Chaos im Netz


Filmposter: Chaos im NetzRegie: ,
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Kinostart D:
Kinostart US:
Originaltitel: Ralph Breaks the Internet
Laufzeit: 1:52 Stunden

Filmkritik zu “Chaos im Netz”

4/5 von Phil

Wer auf Basis des ersten Teils von Ralph reichts einen Flashback in alte Arcarde-Zeiten erwartet, der wird in diesem Film enttäuscht werden: Dieses Mal geht es für Wreck It-Ralph und Sugar Racer-Vanellope ins große weite Internet. Dennoch gibt es viel zu entdecken für den nerdigen Erwachsenen – man muss nur manchmal genau hinschauen.

In den Grundzügen ist die Geschichte recht klassisch gestrickt, wie man es schon aus vielen anderen Disney-Filmen kennt: Vanellope und Ralph entdecken eine neue Welt (das Internet), ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt (Vanellope will die Vorteile des Internets nutzen) und am Ende siegt die Freundschaft. Dazwischen gibt es einige spannende und rasante Autorennen, ein paar tollpatschige Charaktere und ein großes Wiedersehen mit teils bekannten aus Film und Videospiel.
Da aber der Großteil des Films im Internet spielt, sind alte 8-bit-Charaktere ähnliche Randfiguren wie moderne Videospielhelden.

Dafür weiß der Film mit so manch geschickter Szene auch im Internet zu überzeugen. So sind gerade die ersten Minuten im Internet besonders gut gelungen: Die Weite und das Chaos des Internets werden genau so gut eingefangen wie kleine alltägliche Selbstverständlichkeiten aus dem Netz, die erst neu interpretiert einem bewusst werden. Wenn die Eingabemaske einer Suchmaschine durch einen kleinen Bibliothekar dargestellt wird, der ganz im Autovervollständigung-Stil versucht, die Sätze seiner Gespächspartner mit vorgeschlagenen Fragmenten zu vervollständigen, so ist das nicht nur lustig, sondern auch plastisch in die Fantasiewelt übernommen. Auch Werbung, PopUps, PopUp-Blocker und Suchalgorithmen haben ihre ganz eigenen personifizierten Äquivalente im Film. Der schon etwas ältere Internetnutzer fühlt sich dann in die alte Zeit zurückversetzt, wenn Ralph am Grund des Internets vor einem großen, heruntergekommenden Gebäude namens “Public Chatrooms” steht, während im Hintergrund ein altes “Dialup – Express Connection”-Banner zerissen flattert.
Grundsätzlich tut der Film gut daran, echte Internetmarken zu nutzen. So sieht man die Logos von Google und Facebook, Ralph kämpft einen Kampf bei Pintrest. Die recht plumpe ebay-Platzierung stört aber dennoch, wenn leinwandfüllend das Logo eingeblendet wird, während in einem knapp 10-minütigen Teil des Films Vanellope und Ralph versuchen, bei dem Auktionshaus ein Ersatzteil für einen Arcadeautomaten zu erlangen. Doch der auffälligen Überpräsenz stehen augenscheinlich auch Markenrechte entgegen: So heißt die führende Videoplattform “BuzzTube” und auch die großen Suchmaschinen wurden durch kreative Namen ersetzt. So werden die Eindrücke der an sich gut designten Internetwelt immer leicht gestört.

Besonders hervorzuheben ist das Zusammentreffen mit allen bekannten Disney-Prinzessinnen: Von Arielle über Mulan bis hin zu Elsa und Vaiana sind sie alle da und nehmen Vanellope beim ersten Zusammentreffen unter die Lupe. Dass Disney den eigenen Mythos um die Prinzessinnen aufgreift und die stets gleichen Wesens- und Verhaltenszüge aller Prinzessinnen nicht nur aufgreift, sondern auch verbalisiert, macht die Szene gerade für den Disney-Kenner zu einer der besten Szenen im ganzen Film. Wenn man Ende alle Prinzessinnen ihre ganz persönlichen Eigenschaften einsetzen, um Ralph zu unterstützen, fällt es schwer, nicht vor Entzückung kurz aufzujauchzen, so erfreulich ist es, alle Prinzessinnen Hand in Hand arbeiten zu sehen. Gerade, weil man in Sekunden an mehrere Filme zugleich erinnert wird, sondern, weil auch die (Original-)Stimmen identisch zu den Hauptfilmen ist und so ein hochwertiger Synchroncast in Minuten abgefeuert wird.
Dennoch bleibt es zu hoffen, dass es keine Mashups geben wird.
Bei so viel Euphorie verzeiht man es, dass die Auftritte der mehr oder weniger frisch akquirierten Star Wars-Figuren eher gestelzt wirkten.

In Summe wird Chaos im Netz sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen erfreuen: Die Kinder haben Spaß an den bekannten Internetdiensten und so manch kuriosem unterhaltsamen Charakter, der Erwachsene fühlt sich durch so manche Retrowelle auch gut abgeholt. Und wenn man lange genug sitzen bleibt, dann …

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