Filmszene aus The Pink Cloud

The Pink Cloud

Regie: Iuli Gerbase
Drehbuch:
Schauspieler*innen: Renata de Lélis, Eduardo Mendonça, Kaya Rodrigues, Helena Becker

Kinostart D: (FSK 16)
Kinostart US: (FSK R)
Originaltitel: A Nuvem Rosa
Laufzeit: 1:44 Stunden
Filmposter: The Pink Cloud

Filmkritik zu The Pink Cloud

Benutzerbild von Phil
3/ 5 von

Das Drehbuch dieses Films stammt aus dem Jahr 2017 – und somit weit vor der Corona-Pandemie, die eine erschreckende Ähnlichkeit mit dem Film hat.
Sicherheitshalber warnt der Film vorab, dass jegliche Überschneidung mit realen Ereignissen zufällig seien.

Wer ein Katastrophendrama erwartet, wie Menschen mit dieser mysteriösen und gefährlichen Wolke umgehen, der liegt nicht vollkommen falsch, aber insbesondere auch nicht richtig: Eher fokussiert sich der Film auf die Beziehung zwischen zwei Menschen, die wider Willen gefangen in der Wohnung sind.

Hauptrolle nimmt dabei Giovanna ein, die anfangs einen Reiz in der Situation sieht, später aber immer mehr an dieser zerbricht sowie eigene Glaubenssätze über Bord werfen muss.
Auch greift der Film auf, welcher Hilflosigkeit man ausgesetzt ist, ist man auf die eigenen vier Wände beschränkt: Der Kontakt zu den eigenen Eltern ist abgebrochen und wenn die Kinder aufgrund der Notsituation nur bei der Freundin und nicht in der eigenen Wohnung untergekommen ist, so sieht man diese nur über Videochat aufwachsen. Auch Problemen, die man über diese Medien mitbekommt, kann man nur hilflos zusehen.

Leider wurde der Film von der Realität eingeholt und verliert so ein gutes Stück seiner Brisanz, fängt aber zugleich überraschend vorausschauend ein, wie Menschen sich in einer solchen Extremsituation verhalten würden: Videotelefone und Notebooks sind die einzigen Wege zur Außenwelt – bis hin zur medizinischen Betreuung.

Der Fokus auf den menschlichen Aspekt ist jedoch zugleich die Achillesferse des Films: So zwingt die pinke Wolke die Menschen erst in die Wohnungen – sie und ihre Auswirkungen können also nicht komplett ausgeblendet werden. Doch dies tut der Film, indem er zu viele Fragen offen lässt: Naheliegende Themen wie das Aufrechterhalten der Infrastrukturen (insbesondere des Internets), Beschaffung der Roh-Nahrungsmittel oder Umgang der Regierungen mit der Wolke reißen riesige Kohärenz-Löcher in den Film und rufen beim Zuschauer noch weitere, störende Fragen auf als diese zu beantworten.

Man muss dem Film diese spürbare Flanke lassen, dann ergibt sich ein packendes Kammerspiel, das die Was-Wäre-Wenn-Frage durchspielt, die wir während des Lockdowns nur in Ansätzen erlebt haben.
Schafft man dies, ergibt sich ein Film voller Bedrückung, zugleich aber auch Freiheit und einer breiten Facette an Emotionen.

The Pink Cloud im Heimkino

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