Bild: reynermedia (CC BY 2.0)

Nerdtalk Extended: Geschäftsführer eines Multiplex-Kinos

Wir alle lieben Filme und lieben das Kino. Doch was läuft hinter den Kulissen eines Kinos ab? Stefan ist Geschäftsführer eines Multiplex-Kinos und ich habe ihn mal zu seiner Arbeit und seiner Sichtweise auf die Filme befragt. Musik: http://www.bensound.com





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7 Gedanken zu “Nerdtalk Extended: Geschäftsführer eines Multiplex-Kinos”

  1. Sehr interessantes Interview, dass leider auch genau zeigt, was mir als Filmfan bei einem Multiplex fehlt. Ich gehe deutlich mehr als 1,6 mal pro Jahr ins Kino. Zu meinen besten Zeiten, war ich mindestens einmal die Woche im Kino, jetzt ist es ein bis zweimal pro Monat.

    Dort wo ich wohne gibt es zwei Kinos; Ein Multiplex und ein kleines Kino mit drei Sälen. Mein Problem am Multiplex ist genau das, was Stefan gesagt hat. Man merkt, dass Film nur ein Teil des Ganzen ist und nicht mehr im Mittelpunkt steht. Der Film ist nur ein Grund, um lange Werbung zu zeigen und Snacks zu verkaufen. Bei der Werbung stört mich, neben der Länge (30- 40 Minuten), dass Fernsehwerbung gezeigt wird. Das macht das Kinoerlebnis noch kleiner. Man soll schnell in den Saal abgeschoben werden und möglichst viel vorher kaufen. Dabei gibt es noch eine sterile Atmosphäre, die zwar Stylish durchdacht ist, wie ein Starbucks, aber keine Liebe zum Film aufweist. Es gibt keine Aufsteller, keine alten Plakate usw. Das einzige was an Film erinnert ist überteuertes Merchandise. Es ist halt eine Franchisekette, die möglichst viel Gewinn abwerfen und dabei wohl auch noch wachsen muss.

    Die Loge in meinen Cineplex beginnt ab der vierten Reihe, was einen Aufschlag von 1,5 Euro heißt. Man kann Böse sagen, wer etwas sehen will sitzt in der Loge, sonst gibts Nackenschmerzen. Ansonsten gibt es in der Loge keinen anderen Mehrwert, wie z. B. bequemere Stühle, mehr Platz usw.. Das finde ich unverschämt. Wenn Die Loge weiter oben anfangen würde, dann fände ich den Preis allerdings Fair.

    Beim kleineren Kino steht der Film bzw. das Filmerlebnis im Mittelpunkt (z. B. durch Deko oder Schnack mit einem Mitarbeiter nach dem Film). Da fühle ich mich als Filmfan eher verstanden. Der Chef will auch Gewinn machen, aber es wirkt nicht so perfekt Gewinnoptimiert bzw. es wird zur Gewinnoptimierung das Wohlfühlen des Gastes als Idee genutzt. Es gibt auch freie Platzwahl und ich muss nicht mehr zahlen, wenn ich höher Sitze. Zudem ist die Werbung deutlich kürzer (10- 15 Minuten und hat kaum Fernsehwerbespots)

    Der Preisunterschied bei beiden Kinos ist deutlich spürbar und ich verstehe, dass ein Multiplex andere Preise nehmen muss. Das ist für mich als einzelne Person kein Grund fürs kleinere Kino. Bei beiden Kinos unterstütze ich die Gastro, nicht weil ich was essen oder trinken möchte, sondern um Umsatz zu generieren, weil ich weiß, dass Kino nicht vom Filmbetrieb allein leben kann. Im kleineren Kino gibt es in meinen Augen allerdings sinnvollere Portionen (z. B. kleine Cola 0,3 statt 0,5 Liter).

    Wenn ich ins Multiplex gehe, dann nur wenn das kleine Kino den Film nicht zeigt oder wenn eine O-ton Vorstellung angeboten wird, nicht aufgrund des Preises, sondern weil mir das kleinere Kino das bessere Filmerlebnis bietet.

  2. Es war eine echt interessante Sendung. Bei einer Sache muss ich aber widersprechen. Es gibt durchaus Menschen, die nur für das Popcorn ins Kino gehen. Wobei so ganz stimmt es nicht. Ich kaufe für einen tollen Filmabend nur einen großen Eimer Popcorn im Kino und gehe dann wieder 😀

  3. @2ndkauboy:
    Na, da würde ich ja eher auf Mikrowellen-Popcorn setzen. Das ist immerhin noch schön warm wenn der Filmabend zuhause dann starten soll.

  4. @Sultan-of-Swing
    Danke für dein Feedback!

    Ich hoffe, dass der Eindruck “Film nur Teil des Ganzen” von mir nicht explizit irgendwo beschrieben wurde?! Wenn dem so ist, sollte es nicht der Mittelpunkt sein. Es dreht sich alles um die Filme und deren Vorführung, das kann ich dir versichern.

    An irgendeiner Stelle beschreibe ich ein fiktives, von mir selbstständig geführtes Kino ja auch genau so: Filmmemorabilia als Deko, liebevoll gestaltet. Eine Kino-Kette hat nun inherent das “Problem”, dass viel Einheitlichkeit da sein muss, um diese als Ganzes noch steuerbar zu halten. Das ist, denke ich, das größte Problem. Als Kette legt man sich auf einen Stil fest; sei es “Starbucks-like” oder “90s-kitschig” (und alles dazwischen), und zieht das dann halt durch.

    Den Faktor haben Indie-Kinos nicht.
    Wir Ketten registrieren sehr wohl, dass die Arthouse/Independent Kinos als einzige Marktanteile gewinnen – das Konzept lässt sich nur nicht so einfach übertragen (wenn überhaupt).

    Man darf nie vergessen, dass eine sehr hohe Zahl von solch kleinen Kinos – je nach Stadt – finanziell aus einem der Kulturfördertöpfe finanziell unterstützt werden. So ist es natürlich leichter, ohne Zwänge, ein gewisses Image & Events aufzubauen.

    Auch glaube ich, dass in Städten mit beiden Arten (Indie & Multiplex) von Kinos, diese gegenseitig eine Symbiose eingehen. Das Indiekino an sich könnte niemals den Besucherandrang/Nachfrage nach bestimmten Filmen bedienen; weshalb es eine gute Sache ist, wenn ein Multiplex kleinere Säle auch für kleinere Produktionen “freiräumt”.

    Am Ende denke ich, Städten würde etwas fehlen, gäbe es keine Kinos – und ich hoffe, der Podcast konnte ein wenig aufzeigen, dass sich in dem Bereich auch einiges tun wird!

    PS. und glaub mir, wenn mich ein Gast ansprechen würde auf Filmgeschmack oder Filmtalk hin, ich würde liebend gerne einsteigen! Das ist einzig und allein der Taktung des Arbeitsalltags in einem Multiplex geschuldet – wenn 9-12 Säle zu betreuen sind, ist es was anderes als 1 bis 3 — ganz klar, dass hier (wie früher in Videotheken) auch mal der “Schnack” möglich ist.

  5. bzgl. Popcorn – das stimmt. 1-2x pro Woche haben wir Gäste, die “nur” Popcorn kaufen wollen
    @Andy: wenn das Popcorn nicht warm ist, liegt das aber an den Prozessen im Kino (nicht genug gewärmt vorgehalten, zu spät nachgefüllt usw.) – worauf wir Theaterleiter ja achten sollen. Das “kaltes” Popcorn ausgegeben wird sollte die absolute Ausnahme bleiben; und ich bitte dich, dass nicht allen Kinos anzulasten und schon gar nicht Mikrowellenpopcorn drüber zu stellen

  6. @Stefan: Du erwähntest, dass ihr auch Gastro und “Hotelgewerbe” oder so ähnlich seit.
    Ich fand das eine gute Beschreibung, für das Multiplex hier bei mir vor Ort und meine Erfahrung mit dem Kino.

    Ich kenne ansonsten kein Multiplex und kann und will es natürlich nicht auf andere Multiplexkinos übertragen. Es kam aus deiner Beschreibung auf keinen Fall so rüber, als ob es bei deinem Kino zutrifft. Man merkte aus deinem Interview, dass du dir wünschst, dass Film einen höheren Stellenwert in Deutschland hätte, was ja belegt, wie wichtig dir das ist.

    Die Organisation scheint auch bei euch besser zu sein. bei unserem Multiplex sind immer lange Wartezeiten, auch wenn nur ein paar Leute vor mir sind, weil Karten und Snacks an nur einem einzigen Counter verkauft werden. Selbst wenn ich die Karten Online kaufe und keinen Snack kaufen möchte, muss ich teilweise anstehen, weil ich die Karten an der Kasse scannen lassen muss.

    Ich denke ein Multiplex in größeren Städten ist eine andere Erfahrung. Ich war mal in Prag in einem, das sind allein ganz andere Leinwand und Sounddimensionen, die ein kleines Kino nicht leisten kann.

    Wenn es dich beruhigt, du hast die Parameter die ein Multiplex beachten muss, damit es weiter bestehen kann (Und Kino muss bestehen bleiben) gut beschrieben und mir damit ein Multiplex im allgemeinen symphatischer gemacht ;-).

  7. @Stefan:
    Was das Popcorn angeht, haben wir uns wohl missverstanden. Der @2ndKaboy hatte geschrieben “Ich kaufe für einen tollen Filmabend nur einen großen Eimer Popcorn im Kino und gehe dann wieder”. Mein Gedanke dabei war, dass er sich für den Filmabend zuhause das Popcorn vorab im Kino kauft. Und das ist dann (nach der Fahrt nach Hause) vermutlich kalt. Das sollte kein Vorwurf sein, dass Popcorn im Kino oftmals kalt “serviert” wird. Die Erfahrung habe ich noch nicht gemacht. Warm ist das eigentlich immer. 😉

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