Filmszene aus Skin

Skin

Regie: Guy Nattiv
Drehbuch:
Schauspieler: Jamie Bell, Danielle Macdonald, Daniel Henshall, Bill Camp

Kinostart D: (FSK 16)
Kinostart US: (FSK R)
Originaltitel: Skin
Laufzeit:1:58 Stunden
Filmposter: Skin

Filmkritik zu Skin

Benutzerbild von Phil
3/ 5 von

Man muss schon etwas aufpassen: Regisseur Guy Nattiv hat im Jahr 2018 gleich zwei Filme namens “Skin” herausgebracht: Einen Kurzfilm über 21 Minuten, der im Jahr 2019 gar den Oscar als bester Kurzfilm erhalten hat. In diesem geht es zwar auch um Nazis und ihren puren Hass auf Schwarze, jedoch hat der Kurzfilm bis auf das Thema nichts mit diesem Langfilm gemein.

Recht schonungslose Einblicke in die Welt der Nazis oder White Supremacy schockieren immer wieder. Nur allzu gern blenden wir diesen Teil der Gesellschaft aus, obwohl sie in der Mitte der Gesellschaft stehen. Wenn es dann Filme gibt, die weniger reißerisch, sondern eher nüchtern die Strukturen nahe bringen, ist man fasziniert und beängstigt zugleich: So etwas gibt es. Näher, als es einem vielleicht lieb ist.

Es drängt sich beim Sehen von Skin eine Parallele zu Imperium auf: Beide Filme beschäftigen sich mit den internen, unsichtbaren Strukturen von Nazis. Während “Imperium” jedoch fiktiv ist, basiert “Skin” auf einer realen Geschichte.
“Skin” spielt seine Vorteile besonders in den belastenden Szenen aus, in denen Hauptrolle Bryon Widner von seiner alten “Familie” bedrängt wird. Es ist erschreckend zu sehen, wie ein Mensch mit Verantwortung für eine Frau und zwei Kinder unangekündigt von Nazis besucht und bedrängt wird. Die Empathie für Widner ist in diesen Szenen besonders hoch, da man, im Gegensatz zu seiner Vorgeschichte, direkte Bezüge zu den eigenen Verantwortlichkeitsbereichen ziehen kann.
Die Szenen, in denen er den versteckten Ausstieg versucht und zugleich Gefahr läuft, entdeckt zu werden, gehören zu den stärksten des Films.

Zugleich merkt man dem Film an, dass er einer auf einer realen Geschichte basiert: Nicht immer hält sich der Spannungsbogen konstant hoch, da Widner auch immer wieder einem regulären Familienleben nachgeht. Dies sind zwar wichtige Szenen, da das “normale Leben” die Charakterentwicklung sehr gut unterstreicht. Dennoch gibt es ausgeprägtere Spannungsmomente, die der Unterhaltung zuträglich sind.

“Skin” ist ein wichtiger Film in der Sichtbarmachung von Strukturen der Nazis und naziähnlichen Organisationen. Nur durch Erzählung der Strukturen und Schicksalen versteht man die perfiden Denkweisen und die gewaltorientierten Machtstrukturen. Der Film gewinnt durch seine reale Erzählgrundlage an Glaubwürdigkeit und Beklemmung, ist aber eben wegen dieser auch zeitweise schwankend in seiner Spannungskurve.

Skin im Heimkino

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