Glaubensfrage


Filmposter: GlaubensfrageRegie:
Drehbuch:
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Kinostart D: (FSK 6)
Kinostart US: (PG-13)
Originaltitel: Doubt
Laufzeit: 1:44 Stunden

Filmkritik zu “Glaubensfrage”

4/5 von andreas

Wenn man böse wäre, könnte man sagen, dass in diesem Jahr die „Laberfilme“ einen gewissen Einfluss auf die Oscar-Verleihung haben. Mit „Glaubensfrage“ und „Frost/Nixon“ stehen gleich zwei Filme mehrfach auf den Nominierungslisten, die weniger durch abwechslungsreiche Handlung, sondern vielmehr durch messerscharfe Dialoge brillieren. „Glaubensfrage“ beweist: herausragende schauspielerische Leistungen können einen Film ebenso tragen wie bildgewaltige Action-Sequenzen.

New York im Jahr 1964. Der weltoffene Priester Brendan Flynn (Philip Seymour Hoffman) macht sich mit seiner Toleranz in der katholischen Schule nicht nur Freunde. Sein Vorschlag, in den anstehenden Weihnachtsaufführungen auch mal eher weltliche Lieder singen zu lassen, stoßen vor allem bei der konservativen Nonne Aloysius Beauvier auf großes Missfallen. Da kommt es ihr sehr zupass, dass Schwester James Anzeichen gesehen haben will, die darauf schließen lassen, dass Flynn eine intime Beziehung zu einem seiner Schüler pflegt. Fortan widmet sich Beauvier der Aufdeckung des Skandals, ohne einen handfesten Beweis zu haben. Alles was sie vorweisen kann, ist ihr unbeirrbarer Glaube an Flynns Schuld.

Die Besetzung ist ein wahrer Traum. Wenn man zwei Schauspielern abnimmt, dass sie einen dialoglastigen Film allein durch ihre Ausdrucksstärke und Präsenz tragen können, dann den beiden Oscar-Preisträgern Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman. Hinzu kommt eine ebenfalls sehr gut aufspielende Amy Adams, die sich nach einem Ausflug ins Komödienfach („Verwünscht“) nun zum Glück wieder ernsteren Dingen widmet.

Zugegeben: der Film lässt es übermäßig ruhig angehen. Die erste halbe Stunde befasst sich ausschließlich damit, den schulischen Alltag und die Beziehungen der Personen untereinander darzustellen. Zwar ist dieser Teil sehr nüchtern und ohne jegliche Aufregung, eignet sich aber hervorragend, um die Claims der drei Hauptpersonen abzustecken. Hoffman als weltoffener Erneuerer, Streep als erzkonservative Intoleranz in Person und Adams als ein brüchiges Bindeglied, das zwischen dem Glauben an die Unschuld des Priesters und den Verdächtigungen ihrer Vorgesetzten hin- und hergerissen ist.

Zwar kommt der Film ohne offensichtlich aufregende Szenen aus, zieht aber aus den fantastischen Dialogen doch eine Spannung, die zeitweise atemberaubend ist. Die verbalen Gefechte zwischen Flynn und Beauvier sind das absolute Highlight des Films. Häufig sind es die subtilen Anspielungen und kleinen Gesten, die den Atem stocken lassen. Während Beauvier den festen Glauben an die Schuld zur obersten Tugend erhebt, steht der Pfarrer dafür ein, dass es eben auch Glaubensfragen gibt, die mit konkreten Fakten untermauert werden müssen. Neben den beiden hervorragenden Hauptdarstellern findet sich Amy Adams in einer ganz besonderen Rolle wieder: sie schwankt ständig zwischen Ver- und Misstrauen, bis durch das Verhalten ihrer Oberschwester ihr eigener Glaube in den Grundfesten erschüttert wird. So unspannend die konkrete Handlung oberflächlich auch sein mag, so facettenreich ist doch der tiefere Sinn, den man sich gemeinsam mit den Darstellern erarbeiten muss.

Ein wenig enttäuscht war ich allerdings schon, hatte ich mich doch vor allem auf die Streitgespräche dieser beiden schauspielerischen Schwergewichte gefreut. Leider kamen diese Gespräche ein wenig zu kurz. Da hätte ich mir gewünscht, dass die langsame Eskalation noch mehr in den Gesprächen der beiden dargestellt werden würde. Aber: unter dem Strich bleibt „Glaubensfrage“ ein sehr guter Film, der mit vielen kleinen Details (Kameraführung) und großen Schauspielleistungen punkten kann.

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