Filmszene aus The Voices

The Voices

Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch:
Schauspieler: Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver

Kinostart D: (FSK 16)
Kinostart US: (FSK R)
Originaltitel: The Voices
Laufzeit: 1:43 Stunden
Filmposter: The Voices

Filmkritik zu The Voices

Benutzerbild von Lars
4.5/5 von

Hört man von einem Film, dessen Protagonist mit seinen Haustieren sprechen kann, liegt zunächst ein Hauch von Disney-Direct-to-DVD in der Luft. Doch sollte man dieses Urteil nicht zu früh fällen – schließlich handelt es sich bei besagtem Protagonisten um einen Serien-Killer. Einen unfreiwilligen. Der darüber mit seinen Tieren spricht. Und beruflich Badewannen in pinken Kartons verpackt. The Voices folgt keinen abgegriffenen Schemata, sondern vermengt in seinem Humor das Düstere eines psychopathischen Serienkillers mit der abgefahrenen Fantasie-Welt seiner Illusionen.

Dass daraus ein Humor entsteht, der mindestens so schwarz ist, wie Jerrys Psyche, funktioniert gerade in dieser Mischung hervorragend: Man kommt nicht umhin, diese Figur sympathisch zu finden und sogar ein gewisses Grad an Mitleid zu entwickeln. Der Film verhandelt darin die spannende und alte Frage der Zurechnungsfähigkeit und Schuld eines geistig verwirrten Menschen. Jerry würde gerne ein normaler Mensch sein – doch er kann es einfach nicht. Er würde gerne ohne die Stimmen seiner beiden Haustiere leben – aber zu schnell fehlen ihm die Unterhaltungen mit Bosco und Mr. Whiskers. Er möchte gerne ein nettes Mädchen kennenlernen und sich verlieben – leider tötet er die Mädchen dann doch.

Ryan Reynolds hat sich in den letzten Jahren nicht unbedingt als Darsteller komplexer Figuren hervorgetan – umso erfrischender seine Performance in The Voices: Er spielt sich hier in eine Ebene, die etwa Ryan Gosling schon zu Beginn seiner Karriere in Lars und die Frauen erreichte. Reynolds verleiht der Figur eben jene Tiefe, die sowohl Mitleid weckt, als auch tiefe Abscheu und damit der Komödie ein angenehmes Maß Tiefe gibt.

Natürlich liegt letztlich der Fokus des Films auf seinem Humor: Es ist schließlich keine Charakterstudie, sondern eine schwarze Komödie, die aber gerade deswegen so gut funktioniert und gerade deswegen so lustig ist, weil sie nicht bloß durch Tabubrüche schockieren möchte, sondern eine differenzierte Figur entwirft, deren Spirale in immer abgefahrenere Illusionen am Ende vor allem eins erreicht: Eine ganze Menge Spaß.

Der Film schafft es zwar nicht immer, seine Schwärze in seinen Humor zu integrieren und gelegentlich geht der eine oder andere Gag dann doch in die falsche Richtung – nichtsdestotrotz handelt es sich bei The Voices aber um eines der Komödien-Highlights, die dieses Jahr bisher zu bieten hatte. Die wilde Mischung wahnsinniger Ideen erzeugt einen großartigen Film, der aus seinem Genre spürbar heraussticht.

 

The Voices im Heimkino

4 Gedanken zu “The Voices”

  1. Lars und die Frauen hat mich damals sehr positiv überrascht. Das hat The Voices nicht ganz so geschafft. Nichtsdestotrotz ist die Idee und Ausrichtung des Films ganz nach meinem Geschmack. Mehr davon…
    Bis dahin freu ich mich erstmal auf Morgen zur Premiere von Am Sonntag bist du tot auf Sky Cinema. Der soll ja auch ganz gut und schwarzhumorig sein. Von den Machern von The Guard bin ich aber auch nichts anderes gewohnt.

  2. Ich hab die BluRay schon, daher ist es für mich nicht relevant, aber: Wo ist denn das im Titel genannte Gewinnspiel?

    Ansonsten Top Kritik! Für mich bis dato auch eins der Film-Highlights des Jahres, welches Reynolds in neue Sphären katapultiert!

  3. Mich hat der Film etwas ratlos zurückgelassen. Ich kann den von Lars genannten Punkten in der Kritik zwar zustimmen (Die Katze ist Klasse), aber der doch starke Genremix von Kommödie, Thriller, Drama vermochte mich nicht ganz so zu packen. Ich habe auch noch nicht rausgefunden, was der Film nun Aussagen möchte. Ist der Film für oder gegen Psychopharmaka? Sind verrückte verrückt? Kritik am Kleinstadtleben?
    Trotzdem ein guter Film, mit einigen tollen Szenen. Man sollte ihn sich ansehen.

Schreibe einen Kommentar