Filmszene aus I Am Mother

I Am Mother

Regie: Grant Sputore, Mojgan Khadem, Sophie Calver, Shannon Crotty, Travis Kalendra
Drehbuch:
Schauspieler: Clara Rugaard, Hilary Swank, Rose Byrne, Luke Hawker

Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (FSK PG-13)
Originaltitel: I Am Mother
Laufzeit: 1:54 Stunden
Filmposter: I Am Mother

Filmkritik zu I Am Mother

Benutzerbild von Phil
4/ 5 von

Der Roboter, der lediglich Mutter genannt wird, sieht überaus technisch und wenig emotional aus, auch die gesamte Umgebung des geschlossenen Bunkers erscheint äußerst futuristisch. Dies stellt einen erheblichen Kontrast dar zu der ausgesprochen emotionalen Seite von Mutter, die mit pädagogischer Strenge, aber auch erheblicher Liebe ein Kind mit moralischen und ethischen Werten aufzieht. Nur zwei Leuchten am Kopf scheinen Mundwinkel darzustellen, sodass man Mutter eine Art Lächeln und so sichtbare Emotion zuschreiben kann.

Nicht nur dieses Setting, sondern auch das teilweise unbemerkte Zittern dieser Mundwinkel verunsichert den Zuschauer stets: Trotz jederzeit liebevoller Reaktionen baut sich kein wahrliches Vertrauen in diese Maschine auf.
Besonders verunsichert werden der Zuschauer und auch Tochter, als eine Frau aus dem angeblich kontaminierten Außenbereich in die Anlage kommt und Tochter überzeugen möchte, dass Roboter ähnlich wie Mutter verbleibende Menschen suchen und töten.

Der Zuschauer befindet sich durchgehend in einer absoluten Unsicherheit, was den Film so spannend macht. Das ruhige Kammerspiel in dem minimalistisch eingerichteten Bunker funktioniert so gut, weil es keinen ausgeprägten Antagonisten gibt: Mutter bleibt stets rational und freundlich, aber manches Verhalten erscheint unter einem anderen Blickwinkel fragwürdig. Ähnliches gilt auch für die augenscheinlich Gerettete, die eine erhebliche Panik vor Mutter an den Tag legt, sich aber ebenfalls in mögliche Widersprüche verstrickt.
Trotz der Unsicherheit und Widersprüche strahlt der Film dank Mutter nahezu immer eine Wärme aus, die mit der emotionalen Kälte der Umgebung zu kollidieren scheint.

Einen kurzen Moment des Bruchs erlebt der Film, wenn er die Enge und zwischenzeitlich nicht mehr ganz vertrauenswürdige Umgebung des Bunkers verlässt. Es fühlt sich nicht richtig an, zu erfahren, ob es eine Außenwelt gibt und in welchem Zustand sie ist. Erst im Nachhinein versteht man die Notwendigkeit dieser Szenen, dennoch hätte der Übergang runder gestaltet werden.
Die Auflösung des Films ist nicht mit einem klassischen Twist belegt, aber offenbart eine Sichtweise, die Moral und Ethik in einer Welt mit höchster künstlicher Intelligenz zu einem zentralen Diskussionspunkt werden lässt. Die Kategorien “gut” und “böse” verschwimmen und müssen in einem größeren Kontext diskutiert werden.

Das gut abgestimmte Drehbuch und die moderne Art der Inszenierung machen diesen Film zu einem Tipp, dem man wünscht, bald auch im gleichen Atemzug mit klugen SciFi-Filmen wie Ex Machina genannt zu werden.

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