High-Rise


Filmposter: High-RiseRegie:
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Kinostart D:
Kinostart US:
Originaltitel: High-Rise
Laufzeit: 1:59 Stunden

Filmkritik zu “High-Rise”

4/5 von Betti

Es wäre einfach High-Rise als ‚Tom-Hiddelston-macht-Werbung-für-orangene-Klapp- Gartenliegen-und-winzige-weiße-Handtücher-und-Ruderbänke-und-schickeAutos‘ abzutun oder schlicht als vertikale Version von Snowpiercer. Aber so ganz trifft es das beides nicht. Bei High-Rise handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans von James Graham Ballard, der im deutschen als DER BLOCK oder HOCHHAUS seinen Weg in die Buchläden fand. Schon Ballards Vorlage liest sich wie eine dystopische Ausbuchstabierung der Wohnmaschine des französischen Architekten Le Corbusier, welche seine Vorstellung der ‚vertikalen Stadt‘ bereits 1925 formulierte. Die Grundidee, Wohnen und Funktionen des täglichen Bedarfs in die Höhe zu stapeln und damit das Gebäude von der Umgebung quasi unabhängig zu machen, findet sich als Ideal im titelgebenden High-Rise, welches nicht nur Apartments, Pool und Fitnessraum sondern auch einen hauseigenen Supermarkt zu bieten hat.

40 Jahre nach Erscheinen des Romans nun erstmals verfilmt, nutzt Regisseur Ben Wheatley seine filmischen Möglichkeiten, die 1970er Jahre in illustrer Besetzung und exquisitem retrofuturistischen Look visuell ausnehmend ansprechend in Szene zu setzten. Und im Hochhaus gründet sich mit Tom Hiddelston, Luke Evans, Sienna Miller, Elisabeth Moss und Jeremy Irons eine Wohngemeinschaft der etwas anderen Art. Während letzterer als gottgleicher Architekt Royal im Penthouse an der Spitzte des Turms residiert (inklusive Frau und Pferd), ist Hiddlestons Dr. Laing als Neuzugang im Mikrokosmos Vertreter der aufstrebenden Mittelschicht. Mit seinem Apartment in der Mitte des Gebäudes ist er auf allen Ebenen Bindeglied zwischen Oberschicht und Unterschicht – vertreten letztlich vornehmlich durch Helen und Richard Wilder (Elisabeth Moss und Luke Evans). Ob nun in plakativ freudianischer Lesart der Protagonisten als Es (Wilder), Ich (Laing), und Über-Ich (Royal) oder in mikrokosmischer Abbildung der modernen Gesellschaft – High-Rise bietet vielfältige Ansatzpunkte und bei weitem nicht nur optische Anreize, doch Subtilität ist seine Sache nicht. Die vorprogrammierten Konflikte zwischen denen oben und denen unten entladen sich an Gier und Snobismus und als der Strom ausfällt, zerfällt Architekt Royals Traum von einer gleichen und klassenlosen Gesellschaft unter einem Dach in Entsetzen, Chaos und völliger Anarchie.

Nichtsdestotrotz addiert der Film High-Rise der dystopischen Science Fiction – an der ja beileibe in den letzten Jahren kein Mangel geherrscht hat – eine neue und hoch interessante Ebene: die Vergangenheit. Genauer, eigentlich eine Zukunft die irgendwie schon passiert ist. Der Retro-Look fügt dem Film eine seltsam anachronistische Ebene hinzu, welche im Roman durch seinen Gegenwartsbezug nicht angelegt war. Vielmehr kreiert Ballard in seinem Buch eine mögliche Zukunftsvision der „next five minutes”. Und so ist diese Mischung aus einem Blick in eine Zukunft, die längst passiert ist, in einem Film, der die Vergangenheit nutzt um diese mögliche Zukunft zu zeigen, der eigentliche Clou von High-Rise.

High-Rise thematisiert menschliche Abgründe, Neid und Aufstiegswillen um jeden Preis, – beeindruckend und mit teils betörenden, aber auch verstörenden Bildern – und exerziert die Frage einer isolierten Gesellschaft und den Grenzen, die sich durch Zivilisation und Infrastrukturen bieten, gnadenlos bis zum Schluss. Letztlich ist der Film aber auch stylische Zeitreise in die Zukunft einer Vergangenheit, die irgendwann mal nur fünf Minuten entfernt gewesen scheint.

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