Filmszene aus Die Eiserne Lady

Die Eiserne Lady

Regie: Phyllida Lloyd, Sue Hills
Drehbuch:
Schauspieler*innen: Meryl Streep, Anthony Stewart Head, Harry Lloyd, Jim Broadbent

Kinostart D:
Kinostart US:
Originaltitel: The Iron Lady
Laufzeit: 1:45 Stunden
Filmposter: Die Eiserne Lady

Filmkritik zu Die Eiserne Lady

Benutzerbild von andreas
4/ 5 von

Margaret Thatcher gehört eindeutig zu den streitbaren Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte. Bisher habe ich mich nur sehr wenig mit ihrer Politik beschäftigt und kann keine großen Sachdiskussionen führen. Fest steht, dass sie ihre politischen Vorstellungen häufig auch gegen Volkes Willen durchgesetzt hat, was in den 80er Jahren teilweise zu bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen mit Toten und Verletzen geführt hat. Und dass sie maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass der Konflikt um die Falkland-Insel vor Südamerika in einen Krieg gipfelten.

Nur wenige Stunden nachdem Meryl Streep ihren inzwischen dritten Oscar für ihre herausragenden schauspielerischen Leistungen bekommen hat, hatte ich die Chance, den Film in seiner Originalversion zu sehen. Dank fehlender Synchro konnte ich so noch besser beurteilen, ob sie den Goldjungen denn auch zurecht bekommen hat. Und ich muss sagen: die Streep ist tatsächlich wohl die herausragendste Schauspielerin unserer Zeit.

Der Film erzählt seine Geschichte aus der Jetzt-Zeit, Thatcher ist inzwischen über 80 Jahre alt, leicht verwirrt und auch von den körperlichen Anzeichen des Alters gezeichnet. Meryl Streep eignet sich diese Rolle dermaßen an, dass man das Gefühl hat, es hier wirklich mit einer 80-Jährigen zu tun zu haben. Jede Bewegung sitzt, jedes kleine Stöhnen, jeden trägen Blick kennt man genau so von Menschen diesen Alters. Hinzu kommt das ebenfalls oscarprämierte Make-Up, das auch in jenen Momenten überzeugen kann, in denen man Thatchers Gesicht leinwandfüllend und bis ins kleinste Detail, bis ins kleinste Fältchen sehen kann. Fest steht: seit den Zeiten, in denen Dustin Hofman in „Little Big Man“ auf alt getrimmt wurde, hat sich ordentlich was getan.

Natürlich überzeugt Meryl Streep auch als „mittelalte“ Margaret Thatcher – die junge damalige Margaret Roberts wird in ähnlicher Qualität von Alexandra Roach gespielt. Ihr Werdegang ist schön zu verfolgen, ebenso ihr Durchsetzungsvermögen gegenüber einer patriarchisch geprägte Gesellschaft. Es wird sehr anschaulich gezeigt, wie fest Thatcher zu ihren Überzeugungen stand und sie auch gegen den öffentlichen Druck – und die Hinweise ihrer Berater – durchgeboxt hat. Hat mich das Schauspiel von Streep von Beginn an begeistert, habe ich beim Kapitel des Falkland-Krieges innerlich eine tiefe Verbeugung gemacht. Für mich jetzt schon einer der ganz großen Gänsehaut-Momente dieses Filmjahres.

Ginge es nur um Ausstattung, Make-Up und darstellerische Leistung, hätte es der Film auf 10 Sternchen gebracht – so war auch meine erste Wertung direkt nach Sichtung ausgefallen. Mit einigem Abstand werden aber inhaltliche Schwächen offenbar. Wer sich den Film in der Hoffnung ansieht, hier ein detailliertes Bild von Thatchers Motivationen und ihrem Politik-Stil zu bekommen, der wird das Kino vermutlich enttäuscht verlassen. Die jetzige Thatcher auf ihr Leben in Schlaglichtern zurückblicken zu lassen, ist grundsätzlich eine gute Idee. Leider wird der Jetzt-Zeit viel zu viel Raum beigemessen. So sieht man sie sehr häufig im Dialog mit ihrem längst verstorbenen Mann, der in ihrem Kopf einfach weiter existiert und ihre Erinnerungen kommentiert. Alles in allem verwendet der Film zu viel Zeit darauf, die bemitleidenswerte Thatcher zu zeigen, die gegen ihre Halluzinationen ankämpft und mit dem Leben „da draußen“ nicht mehr Schritt halten kann. Wer also ein Porträt einer herausragenden Politikerin der jüngeren Geschichte erwartet bekommt leider auch eine viel zu große Portion Demenz und Altersschwäche aufgetischt. Natürlich ist auch das ein wichtiges Thema, aber für ein Politiker-Biopic, das mit einer über 11 Jahre währenden Amtszeit als Premierministerin genug Stoff für politische Themen bietet, ist für Demenz-Dramen hier der falsche Platz.

Und so kann ich auch jene Kritiker verstehen, die behaupten, der Film stelle die „Eiserne Lady“ (die ihren Namen ja nicht umsonst trägt…) in ein viel zu positives Licht und wecke Sympathie-Gefühle, die mit ihrer teils rücksichtslosen Politik nicht vereinbar sind.

Wer mit dieser Geschichtsklitterung keine großen Probleme hat, der kann sich den Film zumindest doch unter dem Gesichtspunkt „Oscar-Gewinner Beste Hauptdarstellerin“ ansehen, denn allein das macht den Film schon sehenswert. Und vielleicht wird der eine oder andere ja animiert, sich ein wenig mehr mit der durchaus interessanten Zeit auseinanderzusetzen.

Die Eiserne Lady im Heimkino

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