Filmszene aus Sieben Minuten nach Mitternacht

Sieben Minuten nach Mitternacht

Regie: J. A. Bayona, Eugenio Mira, Glòria Blanes, Jesus Espin, Jan Zalar, Fernando Trullols, Anna Capdevila, Ruben Goldfarb, Marc Rial, Mónica Sánchez
Drehbuch:
Schauspieler: Lewis MacDougall, Sigourney Weaver, Felicity Jones, Toby Kebbell

Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (FSK PG-13)
Originaltitel: A Monster Calls
Laufzeit: 1:49 Stunden
Filmposter: Sieben Minuten nach Mitternacht

Filmkritik zu Sieben Minuten nach Mitternacht

Benutzerbild von Phil
5/ 5 von

Dieser Film ist der Horror. Nicht der Horror, der einen gruseln lässt, wie in einer Achterbahn: Angst des Spaß wegen.
Es ist dieser Typ von Horror, der so realistisch und grausam ist, dass Spaß keine Option ist. Der Verlust der eigenen Mutter ist schon hart genug. Doch es ist nicht richtig, als junger Schüler seine Mutter zu verlieren. Es ist nicht richtig, sie wegen einer unbezwingbaren Krankheit gehen zu lassen. Es ist nicht richtig, nichts tun zu können. Es ist nicht richtig, dem Unvermeidlichen so schmerzhaft konfrontiert zu sein.
Es ist alles nicht richtig. Aber es ist alles real. Es ist der reale Horror.

Kein Wunder, warum das Monster, eine lebende Eibe, im Film nicht minder beängstigend wirkt. Mit der Größe von drei Häusern, einam zerstörerischen Auftreten und brennend roten Augen scheint sie der große Antagonist zu sein. Die Szenen mit ihr sind die lautesten des Films. Doch in ihr steckt Wärme und Zuflucht. Sie schreit an, bringt Conor an die Grenze. Und fängt ihn auf, wenn er fällt.
Es gibt kein Richtig und Falsch, kein Gut und Böse.
Wie die Eibe, so ist nichts in diesem Film eindeutig positioniert und zeigt so in einem breiten Facettentum die emotionale Instabilität, die sich durch die Familie zieht. Denn nicht nur Conor kämpft mit seinen augenscheinlichen Dämonen. Die Bedrückung ist trotz aller Märchenhaftigkeit deutlich spürbar.

Die Inszenierung ist auf den Punkt, immer emotional. Der Score und die ruhige Kameraarbeit sorgen dafür, dass die Realszenen wie ein Traum, eine Trance erscheinen. Weit weg, surreal – das Innere von Connor in Bildern. Die vom Monster erzählten Geschichten entführen in andere Fantasiewelten, die sich mal mit Aquarell, mal mit Scherenschnitt-Elementen deutlich im Stil abheben. Ihr Inhalt ist stark metaphorisch, der Bezug bedarf gewisse Transferleistung.
Dass die gesamte Geschichte aufgeht, liegt am guten Schauspiel von Sigourney Weaver und Lewis MacDougall – sie als augenscheinlich harte und altmodische Großmutter, er als trauender Schüler, der vielleicht einen größeren Kampf als seine Mutter kämpft. Das Minikspiel beider funktioniert hervorragend, sodass Szenen auch wortlos bleiben können.

Es ist der reale Horror, den keiner durchleben will – und doch viele müssen.
Ihnen wurde ein schönes Erwachsenen-Märchen geschenkt, das keine Fragen lösen kann, aber doch so viel richtig macht.

Sieben Minuten nach Mitternacht im Heimkino

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