall, was zur Vorbereitung nächste Woche dann ein wenig eine Grundlage gibt und vielleicht die Probleme damit sichtbar macht.

    @GekonntPlanlos: Werden wir gerne machen – nächstes Mal gibt es sowieso ein paar mehr Literaturhinweise, in Zukunft können wir das aber noch ausbauen.
    Monaco finde ich ein wenig oberflächlich, aber als Einstieg sicherlich dennoch nicht verkehrt – besser aber m.E. Bordwell/Thompson.

  7. Kann mich den Vorrednern nur anschließen. Das Format ist Klasse.
    Super, dass Ihr auch noch mal klar gemacht habt, dass ein Studium (egal welches Fach) meistens mit sehr viel Arbeitsaufwand zusammenhängt. Viele denken, dass ein Studium eine lockere Sache ist.

  8. Kann mich den Vorkommentatoren nur anschließen – eine schöne Bereicherung zum normalen Nerdtalk!

  9. Ganz großartig, sowas will ich hören 🙂

    Ich habe schon oft gedacht: Der Lars und sein Studium, da ist doch richtig Potenzial, um mal analytisch in die Tiefe zu gehen. Demnach empfinde ich dieses Format sowohl vom Ansatz, als auch in der Ausführung der ersten Episode direkt als sehr gelungen!

    Ich persönlich mache ja beruflich was ganz anderes, habe aber hobby-mäßig starkes Interesse daran, mich über einen Punkt der Bewertung hinaus mit Film zu befassen. Mich interessiert einfach, warum was wie im Film funktioniert, oder eben nicht, wie man Wirkungen erzeugt, wie sich die Technik über die Zeit verändert hat, und, und, und…

    Nach diesem tollen Einstieg (aus dem ich direkt einiges mitnehmen konnte) bin ich sehr gespannt auf die Noir-Episode. Im nerdtalk-Sinne zähle ich jetzt die Monate runter 😉

  10. Grandiose Episode muss ich sagen und fantastisch Informativ! Auch wie man merkt dass da richtig Begeisterung und Elan hinter steckt. Einzig was ich anmerken würde wäre dass der Lars immer sehr abgehackt gesprochen hat und es so etwas anstrengend war ihm zuzuhören. Trotzdem finde ich es klasse dass ihr euch solche Mühe gebt und nun auch etwas expandiert. Bin auf eine weitere Folge dieser Reihe gespannt und was es da dann für Themen gibt. Diese Ausgabe hat aufjedenfall wirklich Lust auf mehr gemacht und ich finde es wirklich wirklich klasse.

    Daumen hoch

  11. Also hab vor paar Tagen Nerdtalk gefunden und dachte mir am Anfang: “Hey, cool da reden mit Sicherheit ein paar Leute über Filme und Serien das kann ich während der Arbeit (Designer) sicher ganz gut anhören!”
    Jetzt hab ich nicht das bekommen was ich erwartet habe den ich konnte euch nicht nur nebenbei zuhören weil ich es echt total genial finde wie ihr über Filme redet und hier Speziell über Filmwissenschaften! Ich habe mir während der Arbeit Gedanken zu diesem Thema gemacht und das hat mich nicht losgelassen den gerade bei Intastellar hatte ich große Diskussionen mit meinem Freunden über genau dieses Thema. Denn in meinen Augen erschafft jeder Film ein eigenes Universum mit eigenen Gesetzen sei es jetzt wissenschaftlich oder juristisch gesehen genau deshalb finde ich den Film so toll weil ich nicht immer im Hinterkopf haben muss das es ja eig unlogisch sei! Ich habe meinen Freunden diesen Podcast geschickt und als Antwort nur bekommen:
    “Nach dem anhören hab ich meine Meinung geändert und verstehe das jeder Film seine eigenen Gesetze erschafft.”
    Allein das sagt mir schon wie geil es doch wie gut hier alles erklärt habt! 🙂
    Finde das ganze Studium mega interessant!! Leider habe ich mich nicht für diese Richtung entschieden aber dafür hab ich ja jetzt als Ersatz Nerdtalk-Extendend ^^

    So erstmal sorry für schreibfehler den ich schreib grad alles von meinem Handy den musste das einfach mal los werden.

    Ich geh dann mal weiter eure Folgen anhören weil hab noch so 8 vor mir bis ich aktuell bin in dem Sinne haut rein und macht weiter so!! Werde auf jeden Fall mal einen Audiokommentar da lassen falls ich was tolles gesehen habe.

    Grüße aus Bayern

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