Die irre Heldentour des Billy Lynn


Filmposter: Die irre Heldentour des Billy LynnRegie:
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Kinostart D:
Kinostart US:
Originaltitel: Billy Lynn's Long Halftime Walk
Laufzeit: 1:50 Stunden

Filmkritik zu “Die irre Heldentour des Billy Lynn”

3/5 von Phil

Der Einsatz im Krieg ist herausfordernd und gefährlich. Richtig verstehen tun das wohl nur die, die auch selbst mal an der Front sein mussten. Selbst den Abzug gezogen haben. Vielleicht durch deren bloße Hand Menschen starben. Man hat ein Programm abgespielt, schon fast instinktiv statt nachdenkend. Man ist seiner Arbeitspflicht als Soldat nachgekommen, so nüchtern es klingt.
Und wird für diese Taten als Held gefeiert.

Für Billy Lynn passen diese zwei Gegensätze nicht zusammen und wir als Zuschauer dürfen, vielleicht auch: müssen den Weg mit Billy gehen. Es ist nur ein Tag, der dargestellt wird. Der Tag, an dem er und seine Einheit in einem Football-Stadion in der Halbzeitshow mit einer großen Feier gewürdigt werden sollen. Doch egal, wohin Billy auch schaut: So vieles erinnert ihn an seine Zeit im Irakkrieg.
Doch nicht nur Billy scheint geschädigt, auch seine Kameraden fallen durch ungewöhnliches Verhalten auf: Ihre Aktionen und Reaktionen neigen zur Übertreibung, einen ruhigen Moment gibt es in ihnen nicht. Immer wieder werden Sprüche gerissen, immer wieder gejohlt, aber auch auf die eigene Leistung an der Front verwiesen: Der Stolz neigt zum Überborden.
Es sind schon allein solche Szenen, die die Nachwirkungen für den Einzelnen und natürlich auch Billy zeigen: Normalzustand scheint nicht möglich zu sein.
Die Absurdität der Heldenfeier wird auf die Spitze getrieben, wenn die Soldaten marionettenartig bei der Halbzeitshow agieren sollen, ja schon fast vorgeführt werden. Sie schossen um ihr Leben, in ihren Armen starben Kameraden und nun weist eine fremde Frau sie darauf hin, bitte im Soldatenschritt zu gehen. Still stehen zu bleiben, während um sie Böller und Feuerwerk hochgehen, ja sogar Pappraketen wenige Meter an den Soldaten vorbeizischen.

Die Übergänge zwischen Erinnerung und Gegenwart sind fließend und lassen so den Zuschauer in die Gedankenwelt von Billy Lynn einsteigen. So erschließt es sich umgehend, wie viele für uns triviale Umwelteinflüsse vergessene Traumata hervorrufen. Bei allem ist der Film jedoch nicht anklagend oder patriotisch: Er erzählt und zeigt nur. Leider verwässert der Film seine eigene Aussage durch teilweise unnötige Exkurse wie Lovestories oder der einen oder anderen zwar in sich guten Szene, die jedoch ein Stück zu lang geriet.
Es wäre ein Stück mehr Positionierung wünschenswert gewesen, um dem Film Profil zu geben.

In Summe ist Die irre Heldentour des Billy Lynn ein augenscheinlich realistischer Eindruck dessen, was in einem traumatisierten Jungsoldaten vorgeht, wenn er im Krieg war. Was ihn bewegt, wenn er sich zu unrecht als Held ausgezeichnet sieht. Die Darstellung, dass dies sogar noch schädlicher ist, ist eine interessante und sehenswerte Herangehensweise.
Es bleibt jedoch Aufgabe des Zuschauers, in den Film die Wertung zu stecken, die er sowieso schon in sich trägt. Dass dieses Potential nicht vom Film ausgefüllt wird, hinterlässt einen faden Beigeschmack bei einem grundsätzlich gut aufgearbeiteten Thema.

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