Filmszene aus Schachnovelle

Schachnovelle

Regie: Philipp Stölzl
Drehbuch:
Schauspieler: Oliver Masucci, Birgit Minichmayr, Albrecht Schuch, Andreas Lust

Kinostart D: (FSK 12)
Originaltitel: Schachnovelle
Laufzeit: 1:40 Stunden
Filmposter: Schachnovelle

Filmkritik zu Schachnovelle

Benutzerbild von Phil
4/ 5 von

Ich bin ein großer Fan der Buchvorlage und war sehr gespannt auf die Verfilmung: Die Darstellung, ohne Eindrücke de Außenwelt psychisch zugrunde zu gehen; der Wahn in der Gefangenschaft und später auch auf dem Schiff; die Repressalien der Nazis, die man dem Körper nicht durch Wunden und Narben ansehen kann: Die Schilderungen sind erschreckend und packend zugleich.

Oliver Masucci spielt den Dr. B. überragend: Mit seiner leichten Arroganz merkt man äußerst schnell, dass diese Person voller Bildung steckt, ja gar nach Bildung und kultivierter Zerstreuung suchtet. Seine Wortgewandtheit macht gerade am Anfang die ersten Verhöre der Nazis besonders brisant und für den Zuschauer schon fast unterhaltsam: Mehrfach lässt Dr. B. die Nazis kommunikativ auflaufen.

Basierend auf der treffenden Charaktereinführung erlebt der Zuschauer den Wahn mit, ohne dass dieser inszenatorisch zu sehr durch visuelle oder akustische Kunstgriffe verzerrt wird. Diese nüchterne Darstellung tut dem Film äußerst gut.
Zugleich schafft es der Film, die Ebenen Realität und Wahnsinn gut zu verweben und auch den Zuschauer lange Zeit im Unklaren zu lassen, was tatsächlich um Dr. B. herum passiert und was nur in einem Kopf existiert. Somit erreicht der Film exakt das, was er als visuelles Medium ausspielen kann: Eine Verwirrung des Zuschauers durch Verwebung verschiedener Realitätsebenen ohne Kennzeichnung, wann und dass diese vermischt werden.

Ganz selten erscheint das Schauspiel von Oliver Masucci nah am Overacting, wenn seine Expertise im Theaterschauspiel mit der Nahaufnahme einer Kamera kollidiert. Glücklicherweise sind solche Szenen die Ausnahme und so ist Masucci eine hervorragende Besetzung, die es schafft, sowohl die Bildung und Gesellschaftsschicht als auch zugleich die menschliche Zermürbung darzustellen.

Ein empfehlenswerter Film, dem man seinen Programmkino-Stil durchaus anmerkt, wodurch er aber gerade erst seine emotionale Durchschlagskraft erhält.

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