Der fremde Sohn


Filmposter: Der fremde SohnRegie: ,
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Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (R)
Originaltitel: Changeling
Laufzeit: 2:21 Stunden

Filmkritik zu “Der fremde Sohn”

3.5/5 von andreas

So wenig ich mit den 60er-Jahre Western mit ihm anfangen konnte, so sehr verehre ich Clint Eastwood heutzutage für seine Leistungen als Regisseur. Filme wie Mystic River und Million Dollar Baby haben nicht nur verdientermaßen insgesamt sechs Oscar-Auszeichnungen bekommen, sondern gehören zu meinen absoluten Film-Highlights überhaupt. Nun also ein Drama mit Angelina Jolie. Kann das klappen? In einem Interview sagte Eastwood sinngemäß, dass man über all die Klatschblatt-Geschichten und Titelcover von Miss Jolie nicht vergessen sollte, dass sie auch einer über alle Maßen talentierte Vollblut-Schauspielerin ist. Eastwood geht sogar soweit, sie als die professionellste Schauspielerin zu bezeichnen, mit der er je zusammengearbeitet hat. Und tatsächlich kann Angelina Jolie in Der fremde Sohn durchaus überzeugen.

Los Angeles im Jahr 1928: die berufstätige alleinerziehende Mutter Christine Collins verabschiedet sich von ihrem Sohn Walter, um ihrem Job als Telefonistin nachzugehen. Noch ahnt sie natürlich nicht, dass es das letzte Mal sein wird, dass sie Walter sieht. Als sie nach Hause kommt ist die Tür offen und der Sohn verschwunden. Monate später präsentiert ihr die Polizei von L.A. ein Kind, das eindeutig nicht ihr vermisster Sohn ist. Verzweifelt kämpft sie gegen das korrupte Gestrüpp des unmoralischen Police-Departments an und stößt auf eine grauenhafte Wahrheit.

Die Frage, die der Film für mich natürlich vorrangig beantworten sollte: hat Angelina Jolie die Oscar-Nominierung, diesmal sogar in der Hauptrolle, verdient? Die Beantwortung bleibt schwer. Jolie gibt die verzweifelte Mutter, die gegen alle Widrigkeiten ankämpft und nicht aufgibt, durchaus glaubwürdig. Ihr kommt darüber hinaus zugute, dass ihr Gesicht samt Bubikopf wie für einen 20er-Jahre-Film gemacht erscheint.

Auch wenn die Synchronisation solide gemacht war: am liebsten hätte ich den Film im Original gesehen, denn bei der schauspielerischen Leistung spielt natürlich die Stimme eine große Rolle. Vor allem bei einer solchen Figur, die mal Verzweiflung, dann aber wieder Wut und Verachtung im Repertoire haben muss. Immerhin kann ich behaupten, dass die Nominierung nicht ganz unverdient ist. Jolie bietet hier eine Leistung, die nicht mit Tomb Raider oder Wanted in einen Topf geschmissen werden kann.

Der fremde Sohn ist wieder mal großes Erzählkino von Altmeister Eastwood, der bei mir aber nie so richtig zünden wollte. Zwar kam nie Langeweile auf, die Entwicklung der Geschichte geht einige erstaunliche Wege, aber so richtig tiefe Anteilnahme am Schicksal des Kindes und der Mutter wollte sich bei mir nie einstellen.

Eine besondere Brisanz erhält die Geschichte natürlich dadurch, dass sie sich auf eine wahre Begebenheit aus dem 20er Jahren beruft. Dass es damals sogar Demonstrationen gegen die korrupte und offenkundig unfähige Polizei gegeben hat, war mir neu. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Impertinenz die öffentlichen Stellen damals versuchten, ihren Fehler zu vertuschen. Vom uneinsichtigen Polizeichef bis hin zum geschmierten Doc, der per Falschaussage die unwahre Identität im Sinne der Polizei bestätigt. Auch dass die simple Vermissten-Geschichte im Zusammenhang mit einem der spektakulärsten Kriminalfälle der damaligen Zeit gesehen werden muss, ist überraschend. So kehrt sich das anfängliche tragische Melodram zur Mitte hin in einen schockierenden Kriminalfilm.

Die Rahmenbedingungen für einen schönen Filmabend stimmen: neben einer interessanten Story gibt es bis in die Nebenrollen gut besetzte Schauspieler, ein stimmiges Bühnenbild und authentische Kostüme. Für die Musik hat Regisseur Clint Eastwood mal wieder selbst in die Tasten gehauen. Herausgekommen ist dabei ein – wie immer – gefühlvoller Soundtrack ohne zu viel Sentimentalität.

Trotzdem: auch wenn ich keine akuten Schwächen ausmachen kann, bleibt dem Film eine Höchstbenotung versagt. Er ging mir nur einfach nicht so nahe wie die oben genannten Werke von Eastwood.

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