Three Billboards Outside Ebbing, Missouri


Filmposter: Three Billboards Outside Ebbing, MissouriRegie: , , ,
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Kinostart D:
Kinostart US: (R)
Originaltitel: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Laufzeit: 1:55 Stunden

Filmkritik zu “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”

4/5 von Phil

Die ersten fünf Minuten des Films sind Aussage für die gesamte Laufzeit: Frances McDormand fährt in ihrer Rolle als Mildred an verwitterten Billboards vorbei. Hält an. Legt den Rückwärtsgang ein. Fährt zurück. Betrachtet die Billboards. Legt den Vorwärtsgang ein und fährt weiter. Keine Worte, stattdessen Schauspiel.
Schnitt.
Mildred betritt die zuständige Werbeagentur und fragt zur Sicherheit, ob “ficken”, “pissen” oder “Fotze” nichts auf Billboards zu suchen haben.

Es ist das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Extremen, das den Film so mitreissend macht: Ruhige Kamerafahrten, manchmal auch nur ein einzelner Blick sagen mehr als jeder Dialog. Doch es sind die Dialoge, die derben Begriffe und das rebellische Auftreten der Mildred, die ihre Verbitterung über die mangelnde Aufklärung ihrer vergewaltigten und anschließend verbrannten Tochter erst offenbaren: Ein Schutzwall aus Beschimpfungen und rücksichtslosem Handeln, der verschleiern soll, dass auch Mildred eine Mutter ist -nein, war-, die den gewaltvollen Tod ihrer Tochter nicht verarbeitet hat. Sich hilflos und verlassen fühlt.
Es ist immer ein Ritt auf dem Grat der Eskalation, sodass man sich als Zuschauer nie sicher ist, ob die Flasche Wein in der Hand im nächsten Moment zur tödlichen Waffe eingesetzt wird.

Der Film macht nicht Halt an der Geschichte von Mildred. Er gewährt Einblicke in das Leben vom angeprangerten Officer Willoughby und seinem rassistischen, dauerbetrunkenen Untergebenen Dixon. Bis hin zur Nebenrolle des kleinwüchsigen, nach Kontakt suchenden James wird so ein stimmiges und zugleich bitteres Bild einer amerikanischen Kleinstadt gezeichnet, mit ihren ganz eigenen Regeln. Schneller als man denkt, machen Gerüchte und falsche Schlussfolgerungen die Runde. Schneller als man denkt, geraten die Außenseiter der Stadt in den Fokus dieser Gerüchte. Schneller als man denkt formiert sich ein Widerstand, der auf Gerüchten basiert, aber per Masse zum Fakt mutiert.

Frances McDormand spielt die verbitterte, vom Leben gezeichnete Außenseiterin hervorragend und sorgt mit ihrem rücksichtslosen Verhalten immer wieder für Lacher beim Zuschauer, ohne den Ernst des Films zu kompromittieren – ganz im Gegenteil. Auch Sam Rockwell interpretiert seine Rolle als einfach gestrickter, unkontrollierter und rassistischer Polizist mit einer unerwarteten Tiefe und schafft es im Laufe des Films, sogar Sympathien auf sich zu binden. Woody Harrelson überrascht im ersten Eindruck nicht: Er nimmt erneut die Rolle des harten, kompromisslosen Menschen ein. Doch das Drehbuch gibt ihm eine besondere Rolle im Film, die seinem generell schon hochwertigem Schauspiel auch noch eine emotionale Note mitgibt.

Es ist ein Film der Ambivalenz: Wurde gerade noch herzhaft gelacht, so sorgt die nächste Szene für Schweigen im Saal. Wurde gerade noch wild geflucht, so zeigen sich Personen nur Minuten später mit einer bisher unbekannt ruhigen Facette. So emotional aufbrausend Übergriffe sind, so ruhig sind andere Szenen ohne jedes Wort.
All dies harmonisch zu komponieren, ist Drehbuchautor und Regisseur Martin McDonaugh ohne Makel gelungen. Das Schauspiel ist durchgehend auf hohem Nivau und trägt dazu bei, dass dieser Film bereits heute in der oberen Klasse des Jahres 2018 logiert.

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