Filmszene aus Der König der Löwen

Der König der Löwen

Regie: Jon Favreau
Drehbuch:
Schauspieler: Donald Glover, Beyoncé Knowles, James Earl Jones, Chiwetel Ejiofor

Kinostart D: (FSK 6)
Kinostart US: (FSK PG)
Originaltitel: The Lion King
Laufzeit: 1:58 Stunden
Filmposter: Der König der Löwen

Filmkritik zu Der König der Löwen

Benutzerbild von Phil
4/5 von

Die gesamten Disney-Remakes müssen sich immer am Original messen. Konnte man sich mit Elliot, das Schmunzelmonster noch ein bisschen außerhalb der Sichtbarkeit ausprobieren, so ist König der Löwen auch ein Film aus der Reihe “König von Disney”: Der Blick ist also viel kritischer, weil der Endlos-Klassiker einfach unkopierbar erscheint.
Aber man hat es dennoch gewagt, war jedoch auch vorsichtig: Der neue König der Löwen ist in seinen Dialogen und Kameraeinstellungen zu weiten Teilen identisch mit der Zeichentrick-Vorlage, sofern es sich mit dem Anspruch eines Realfilms vereinbaren ließ.

Die Animationen sind atemberaubend. Komplett fotorealistisch kommt die afrikanische Steppe daher. Der Körperbau, die Augen, die Bewegungsmuster, das Fell von Mufasa, Scar und Simba – einfach nur perfekt. Es ist eine Augenweide.
Man fühlt sich wie in einer hochqualitativen Tierdokumentation, die ganz nah an der Wildnis ist und uns Menschen teilhaben lässt an diesem Leben der wilden Tiere.

Aber genau das ist einer der Haken: Der umwerfende Realismus sorgt dafür, dass den Löwen jegliche Emotionen fehlen. Löwen können weder lächeln noch den Mund verziehen. Auch das Hochziehen von Augenbrauen bleibt auf der Strecke.
Die Folge ist, dass die Freude von Simba beim Singen von “I just can’t wait to be King”, seine Panik auf dem Elefantenfriedhof und seine Trauer über Mufasas Tod komplett identisch aussehen. Auch der aus dem Zeichentrick so teuflisch verachtende Blick von Scar fehlt komplett. Der Schock auf Mufasas Gesicht, als er von Scar in die Schlucht geworfen wird. Die Wut Simbas, als Scar ihm im finalen Kampf sein Geheimnis verrät. Alles nicht sichtbar.
So geht ein erheblicher und immens wichtiger Teil des Films verloren. Später können Simba und Nala zumindest Lefzen heben und so ein Stück weit Emotionen zeigen. Doch die Identifikation mit ihnen ist da schon lange vorbeigezogen.

Die Songs des Originals wurden leicht angepasst und das in die falsche Richtung: Gab es im Zeichentrick noch Titel mit Schmiss, so wurden nun alle Songs von Pharell Williams als Music Director glattgebügelt. “Can you feel the love tonight” fehlt der Schmalz, “I just can’t wait to be King” die Verspieltheit und “Be prepared” wurde gleich mal so radikal gekürzt, dass die Existenz des Songs nur noch mit Fan Pleasing zu beantworten ist.

Jedoch macht der Film auch einige Dinge besser als die Zeichentrick-Vorlage: So sind einige, sinnvolle Szenen dazugekommen, die den Film einfach runder erscheinen lassen. Allen voran sei die Szenenfolge genannt, bei der Nala als erwachsene Löwin vom Kings Rock ausbricht, um Hilfe zu suchen. In der Zeichentrick-Verfilmung tauchte sie einfach im Dschungel auf und trifft auf den erwachsenen Simba.

Für noch mehr Humor als erwartet sorgen Timon und Pumbaa. Nicht nur, dass sie einige neue flotte Sprüche drauf haben und ihre Sticheleien ausgesprochen gut funktionieren: Sie sind sich ihrer Zeichentrick-Vorlage bewusst. So gibt es einige kleine, feine Reaktionen auf ihr Verhalten im Film von 1994. Der Kenner wird sie identifizieren, der Einsteiger wird nicht irritiert. Und ganz kurz gibt es gar eine unverkennbare Referenz an Die Schöne und das Biest.

Am Ende fällt eine abschließende Bewertung schwer. Die Umsetzung des Klassikers in einen Realfilm ist optisch umwerfend gelungen. Gemessen daran, dass weder Löwen noch Vögel noch Warzenschweine mit ihrem Gesicht Emotionen zeigen können, stellt sich jedoch deutlicher als bei anderen Adaptionen die Frage: Hätte der Film sein müssen?
Im direkten Vergleich mit der Zeichentrick-Verfilmung ist diese auch der Realverfilmung vorzuziehen: Sichtbare Emotionen schlagen ein paar Extra-Szenen.

Nimmt man den Film allein für sich stehend, erzählt er eine spannende Geschichte mit guten, bösen, spannenden und lustigen Figuren und Songs, die ins Ohr gehen. Ein perfekter Familienfilm, den man mehrfach sehen kann.
Doch am Ende profitiert die Realverfilmung unbestritten sowohl vom Drehbuch als auch von den Songs von der Zeichentrick-Vorlage.
Es fühlt sich eben nicht wie ein eigenes Werk an und wird zurecht für seine Optik gefeiert werden, jedoch nicht für seine Inhalte oder Emotionen.

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