Der Vorname


Filmposter: Der VornameRegie:
Darsteller: , , ,

Kinostart D:
Originaltitel: Der Vorname
Laufzeit: 1:31 Stunden

Filmkritik zu “Der Vorname”

4/5 von Phil

Zugpferd Christoph Maria Herbst ist in der Breite besonders für seine komödiantischen Einsätze wie Er ist wieder da oder seine Paraderolle Stromberg bekannt. Die Prämisse dieses Films, dass ein Kind Adolf genannt werden soll, kann den Eindruck erwecken, dass hier erneut eine mittelmäßige Filmumsetzung auf Basis einer gewissen Provokation vorliegt.
Jedoch hat Sönke Wortmann auf dem Regiestuhl etwas geschaffen, was sich am besten mit Der Gott des Gemetzels in Deutsch vergleichen lässt.

Der Film ist eine entlarvende Komödie über das Rollenverständnis bestimmter Gesellschaftsgruppen und die Vorurteile, die man diesen Gruppen zuschreibt. Was mit einer kleinen Diskussion über einen Namen beginnt, nimmt im Laufe des Abends große Ausmaße an. Mit einem guten Auge werden Charakterzüge von Professoren, Lehrern oder erfolgreicher Geschäftsleute dargestellt und stets auch sofort wieder gebrochen. Wer gerade noch Partei ergriff, wendet sich nur Minuten später gegen den bisherigen Kooperationspartner, bis man selbst im Fokus steht. Längst vergessene Emotionen brechen in diesem hitzigen Abend durch, Jahrzehnte lang verschwiegene Erlebnisse werden plötzlich hervorgeholt und als ultima ratio gegen die Diskussionspartner verwandt.

Dabei verliert der Film nie den Kontakt zur Realität: Weder sind die Charaktere überzogen dargestellt noch erscheint der Verlauf des Abends mit seinen vielen Streitpunkten konstruiert. Dies sorgt dafür, dass die Widersprüchlichkeit der Personen in ihrem Denken umso pointierter trifft: Kann man sich mit der Geschichte und den Personen identifizieren, so fühlt man sich selbst in so mancher Denkfalle ertappt – oder zeigt sich umso überraschter von einer Wendung, die den gesamten Abend in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Dieser Film ist eine hervorragende Komödie, die mit gut geschriebenen Dialogen und hervorragenden Schauspielern zu überzeugen weiß. Schenkelklopferhumor bleibt außen vor, stattdessen gibt es ausgesprochen ausgearbeitete Wortgefechte zwischen allen Protagonisten in diesem Kammerspiel-Film. Aktuelle Ereignisdse werden ebenso aufgegriffen wie festgefahrene Denkstrukturen, die hier auf ihre Probe gestellt werden.
Nur das Ende ist wieder typisch deutsch und passt gar nicht in die so intelligente Aufarbeitung. Ganz ohne geht es vermutlich dann doch nicht.

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