Who Am I – Kein System ist sicher


Filmposter: Who Am I – Kein System ist sicherRegie:
Drehbuch:
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Kinostart D: (FSK 12)
Originaltitel: Who Am I - Kein System ist sicher
Laufzeit: 1:45 Stunden

Filmkritik zu “Who Am I – Kein System ist sicher”

3.5/5 von Lars

Vom Tellerwäscher zum Millionär. Vom Außenseiter zum coolen Hacker, der die Welt in Bewegung bringt, der endlich nicht mehr von ihr missachtet wird. Eine bekannte Geschichte, aus dem Mafia-Film oder nach Superhelden-Marvel-Rezept.

Lässt man einmal den Blick auf die politische und gesellschaftliche Aktualität von Themen wie Datenklau und Cyber-Kriminalität außen vor, die der Film glücklicherweise nicht plakativ in den Mittelpunkt zerrt, finden wir also in WHO AM I? zunächst eine Mischung aus frischem Wind und bewährtem Konzept. In einer großen Rückblende entfaltet sich die Handlung des Films. Benjamin hat sich gestellt, sitzt in einem Verhörzimmer und erzählt seine Geschichte, von den Anfängen seiner schwierigen, elternlosen Kindheit bis hin zu medienwirksamen Cyber-Attacken auf bedeutende Institutionen. Wir begleiten ihn durch seine Entwicklung vom Niemand zum Kopf einer kriminellen Organisation, vom Außenseiter zum begabten Hacker und zum geschätzten Mitglied seiner Gruppe, seiner Freunde.

WHO AM I? gelingt es dadurch, sich nicht zu sehr am Hacken und an den Strukturen digitaler Kriminalität aufzuhalten. Stattdessen erzählt der Film die Geschichte einer Gang, die zwar Server statt Banken ausraubt und Gewinnspiel-Hotlines manipuliert statt Schutzgelder beim Imbiss an der Ecke zu erpressen – letztlich ist die Narration aber dieselbe. Getragen von Benjamins Off-Kommentar, erleben wir die Handlung mit seinen Erinnerungen. Auch hier eine formale Struktur, die WHO AM I? nicht neu erfindet, auch gar nicht neu zu erfinden braucht, sondern lediglich mit einem charismatischen Charakter ausstattet. Benjamin ist vielseitig, offenbart nach und nach immer weitere Schichten seiner Identität. Dabei ist diese Entwicklung nicht minder interessant und packend als die Hack-Angriffe, von denen er erzählt. Diese Ausgewogenheit hält den Film am Boden. Es wird kein atomares Steuerprogramm gehackt, das die Welt in die totale Vernichtung führen könnte (WARGAMES, 1993), die Figuren wollen lediglich die mediale Aufmerksamkeit, ein bisschen Spaß und ein bisschen Macht. Sie verfangen sich zwar schließlich in Verstrickungen großer Cyber-Mafias, der Film erzählt aber diesen Plot konsequent aus der Sicht Benjamins, der die Aktionen reflektiert und so verhindert, dass der Film sich übernimmt. Er bleibt im Rahmen seiner erzählerischen Möglichkeit und wird, und das ist ein großer Verdienst, nicht albern.

Dazu trägt insbesondere auch die Gestaltung der technischen Vorgänge bei – es ist kein neues Phänomen, dass Filme sich sehr schwer damit tun, glaubwürdiges Hacken zu inszenieren. WHO AM I? umgeht dieses Problem mit einer geschickten gestalterischen Idee: Das DarkNet, die Hinterhöfe des Internets, wird visualisiert als schäbiger U-Bahn-Waggon im schwarzen Nirgendwo, in dem die bunt-maskierten User sich austauschen. Dateien sind Pakete, Chats sind abgesperrte Abteile, die Nachrichten werden Dialog. So schafft es der Film nicht nur, eine stimmige Ästhetik für einen technischen Vorgang zu finden, sondern bleibt auch hier der Narration einer Gangster-Geschichte treu, in der die verfeindeten Gruppen sich in ihren Hinterzimmern treffen, verhandeln, gegenseitig ausspionieren.

Was man beinahe vergisst: Es handelt sich um eine deutsche Produktion. Ein deutscher Mafia-Film? Ein dunkler Gangster-Streifen spielt in Berlin? Tatsächlich geht das Prinzip auf. Vielleicht nicht zuletzt, weil digitale Kriminalität weit weniger an lokale Milieus gebunden ist – es braucht kein Boston oder Chicago. Es geht nicht um das Viertel, um die Gebiete im Stadtplan. Damit erfrischt der Film die bekannte Gangster-Erzählung, trägt sie in die Tagesrealität und schafft es umgekehrt, eine Hacker-Geschichte mittels bewährter Strategien, allgemeinverträglich und doch glaubwürdig und faktensicher zu erzählen. WHO AM I? schafft es einerseits durch seinen Stil, der an US-amerikanische Crime-Serien erinnert, andererseits aber vor allem durch seine packende, ausgewogene Handlung, durch glaubwürdige, interessante Figuren und eine allgemeinverträgliche, aber immer dem Thema treue Umsetzung, ein internationaler Film aus Deutschland zu sein. Ein wirklich guter und hoffentlich entsprechend erfolgreicher Film. Es ist lange her, dass deutsche Filme Blockbuster-Potenzial gezeigt haben. Aber es ist umso erfreulicher, dass WHO AM I? dies so überzeugend tut.

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