Filmszene aus Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Regie: J.J. Abrams, Nicoletta Mani, Lizzie Pritchard, Dawn Gilliam, Tommy Gormley, Martina Vazzoler, Matthew Sharp, Tarik Afifi, Stewart Hamilton, Tamir Naber, Tomas Battersby, Ashley McMorrow
Drehbuch:
Schauspieler: Carrie Fisher, Mark Hamill, Daisy Ridley, Adam Driver

Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (FSK PG-13)
Originaltitel: Star Wars: The Rise of Skywalker
Laufzeit:2:22 Stunden
Filmposter: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Filmkritik zu Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Benutzerbild von Phil
4/ 5 von

Disruptiv. So lassen sich die vorhergehenden zwei Episoden charakterisieren: Nicht nur wurden komplett neue Charaktere eingeführt und mussten mit Leben gefüllt werden. Auch hat man sich von lieb gewonnenen Charakteren getrennt und so alte Zöpfe abgeschnitten.
Der dritte Teil der dritten Trilogie oder, besser ausgedrückt, die neunte Episode der Skywalker-Saga hat die schwere Aufgabe, das Geflecht von Figuren und Plots zusammenzuführen und zu einem gütigen Ende zu führen.

Bereits im Lauftext der neunten Episode gibt es die erste Überraschung, die weder Kinozuschauer noch der Widerstand erwartet hätten. Im weiteren Verlauf zeigt sich, dass die Verflechtungen von guter und dunkler Seite der Macht enger als erwartet sind, was dem Film besonders gut tut. Somit schließt man an die Vorgänger an, die bereits zeigten, dass auch die Star Wars-Welt komplexer ist als das vorher bekannte Stereotyp. Der neunte Teil ist düsterer als alle Teile zuvor: Dunkle Blautöne und harte Schwarz-Weiß-Kontraste dominieren den gesamten Film.
Diese Grundvoraussetzungen sorgen für eine stete Anspannung, die sich glücklicherweise auch erst recht spät auflöst.

Wie schon in den Vorgängern scheut sich der Film nicht, bekannten Charakteren ein erschütterndes Schicksal zuzuschreiben. Jedoch fehlt es zu weiten Teilen am finalen Abschluss. Dieser Kniff wird in einer größeren Häufigkeit angewandt, dass man im Laufe des Films eine gewisse Skepsis und somit Distanz zum Film aufbaut; zeitweise sind die Wendungen derart konstruiert, dass es gar zu kurzen Lachern im Publikum kam. Dies tut dem Film nicht gut: Zwar ist die gesamte Reihe charakterisiert durch deus ex machina-Momente, aber in einer solchen Taktzahl verfehlen die Momente ihre Wirkung.
Konträr dazu ist die Entwicklung einiger Charaktere zu sehen: Manche Motive und Ziele bleiben äußerst lange nebulös, was den Teil auch isoliert betrachtet packend macht.

Generell versucht dieser Film, die neue Star Wars-Welt mit den Episoden 4-6 zu verbinden. Es gibt ein Wiedersehen mit vielen Charakteren, bekannten Gadgets, auch der zwischenzeitlich verwitterte Todesstern erhält einige Schlüsselmomente. Mit im Vergleich zu früher nahezu identischen Kameraeinstellungen werden Erinnerungen und Rückblicke inszeniert, ohne sie selbst zu zeigen. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass der Zuschauer lediglich die wichtigsten Eckpunkte der Vorgänger kennen muss, um die Magie des Moments zu spüren, ist dies ein wichtiger Aspekt. Kenner der Reihe werden natürlich viele weitere Referenzen identifizieren können.
Diese Nostalgie ist ambivalent zu betrachten: Zwar spannen solche Momente einen größeren Bogen auf und sorgen so dafür, dass die einzelnen Trilogien mehr als ein Gesamtwerk wahrgenommen werden. Zugleich ist der Film derart gespickt von Wiedersehen und Referenzen auf die “ursprüngliche” Trilogie, dass der Eindruck aufkommt, dass vieles nur zum Fanservice integriert wurde. Zwar funktioniert das tatsächlich gut, aber es verbleibt mit etwas Abstand ein leichter Nachgeschmack.
Lediglich die Gungans sind nicht mehr dabei. Und das ist auch gut so.

Inszenatorisch bleibt der Film seinen Vorgängern treu und übertreibt es nicht mit unübersichtlichen Gefechten. Stattdessen findet er wieder den richtigen Ton, wichtige Kämpfe zu zeigen: Da gibt es den fast epischen Kampf zwischen Rey und Kylo Ren auf den Trümmern des Todessterns, im tobenden Meer, umgeben von meterhohen Wellen (Szenen kennt man schon aus dem Trailer). Auch das Auflehnen des Widerstands gegen die Erste Ordnung zum Ende, frei nach dem Motto “Jetzt oder nie”, ist dank des bekannten, aber eben immer wieder wirkenden Score von John Williams ein erhabener Moment. Erwähnenswert ist zudem der Kampf Reys in einer Arena, besetzt mit Tausenden von Zuschauern – eine Szenerie, die die Erhabenheit der Serie gut zusammenführt.

Auch der neunte Teil bleibt dem bekannten Star Wars-Gefühl treu und tut damit genau das Richtige. Er ist ein hochwertiger Film, der einfach Spaß macht, zu sehen. Trotz allem muss der Film sich der Kritik stellen, in vielen Szenen nicht bis zum Ende konsequent zu sein. Das sorgt beim ersten Sehen für eine große Spannung, da unklar bleibt, ob und wie die Situationen aufgelöst werden.
Bei mehrfacher Sichtung rückt die makellose Inszenierung in den Vordergrund: Dunkel und düster wie nie zuvor auf der einen, großartig choreografierte und positionierte Kämpfe auf der anderen Seite. Auch das Wiedersehen mit alten Figuren und Elementen macht nachhaltig Spaß und trägt dazu bei, das Gefühl zu haben, dass die Reihe gut abgeschlossen wurde.
Auch, wenn dem letzten Teil etwas mehr Mut und Eigenständigkeit gut getan hätte.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers im Heimkino

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