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Nerdtalk Spezial: Pornofilme und das deutsche Recht

Nerdtalk Spezial: Pornofilme und das deutsche Recht

Pornos kennen wir alle – keiner schaut sie, aber jeder kennt jemanden, der Pornos schaut. Pornos sind an sich schon ein spannendes Thema.

Doch wie stehen die Pornos eigentlich rechtlich? Was ist laut Jugendmedienschutzgesetz nicht für Minderjährige und was doch? Warum ist Kinderpornografie nicht gleich Kinderpornografie? Wie sehr hängen Rechtssprechung im Bereich Pornos/Jugendmedienschutzgesetz und Gesellschaftsnormen zusammen?

Wir haben einen langjährigen Jura-Studenten interviewt, der nun seine Doktorarbeit über dieses brisante Thema schreibt – interessante Einblicke in eine Porno-Gesellschaft und die Rechtssprechung dazu.



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7 Gedanken zu „Nerdtalk Spezial: Pornofilme und das deutsche Recht“

  1. Eine sehr spannende Folge! Vielen Dank für diese Einblicke!

    Ich bin mal gespannt, wie sich die moralische Bewertung von Freizügigkeit in den nächsten Jahrzehnten noch verändern wird. Im Augenblick habe ich eher das Gefühl, dass weniger Toleranz dafür aufgebracht wird. Mit Hinblick auf Pornographie finde ich das besonders albern, denn offenbar guckt sich die doch jeder an. Pornhub hat dazu übrigens vor ein paar Wochen sehr interessante Statistiken veröffentlicht: http://www.pornhub.com/insights/pornhub-germany/ (SFW)

    Bei eurem Gespräch über Kinderpornographie habe ich mir einige Gedanken gemacht. Vor allem dieser Grenzfall mit den Abbildungen nackter Kinder hat mich beschäftigt. Wenn Kinder manipuliert werden, damit sie bestimmte Positionen einnehmen, ist das natürlich nichts, worüber man diskutieren müsste. Anders sieht es in meinen Augen aber auch moralisch dann aus, wenn jemand sich auf ganz normale Urlaubsfotos einen runter holt. Versteht mich nicht falsch: Das finde ich creepy, aber einerseits kann es ja auch eine Ersatzhandlung sein, mit der sich Pädophile selbst von realen Kindern fernhalten und andererseits ist es, wie im Gespräch angedeutet nicht sinnvoll eigene Moralvorstellungen einfach in Gesetze zu gießen. Was da für Murks bei rumkommt, sehen wir ja bei dem Kampf den Homosexuelle in unserer Gesellschaft immer noch austragen müssen, ohne dass es dafür objektive Gründe gäbe. Was passiert eigentlich, wenn irgendwelche empörten Bürger plötzlich ganz normalen, professionellen Fotografen ans Bein pinkeln wollen und man auf deren Rechnern die von Eltern in Auftrag gegebenen, niedlichen Fotos von nackigen Säuglingen auf Kunstfell findet? Wandert der Fotograf dann in den Knast, wenn die entsprechenden Gesetze auf solche Fotos ausgeweitet werden?

    Ich finde das alles nicht so einfach und sehe an der Stelle die Gefahr, dass man Gesetze verschärft, wodurch Menschen ohne böse Absicht mit der Justiz in Konflikt geraten könnten. Dazu kommt, dass wir hier vermutlich viel Panikmache aufsitzen und die Anzahl der Fälle weitaus kleiner ist, als es durch den Tumult in den Medien immer den Anschein macht. Gleichzeitig weiss man sehr genau, dass die meisten Übergriffe auf Kinder im von Konservativen ach so hoch gehaltenen Elternhaus stattfinden. Jeder Fall ist einer zu viel, aber man sollte sich die Faktenlage doch schon sehr genau ansehen, bevor man irgendwelche Übersprungshandlungen wegen ein paar Medienberichten durchzieht.

  2. Eine gelungene und informativ Sendung – Sehr cool!
    Da ich noch nicht allzu lange Hörer des Podcast bin: Habt ihr “Mann beißt Hund” bereits in einer Sendung besprochen?
    Das fände ich gerade mal interessant

    Besten Gruß,
    David

  3. Phil hat durchaus Stärken wenn es um Interviews geht, ihr solltet echt öfters solche Extras haben. Aber auch ein grosses Lob an den Porno-Juristen ( 😀 ), denn er hat echt eine sehr gute (fast schon intellektuelle) Wortwahl gehabt, aber seine Aussagen gingen nie ins trockene über. Sehr schöner Gesprächspartner.

    Übrigens kann ich von dem öfters genannten “Film” 9 Songs nur abraten. Unerträglicher Scheiss, was jemals als Film durchgehen wollte. Genau wegen solchem Mist gilt der Begriff Kunstfilm manchmal schon als Schimpfwort. Eine Qual alle 9 Lieder durchzustehen, und nicht mal die Sexszenen haben einen entschädigt (Die Frau ist hässlich, so ich habs gesagt)

    Hätte mir übrigens eventuell einen grösseren Exkurs in die Abteilung Gewaltdarstellung gewünscht, das Thema ist genau so interessant wie XXX.

  4. @David:
    Über “Mann beißt Hund” haben wir noch nicht gesprochen. Ich habe ihn vor zig Jahren mal per Reinzappen teilweise gesehen und für sehr interessant befunden. Leider hat sich danach dann nie die Gelegenheit ergeben ihn in voller Länge zu sehen. Aber auch so kann ich da sicherlich eine Seh-Empfehlung geben.

    @Pupser:
    Ja, das Thema Gewaltdarstellung in den Medien ist sicherlich ein weites Feld, mit dem man alleine mehrere Podasts füllen könnte. Da sich “unser Porno-Jurist” aber eben auf den Bereich Pornografie spezialisiert hat, finde ich es verschmerzbar, dass dafür eben dieser Bereich den meisten Platz bekommen hat.

  5. @Teo: Da ist tatsächlich großes Fingerspitzengefühl gefragt, und nicht jeder Vorstoß des Gesetzgebers ist sinnvoll – selbst wenn er die Moral auf seiner Seite wissen sollte. Problematisch ist dabei auch, dass häufig anlässlich einer einzelnen und sehr beschränkten Regelungslücke gleich die Gelegenheit genutzt wird, um in deren Fahrwasser eine Reihe anderer Punkte mitzuregeln. Wie der aktuelle Referentenentwurf zeigt, kann diese Schrotflintenmethode leider auch mal mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Hier ist ein lesenswerter Kommentar dazu, der auch für juristische Laien absolut nachvollziehbar sein dürfte:
    http://www.theeuropean.de/heinrich-schmitz/8384-maas-und-der-kampf-gegen-kinderpornographie

    @David und @Andi: “Mann beißt Hund” ist auf jeden Fall eine Besprechung wert. Wirklich krass und stilistisch ein echtes Unikat. Ich muss dir ja noch Boardwalk Empire zurückgeben, Andi, dann leihe ich dir den gerne auf Blu-ray, wenn du magst.

    @Pupser: Vielen Dank, über das Lob freue ich mich natürlich! “9 Songs” habe ich nie ganz gesehen. Bei dem Filmkolloquium damals haben wir nur die einschlägigen Sex-Szenen gesehen. Dieser lose Zusammenhang des Ganzen ohne vernünftige Story kann halt ganz schön anöden. Insofern ist es halt “blöd”, dass er als Porno dann eben auch wieder nicht funktioniert, so dass er vielleicht weder Fisch noch Fleisch ist. Andererseits ist gerade das aus rechtlicher Perspektive ganz spannend, weil man nicht nur Hardcore-Szenen hat (also auf der Bildebene das Spektrum recht weit ausgereizt wird), sondern auch noch einen total banalen Handlungsbogen, der das Ganze zusammenhält. Auch das wird nämlich als Kriterium für Pornografie im Rechtssinne herangezogen – also die Frage, ob die sexuellen Handlungen “losgelöst von sonstigen menschlichen Bezügen” dargestellt werden. Eine “nur vorgeschobene” Rahmenhandlungen reicht da dann zum Beispiel eben nicht. Daran sind vor einigen Jahren dann auch häufig die Filme zur Nachtzeit auf RTL2 gescheitert. (Zum Beispiel: Eine Frau übernachtet auf einem Schloss und geht von Raum zu Raum, wo ihr sexueller Horizont jeweils erweitert wird…) “9 Songs” verfährt da ja kaum anders. Also auch unabhängig davon, ob er nun interessant zum Anschauen ist oder nicht, rechtlich ein spannender Sonderfall.

    Was die Gewaltdarstellungen angeht, ist das einfach ein ganz anderes Feld. In rechtlicher Hinsicht gibt es da schon eine “Klammer”, die Sex und Gewalt als Jugendschutzthemen zusammenhält. Aber interessanterweise sind die Fragen, die abseits der rein juristischen Aspekte gestellt werden, ganz andere als im Pornografiebereich. Sollte es dazu kommen, würde ich auch gerne nochmal mitdiskutieren. 😉 An dieser Stelle auch von meiner Seite nochmal ein großes Lob an Phil. Er hat wirklich Talent für Interviews, und mir hat das unheimlich viel Spaß gemacht!

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