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Merida – Legende der Highlands

Merida – Legende der Highlands

Quick Facts

Kinostart:

Regie: Mark Andrews
Drehbuch:
Darsteller: Billy Connolly, Emma Thompson, Kelly Macdonald

Laufzeit: 1:40 Stunden

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Kurzinhalt

Merida ist die Tochter des schottischen Königs. Das bedeutet, die Herrschaft über das ehemals tief zerrüttete Land und die Clans liegt irgendwann in ihrer Hand. Deshalb muss sie unter den drei Söhnen der anderen Clan-Führer ihren zukünftigen Bräutigam wählen. Doch Merida möchte viel lieber frei und ungezwungen leben, ausreiten, mit ihrem Bogen schießen und sich nicht in einer Ehe und unter Verantwortung für die Zukunft des ganzen Landes binden. Ihre Mutter ist dabei besonders um die Erziehung zu einer wahren Prinzessin bedacht.


Erwähnt in

  • Merida – Legende der Highlands: DVD-Kritik
  • “PIXAR – 25 Years of Animation” oder: Ein Tag in Bonn
  • Nerdtalk Sendung 268
  • Nerdtalk Sendung 266

  • Lars bewertet diesen Film mit 8/10

    Wieder einmal verfolgt Pixar sein bewährtes Prinzip: ein Thema und Setting wählen, welches bei den meisten Menschen eher Skepsis und Kopfschütteln statt Begeisterung und Vorfreude weckt.
    So auch Merida: Schottland, unzufriedene Prinzessin, … ? Ernsthaft?
    Doch wie zuvor bei Filmen mit zunächst sonderbar anmutenden Ideen (verliebte Roboter, beruflich erschreckende Schrankmonster und Co.) erschafft Pixar ein liebenswertes, faszinierendes Werk.

    Es beginnt bei Allgemeinem wie der Atmosphäre des Films. Schottland wurde nicht einfach nur mehr oder weniger gut abgebildet. Durch die bei Pixar üblichen, monatelangen Recherchen und Vorbereitungen (u.a. ein Trip des Teams durch das Land) entsteht ein von vorne bis hinten perfektes Setting. Selbst kleine Details, wie die nur in zwei oder drei Szenen kurz zu sehenden Hundes des Königs, sind nicht willkürlich. Es sind schottische Windhunde.

    Detail-Liebe ist bei Pixar eigentlich nichts Neues. Doch in diesem Maße war wohl kaum ein Pixar-Film in jeder Szene bis in die letzte Kleinigkeit so liebevoll mit unzähligen Details versehen.
    Eine Mutter im Bauernvolk, die bei einer kleinen Obszönität ihren Kindern die Augen zuhält, ein Schaf, welches im Verlauf einer Schlägerei im Hintergrund als Wurfwaffe eingesetzt wird und vieles mehr – die Liste ließe sich lange fortsetzen und würde zur vollen Erschöpfung definitiv ein mehrfaches Schauen des Films erfordern.

    Den Effekt all dessen spürt man deutlich: Die Welt im Film ist echt. Sie ist eine magisch angehauchte Idee von Schottland irgendwann in der Vergangenheit. Doch sie bleibt dabei authentisch, glaubwürdig, fesselnd.

    Dies wird vor allem durch die Charaktere erreicht. Selten hat ein Animationsfilm in dieser Hinsicht so überzeugen können wir Merida. Kein Charakter wirkt auch nur ansatzweise künstlich, oder der Story wegen konstruiert. Merida selbst könnte jedes beliebige Teenie-Mädchen mit Identitäts-Problemen sein, die Eltern könnten eben dieser beliebigen Familie entstammen, die es so auch in der Realität gibt. Natürlich im Film überzeichnet dargestellt, aber dennoch verwischt dank den immer weiter fortschreitenden technischen Möglichkeiten in der Mimik der Charaktere langsam die Grenze zwischen Animation und Fotorealismus.

    Und dies ist ein weiterer Punkt, in dem Merida neue Maßstäbe setzen kann: Die Optik ist atemberaubend. Die Welt ist schlichtweg wunderschön, die Modelle faszinierend detailliert. Technisch ist Merida definitiv mehr als nur up-to-date.

    Doch genug des Lobes, zum Schluss ein kleiner Kritikpunkt, der den Gesamteindruck jedoch nur wenig trüben kann: Die Entwicklung der Story ist bis zu einem gewissen Punkt wundervoll gelungen, nimmt jedoch im letzten Drittel einen Hauch zu viel Pathos an. Für den erwachsenen Zuschauer ist zudem der dann etwas übertrieben einsetzende Symbolismus etwas zu viel – für jüngere Zuschauer aber wahrscheinlich gut, um die Handlung und ihre Bedeutung nachvollziehen zu können.

    Insgesamt sei Merida nur wärmstens empfohlen. Es ist kein Mädchen-Film, es gibt keine Liebesgeschichte, es ist ganz einfach ein in höchstem Maße unterhaltsames, modernes Märchen made by Pixar und rangiert unter ihren Filmen nur ganz knapp hinter den großen Meisterwerken wie Wall-E oder Toy Story 3.

    *Anhang*
    Ein kurzes Wort sei noch über den üblichen Kurzfilm vor Beginn des Hauptfilms verloren. Es handelt sich dieses Mal um La Luna und markiert auch in der Hinsicht eine Pixar-Höchstleistung. Zwei Männer führen einen Jungen in ihren Job ein: Nachts den Mond fegen. Der bisher niedlichste Kurzfilm. Wunderschön. Hat mich sprachlos hinterlassen.

    6/10

    Wer sich nur die Trailer oder die spoilerfreien Inhaltsangaben durchliest, der wird sich am Kopf kratzen: Der Plot klingt irgendwie ziemlich langweilig und wenig mitreissend. Wer sich dennoch auf den Film einlässt, der wird merken, dass alle Werbung quasi einen auf den Holzweg geleitet haben: Nicht der gesamte Film wird beworben, es sind nur die ersten 20 Minuten. Alles danach überrascht und weiß zugleich zu packen. Ein mutiger Schritt seitens Pixar, dass man das Hauptthema des Films ausblendet.
    Was aber schon in den ersten Minuten feststeht, ist die unglaubliche Farbvielfalt, die man so von Pixar kennt: Alles ist in perfekten Farben eingefangen, detailreiche Umgebungen und mindestens genau so viele Details an Personen oder Aktionen im Hintergrund. Aber als ganz besonderes Highlight muss man einfach die Haare von Merida herausstellen: Lange, rote, gelockte Haare sind sowieso schon schwer zu zähmen und führen offensichtlich ihr eigenes Leben. Aber Pixar schafft es tatsächlich diese Haare perfekt zu animieren: Jedes einzelne Haar wiegt sich passend im Wind, gibt Meridas Kopfbewegungen nach. Echt eine animatorische Meisterleistung.

    Aber man merkt in dieser Pixar-Produktion sehr stark den Einfluss von Disney. Die Geschichte ist trotz der Wendungen am Anfang irgendwie relativ weichgewaschen, in dem Stil schon häufig gesehen. Es geht um einen Heldin, die ein Abenteuer erlebt, der Kampf zwischen gut und böse, ein bisschen Zauber hier und ein bisschen Mystery da. Aber bloß nicht zu ernst! Auch verliert der Film seinen Stil, indem typische Disney-mäßige Slapstick-Komponenten eingebaut wurden: Auch die kleinen Kinder wollen unterhalten werden.
    Dass zuletzt “Merida” noch eine extreme Anlehnung an einen bereits existenten Disney-Film hat, macht die Sache nicht besser – eher im Gegenteil.

    Unterm Strich bleibt ein schöner Animationsfilm, der mehr Disney als Pixar ist, und deswegen leider an Qualität einbüßt: Zu sehr auf Kind gestriegelt, verliert der Film den Erwachsenen aus dem Blick. Waren da in Zeiten von Wall-E, Ratatouille oder auch Toy Story sehr viele Elemente, wo auch der Erwachsene ins Nachdenken oder Mitfiebern kam, so bleibt “Merida” zwar eine tolle Animationstechnik und ein disney-typischer Storyverlauf, doch die Tiefe einer echten Pixar-Produktion.

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    Ein Kommentar

    1. kinoclubberlin sagt:

      Ich fand den Film schwach- Pixar verliert immer mehr seine Zielgruppe aus den Augen: Kinder. Der Film war düster und die Figuren nicht sonderlich symphatisch. Ich hab mich nicht gut unterhalten gefühlt und mein Kind hat sich gegruselt. Es ist kein ganz schlechter Film aber aufjedenfall kein guter Kinderfilm.

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