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Filmkritik zu Holy Spirit

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3/ 5 von

Lokalen, unabhängigen Produktionen stehen aus naheliegenden Gründen nicht die selben Budgets zur Verfügung wie großen Blockbustern. Aber sie haben einen charmanten Vorteil: Da sie nicht dem selben Korsett der Branche unterliegen, können sie sich auch etwas trauen und durch eine kreative Storyline überzeugen.
Exakt dies tut dieser Film.

Allein die Grundvoraussetzung, dass im tiefsten, religiösen Bayern ein Whiskey unter dem Namen Holy Spirit vertrieben werden soll, ist schon absurd genug. Trinkt dann Jesus, frisch gekruzigt, für die Werbung ein Glas des Whiskey, so zeigt sich schnell, welche Grenzen der Film zu überschreiten versucht. Passenderweise klappt dies sogar zu weiten Teilen gut und der Film persifliert erfrischend die Religion der Bayern. Sicherlich werden sich gläubige Anhänger an so mancher Szene stoßen: Schaut man den Film mit einer ausreichenden Entspannung, so kann man auch als regelmäßiger Kirchengänger über den Film schmunzeln: Denn er ist der Religion gegenüber nie respektlos, was einen gelungenen Ritt auf der Klinge darstellt.
Neben den satirischen Elementen, die sich auch auf die Film- und Werbebranche erstrecken, erhält der Film mit der Laufzeit zunehmend Thriller-Elemente: Es kommt zu einem Mord und die Suche nach dem Täter stellt sich schwerer dar, als es anfangs scheint. Diesen Genreschwenk galant hinzubekommen und am Ende gar Spannung hervorzurufen, das ist eine kleine Kunst, die man dem Drehbuch dieses Films neidlos zugestehen muss.

Nicht jede Pointe zündet, nicht jedes Schauspiel passt, nicht jeder Schnitt ist rund oder strahlt die Ästhetik aus, die die Macher vermutlich erreichen wollten. Aber in der Summe hebt sich Holy Spirit doch positiv aus der Indie-Filmwelt hervor: Das Drehbuch holt eine Menge heraus und schafft es nicht nur, die vorverurteilte Gottesanhänglichkeit der Bayern sympathisch zu parodieren, sondern auch noch einen soliden Krimi zu inszenieren.

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