Filmszene aus The Promise - Die Erinnerung bleibt

The Promise - Die Erinnerung bleibt

Regie: Terry George, Maralyn Causley, Renee Burke
Drehbuch:
Schauspieler: Oscar Isaac, Charlotte Le Bon, Christian Bale, Daniel Giménez Cacho

Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (FSK PG-13)
Originaltitel: The Promise
Laufzeit: 2:13 Stunden
Filmposter: The Promise - Die Erinnerung bleibt

Filmkritik zu The Promise – Die Erinnerung bleibt

Benutzerbild von Phil
2/ 5 von

Die Auseinandersetzung mit dem Völkermord an den Armeniern im ersten Weltkrieg ist wichtig. Selbst in den heutigen Tagen ist vielen dieses dunkle Kapitel nicht geläufig. Sicherlich trägt die Türkei dazu bei, indem sie die Vorfälle relativiert und nicht vom einem gezielten Völkermord sprechen möchte.
Darum ist es umso relevanter, dass ein Film diesen Voraussetzungen gerecht wird.

Der Film nähert sich der Thematik über die Konstruktion einer Dreiecks-Beziehung und wählt so einen ungünstigen Ansatz. Statt die Gefahren und Grausamkeiten der Zeit in den Vordergrund zu stellen, liegt der Fokus immer wieder auf der Trennung der Haputcharaktere und dem Begehren nacheinander. Damit steht der Film sich selbst im Weg, denn ihm liegt es ganz offensichtlich daran, den Genozid darstellen zu wollen.

So sieht man aus ausreichender Entfernung willkürliche Erschießungen, stößt unverhofft auf eine Deportation und wird mit abgeladenen Leichenbergen konfrontiert. Auch Verfolgungen und politischer Widerstand sind Bestandteil dieser Verfilmung. Doch sind die Szenen viel zu rar gesät und haben auch keine Auswirkung auf den Verlauf der Geschichte: Der erwähnte Deportationszug ist zwar erschreckend inszeniert, nach der Szene gibt es aber keine weitere Erwähnung von diesem oder anderen Zügen. Auch ein herber Verlust ist dramatisch gedreht, verändert jedoch nichts im Handeln oder Denken der betroffenen Person.
Es erscheint, als ob der Film eine Liste von Grausamkeiten abarbeitet, um dem historischen Ansatz gerecht zu werden, jedoch ohne das Gezeigte in die Geschichte zu integrieren.
Stattdessen steht die Dreiecksbeziehung im Vordergrund, die lediglich im Kontext eines Kriegs samt menschenverachtener Verfolgung spielt.

Nur selten blitzen erhebliche Spannungsmomente auf. Ein positives Beispiel ist das Zusammentreffen von amerikanischen und türkischen Botschaftern und Repräsentanten, die in einem unemotionalen, jedoch hochbrisanten Wortwechsel die Gefangennahme von Hauptrolle Mikael zum Politikum machen. Auch die Einblicke in die Arbeitslager nähren die Spannung und Empathie mit den Rollen.
Auch die diese Situation umgebenden Szenen geben einen Eindruck in die bis heute angespannte Betrachtung der Vorfälle, sind aber in Summe zu wenig vertreten.

Sieht man vom Drehbuch ab, kann der Film aber mit seinem Setting und den Schauspielern überzeugen.
Christian Bale spielt den unliebsamen Fotografen auf den Punkt, Oscar Isaac durchlebt in seiner Rolle auf der Flucht viele verschiedene Situationen, die er angemessen interpretiert. Die Darstellung der Lager, die kalte Deportationen, die emotionslose Hinrichtung von Menschen: Der Geist der Zeit kommt rüber.

The Promise wird aufgrund seines internationalen Casts und der entsprechenden Vermarktung den Völkermord an den Armeniern sicher stärker als andere Filme in den medialen Fokus rücken können. Dies ist der Produktion anzurechnen.
Auch, wenn es für zukünftige Verfilmungen dramaturgisch deutliche Luft nach oben gibt.

The Promise - Die Erinnerung bleibt im Heimkino

3 Gedanken zu “The Promise – Die Erinnerung bleibt”

  1. cast klingt klasse! Viel Potential! Aber wenn er inhaltlich eher flachgehalten ist, ist es mit Sicherheit nix für mich… Schade..

  2. Einen normales 0815 Review über “The Promise” zu machen ist eigentlich unmöglich und wird den Film nicht gerecht. Dieser Film muss allein schon auf Grund seines Hintergrund von so vielen Menschen wie möglich gesehen wird. Einen Film wie diesen – mit all seiner Story drumherum – hat es bislang nicht gegebenen.

    1.) Seit den 1930er versucht die Türkei im Rahmen ihrer Leugnungskampagne durch massiven Druck und Androhung finanzieller Konsequenzen Filme über den türkischen Genozid an den Armeniern weltweit zu verhindern.

    2.) Die MGM Filmstudios, Sylvester Stallone sowie Mel Gibson scheiterten daher bereits daran diesen Völkermord filmisch umzusetzen.

    3.) “The Promise” ist die erste große Hollywood-Produktion zu diesem Thema.

    4.) Dieser 90 Millionen US-Dollar Film wurde vollständig von dem 2015 verstorbenen US-Armenier, Milliardär und Philanthropen Kirk Kerkorian finanziert. Dies macht “The Promise” zu einem der teuersten unabhängig finanzierten Filme aller Zeiten.

    5.) 100% aller Einnahmen von “The Promise”, inkl. DVD-, BlueRay- und iTunes-Einnahmen, werden an humanitäre Organisationen gespendet. So etwas hat es für einen Film dieser Größe in der Geschichte noch nicht gegeben. Bei “The Promise” geht es nicht um Profit, sondern ausnahmslos um Aufklärung und um Menschenrechte.

    Diese Aspekte machen diesen Film ungemein wichtig und einzigartig und wären daher in jedem Review zu diesem Film eine Erwähnung wert. Ein Besuch dieses gut gemachten Films sollte für jeden ein Muss sein.

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