Moulin Rouge


Filmposter: Moulin RougeRegie:
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Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (PG-13)
Originaltitel: Moulin Rouge!
Laufzeit: 2:07 Stunden

Filmkritik zu “Moulin Rouge”

4.5/5 von andreas

Meist braucht es für einen Regisseur mehrere Filme, um beim geneigten Publikum herzenstiefe Zuneigung zu gewinnen. Anders ist meine Liebe zu Baz Luhrman. Seine Frühwerke „Strictly Ballroom“ und „Romeo & Julia“ hatte ich nicht gesehen; bei seinem dritten Film „Moulin Rouge!“ möchte ich dann aber ruhig von „Liebe auf den ersten Blick“ sprechen. Ein Film, der mich mit seiner Schönheit von der ersten Sekunde an verzaubert hat.

Der erfolglose Dichter Christian (Ewan McGregor) zieht von London nach Paris, um im Künstlerviertel Montmatre Inspiration zu finden. Dort verliebt er sich im „Moulin Rouge“ in den Star des Hauses: die Kurtisane Satime (Nicole Kidman). Durch einen Zufall bekommt er die Möglichkeit, dem berühmt-berüchtigten Tanztheater ein neues Programm zu schreiben – und so in der Nähe seiner großen Liebe zu sein. Doch: das Moulin Rouge braucht neben neuer Inspiration leider auch dringend Geld. Ein reicher Duke bietet seine finanzielle Unterstützung an – fordert dafür aber die Liebe von Satime. In all dem bunten Trubel fällt fast gar nicht auf, dass Satime an der Schwindsucht leidet…

Es gibt Filme, die man sucht wie die Nadel im Heuhaufen. Filme, in denen man fast im Sekundentakt auf die „Pause“-Taste drücken möchte, um zu erzählen, warum einem eine Kameraeinstellung, ein Kostüm oder ein Bühnenbild so außergewöhnlich gut gefällt. „1 Mord für 2“ sorgte zumindest von der Kameratechnik her bei mir für einen ständig zuckenden Finger auf der Standbild-Taste; einen ähnlich „pause-lastigen“ Film wie „Moulin Rouge!“ suche ich allerdings seit Jahren vergebens. Allein über die ersten fünf Minuten könnte ich eine Viertelstunde schwärmen – was den Rest des Films über nicht wirklich anders wird.

Mit einer rasanten Kamerafahrt, die über den Dächern von Paris beginnt, blitzschnell über die Seine fliegt, um sich dann im Moloch Paris durch seine dreckigen Gassen hinunterzustürzen, beginnt die große Reise in die Welt des bourgeoisen Treibens in der Stadt um das Jahr 1899. Gerade zu Beginn haut der Film ordentlich auf die Pauke: Edelhuren, Ehrenmänner und viel zwielichtiges Volk beherrscht die Straßen rund um das Moulin Rouge. Luhrman bietet uns eine skurrile Welt voll bunter Kostüme, schmissiger Lieder, Lebenslust und käuflicher Liebe.

Ähnlich wie die Inszenierung hat auch die Ausgestaltung der Charaktere einen Hang zur Übertreibung. Kurtisane Satime neigt für Geld gern mal zu unfreiwillig komischen Leidenschaftsbekundungen (die natürlich doch gewollt komisch wirken). Christian ist natürlich die Ausgeburt eines armen Poeten, der mit festem Willen und Strahlen in den Augen an die ewige Liebe glaubt. Der Theaterdirektor ist eine Art „Best Practice“ für angehende Präsentatoren. Kurzum: mit „Moulin Rouge!“ ergießt sich ein warmer Regen aus gängigen Klischees auf das Publikum. Jederzeit allerdings mit soviel Liebe zum Detail in Szene gesetzt, dass es nicht aufgesetzt, sondern sympathisch wirkt.

Schon in „Romeo & Julia“ versuchte Luhrman Alt und Neu zu vermischen: moderne Jugendliche klären ihre Herzensangelegenheiten in bestem Shakespeare-Sprech. In Moulin Rouge wählt er den umgekehrten Weg: die Menschen von 1899 singen Lieder der Neuzeit. Angefangen mit „Diamonds are a Girl’s best Friend“ über „Don’t Leave Me This Way“ und „Lady Marmalade“ bis hin zu Nirvanas „Smells like Teen Spirit“ in einer treibenden Pseudo-CanCan-Version. Wie hier verschiedenste Zitate aus der Pop-Geschichte in Dialoge oder gar Lieder eingefügt werden, ist einzigartig. Immer wieder gern verweise ich auf die legendäre und höchst sehenswerte Elefanten-Szene.

Ebenso plakativ wie die Charaktere ist auch die Geschichte: große Liebe, böser Gegenspieler mit Geld und Macht, Gier, Neid, Ruhm, Verzweiflung und Tod. Natürlich kann man dem Film vorwerfen, dass die Love-Story nicht vielschichtig ist – und hauptsächlich, dass sie überaus kitschig ist. Ja, „Moulin Rouge!“ ist Kitsch – für mich der größte Kitsch auf diesem Erdball, noch vor Prinzessin-Diana-Kuchentellern. Doch manchmal kann Kitsch etwas wundervolles sein, zumindest dann, wenn er mich wie dieser Film jedes Mal wieder zu Tränen rührt.

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Kommentare(2)
  1. Andreas 20.04.2009
  2. Sneakpod-Stefan 20.04.2009

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