The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten


Filmposter: The Descendants – Familie und andere AngelegenheitenRegie:
Drehbuch:
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Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (R)
Originaltitel: The Descendants
Laufzeit: 1:55 Stunden

Filmkritik zu “The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten”

4/5 von andreas

Schon der Trailer gibt die Richtung vor, ist doch seine offensichtlichste Botschaft: „Nur weil wir auf Hawaii leben, heißt das nicht, dass wir nicht die gleichen Probleme haben wie alle anderen Menschen auch.“ Und so beginnt auch der Film unvermittelt mit einer schonungslosen Abrechung Kings mit seiner verkorksten Ehe. Von Sommer-Sonne-Surfer-Stimmung keine Spur. Im folgenden organisiert King seinen Alltag so gut es geht, kümmert sich um die Kinder, versucht zu ihnen eine Beziehung aufzubauen, die bisher hinter seinen geschäftlichen Interessen das Nachsehen hatte. Doch auch der Verkauf eines Landstücks, der ihm und anderen Familienmitgliedern einen dreistelligen Millionenbetrag einbringen könnte, sitzt ihm im Nacken.

George Clooney spielt die Rolle des bedrückten Allerwelts-Ehemannes in Bundfaltenhose und Flip-Flops zwar gut, aber nicht meisterlich. Die Oscar-Nominierung schlägt für mich in die selbe Kerbe wie seinerzeit bei Charlize Theron für „Monster“. Frei nach dem Motto: „Da zeigt sich Hollywoold schönster Beau mal absolut uncool, schon schmeißen wir ihm eine Nominierung hinterher.“ Das klingt jetzt böse, bitte nicht falsch verstehen: Clooney spielt schon gut, aber mir fehlten diese Schlüsselszenen, in denen man denkt „Jau, dafür hat er jeden Oscar der Welt verdient!“ Man denke hier beispielsweise an Heath Ledger für seinen posthumen Academy Award als bester Nebendarsteller in „The Dark Knight“. Clooneys Rolle frisst sich nicht fest im Kopf, bleibt nicht in Erinnerung, aber genau das sollte sie für einen Goldjungen schon tun.

Der Film erzählt seine relativ alltägliche Geschichte sehr behutsam, bietet in gut gewählten Abständen immer wieder ein wenig Aufregung oder Spannung, ohne temporeich von Konflikt zu Konflikt zu hetzen. Dafür, dass an einigen Stellen manches doch sehr unrealistisch zufällig aufeinander zuläuft, gibt es kleine Abzüge in der B-Note. Diese zufälligen Begebenheiten sind zwar für die Story wichtig, lassen aber die Authentizität leiden.

Gut gefallen hat mir nicht der Soundtrack, sondern vor allem dessen Wirkung. Privat würde ich mir diese ganzen Hawaii-Ukulelen-Klänge nicht lange anhören, aber bei einem Film, der sich vorrangig um das Thema Tod dreht, sorgt diese sehnsuchts- und hoffnungsvolle Musik dafür, dass man zwar in einem Meer der Melancholie schwimmt, aber nicht in ihm ersäuft. Nie ist der Film wirklich todtraurig, weil die Hawaii-Klänge unterschwellig eben auch immer ein „Kopf hoch, es wird schon weitergehen“ enthalten.

Alles in allem ist „The Descendants“ ein sehenswerter Film, der vermutlich einfach an meinen hohen Erwartungen an einen fünffachen Oscar-Aspiranten scheitern musste. Die behutsame Erzählweise, zusammen mit der Musik sind für mich die größten Pluspunkte. Dass der Film mich persönlich nicht wirklich abholen konnte, weil er in all seinem Drama für mich nicht tiefgründig genug war, lässt ihn an einer Höchstwertung vorbeischrammen.

Filmkritik zu “The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten”

3.5/5 von Lars

Der Film beginnt mit einer langen, sehr stillen Einstellung von Matts Frau auf einem Jet-Ski, offensichtlich kurz vor ihrem fatalen Unfall. Der Zuschauer weiß, was passiert, sofern er sich im Vorfeld grob über den Film informiert hat. Man muss schlucken, die offensichtlich ausgelassene Freude auf der Leinwand erst einmal verarbeiten.

Diese Schonungslosigkeit, mit der The Descendants eröffnet, ist bezeichnend für den Film. Hawaii bedeutet nicht nur das lockere Leben, Freiheit und die Abwesenheit von Sorgen. Im Kontrast zu dieser Ideal-Vorstellung existieren auch Krisen und ganz natürliche, menschliche Schicksale.

George Clooney als überforderter Familienvater und Ehemann einer zerrütteten Ehe schafft ein hervorragendes, ähnlich kontrastreiches Wechselspiel: Auf der einen Seite zerbricht er an der Verzweiflung über die schleichende Erkenntnis, seine Frau weitaus mehr geliebt zu haben, als er es ihr zeigen konnte. Auf der anderen jedoch ist er außer sich, als er erfährt, dass sie ihn jüngst betrogen hat. Ganz nebenbei gibt es noch zwei Töchter, die einen Vater brauchen und Halt suchen.

Die ältere der beiden, wunderbar natürlich gespielt von Shailene Woodley, findet diesen in ihrem etwas einfacher gestrickten Freund Sid (Nick Krause). Und gerade hier offenbaren sich die Stärken des Drehbuchs: In einem großartigen Dialog zwischen ihm und Matt wird deutlich, wie sehr er sich seiner eigenen geistigen (Un)Fähigkeiten bewusst ist. Er widerspricht dem Vergleich mit der “Intelligenz einer Steckrübe” nicht und doch lernt der Zuschauer Sid gerade in dieser Szene als wichtigen Charakter des Films lieben: Er ist authentisch.

Auch die Reaktionen und vor allem Ausdrucksweisen der jüngeren Tochter Scottie (Amara Miller) wirken nicht aufgesetzt und so offensichtlich von einem Erwachsenen geschrieben wie es sonst in vielen Filmen der Fall ist. So verhalten sich 10-Jährige, so drücken sie sich aus und auch so sind zumeist die Reaktionen des Umfelds. Das Drehbuch, die Charaktere – eine weitaus mehr als anständige Leistung und zu Recht oscarnominiert. Besonders im Zusammenspiel mit der Darstellung George Clooneys, wenn er endgültig Abschied von seiner Frau nimmt. Ein ganz großer Moment, so authentisch und gleichzeitig bewegend wie der gesamte Film.

Dazu trägt vor allem die anfänglich erwähnte Schonungslosigkeit des Films bei. Ganz im Zeichen seiner Aussage verbirgt er den Zustand der Mutter nicht. Langsame Großaufnahme von den Zehenspitzen bis zu den eingefallenen, trockenen Lippen. Nüchtern, sachlich.

Der Film bietet eine wunderbare Herangehensweise an das Familien-Drama und lebt von dem hohen Anspruch, den er an sich selbst hat, von seiner natürlichen Authentizität, mit der sich jeder Zuschauer in irgendeinem Punkt identifizieren kann.

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