Loro – Die Verführten


Filmposter: Loro – Die VerführtenRegie:
Drehbuch: ,
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Kinostart D:
Originaltitel: Loro
Laufzeit: 2:25 Stunden

Filmkritik zu “Loro – Die Verführten”

4/5 von Phil

Mit La Grande Bellezza hat sich Paolo Sorrentino ein Denkmal gesetzt: Mit pompösen und hervorragend inszenierten Bildern zeigte er 2013 die Dekadenz der italienischen High Society. Bei einem Film, der sich erneut so nah mit der italienischen Gesellschaft auseinandersetzt, tritt Sorrentino in seine eigenen großen Fußstapfen.
Ganz ausfüllen kann er diese mit Loro – Die Verführten zwar nicht, aber dennoch sieht man hier erneut großes inszenatorisches Handwerk.

In Italien als Zweiteiler veröffentlicht, kommt Loro in einer knapp zweieinhalb-stündigen Directors Cut-Version heraus. Trotz der Länge unterhält der Film durchgehend. Berücksichtigt man, dass der Film keinen ernsthaften roten Faden verfolgt, sondern lediglich einzelne Szenen lose zusammenhängend aneinanderreiht, ist es eine respektable Kunst, dass der Film selten langatmig wirkt.
Die Person Silvio Berlusconi bietet jedoch auch viele Ansätze, diese nur grob an realen Ereignissen orientierte Verfilmung mit ausreichend spannendem Inhalt auszufüllen.

Allen voran seien die ausschweifenden Partys rund um Berlusconi hervorzuheben: Nichts scheint zu groß für den vierfachen Ministerpräsidenten Italiens, der mit viel Charme und kaltem Kalkül die Leute um sich zu scharen weiß. Die vielen Frauen sind stilvoll eingefangen, sodass die Partys nie anrüchig, sondern stets hochglanzpoliert erscheinen. Übermut und Drogenrausch der Gäste werden modern in Zeitlupe eingefangen. Am Ende will man selbst als Zuschauer Gast solcher Partys sein, weil sie grenzenlose Freiheit ausstrahlen.
In anderen Szenen schafft es Berlusconi einer willkürlich angerufenen Frau innerhalb sieben Minuten mit seiner Redegewandtheit und Empathie eine Eigentumswohnung zu verkaufen. Ein hochspannender Dialog, der hervorragend aufzeigt, wie die Person stets um den eigenen Vorteil bemüht die Vorteile für andere in den Vordergrund zu stellen vermag. In manchem Gespräch blitzt dann doch die Egozentrik durch und man versteht, wie er die Politik zu manipulieren wusste.

Mit solchen Stilmitteln schafft es der Film, ein annäherndes Gefühl beim Zuschauer zu generieren, warum es möglich war, dass Berlusconi trotz Skandalen vier Mal gewählt zu werden.
Möglich wird all das durch das hervorragende Schauspiel von Toni Servillo, der unter einer sichtbaren Menge von Makeup den Berlusconi mimt. Trotz der zeitweise gar comicartigen Wirkung seiner Maske verliert man nie die Sympathie für seine Rolle – und erschreckt selbst, dass man sich im selben Sog des Charakters befindet wie ein ganzes Land vermutlich in den 2000er-Jahren: Charakterstark, Mann der klaren Worte, gefühlt menschennah und stets nach außen sympathisch.

Es ist natürlich nicht erwiesen, was in den Villen Berlusconis tatsächlich geschah und so manche Szene wird sich sicherlich so nicht abgespielt haben. Den Größenwahn und die Dekadenz der Person kommt dennoch in jeder einzelnen Szene durch. Dank eines hervorragenden Hauptdarstellers und einem erfahrenen, außergewöhnlichen Regisseur ist Loro ein trotz der Länge kurzweiliges Portrait mit teils überwältigenden Bildern über eine wichtige Person in dem Europa der 2000er-Jahre.

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