Beim Leben meiner Schwester


Filmposter: Beim Leben meiner SchwesterRegie:
Drehbuch:
Darsteller: , ,

Kinostart D: (FSK 12)
Kinostart US: (PG-13)
Originaltitel: My Sister's Keeper
Laufzeit: 1:49 Stunden

Filmkritik zu “Beim Leben meiner Schwester”

3/5 von Phil

Die Erwartung war einfach und eigentlich auch leicht zu erreichen: Ein recht schweres Drama mit der Auseinandersetzung über Selbstbestimmung im Konflikt mit Lebensrettung.
Nur, ganz einhalten konnte der Film dies nicht.

Klar, es gab schon heftige Szenen, die einen echt zum Nachdenken anregen. Wenn ein Kind im Geiste erwachsener ist als die promovierte Mutter, so gerät man durchaus ins Grübeln, wo die Prioritäten des Lebens liegen. Aber besonders an solchen Szenen fehlte es. Zudem machte es sich der Film selbst schwer:
Einerseits besitzt er recht eigenartige Schnitte, besonders am Anfang. So wird mitten im Dialog oder auch in einer dramatischen Szene geschnitten und der Zuschauer fühlt sich vor den Kopf gestoßen. Wahre Empathie kann so schon gar nicht aufkommen – eine Grundvoraussetzung, um den Film rund zu haben. Auch konnte sich der Film nicht richtig entscheiden, in welche Richtung er gehen möchte: Sieht er seinen Focus auf der Durchsetzung des Rechts am eigenen Körper, wenn daduch die Schwester zu sterben vermag? Oder möchte der Film einen Kampf der Familie um das Leben der Tochter darstellen, wie sie den Zerfall der Tochter im Wahn und Trauer kaum mitbekommen? Oder geht es um die möglichst schöne Begleitung eines sterbenden Kindes? Natürlich greift alles ineinander, aber viele Fäden werden angefangen, auch zu Ende geführt, sind aber nie lang genug, um sich mit ihnen anzufreuden.

Schauspielerisch ist natürlich Abigale Breslin hervorzuheben, die die gesunde Schwester spielt. Ihre ihr zugeschriebene Rolle entspricht aber nicht dem 11-jährigen Mädchen, das sie zu verkörpern hatte. Zu erwachsen die Wortwahl und zu tiefgründig, als dass man dies in dem Alter an den Tag legen könnte.

In der Summe haben mich andere Filme ähnlichen Kalibers wesentlich mehr berührt. So verbliebt ein mittelmäßiges Gefühl und ein bisschen Ärgernis über die Umsetzung eines so spannenden Themas.

Filmkritik zu “Beim Leben meiner Schwester”

4/5 von andreas

Erinnert Euch an meine Worte wenn ich sage “Die Breslin ist die neue Foster!”. Dass Abigail Breslin neben einem komischen Talent auch durchaus ernst schauspielern kann, konnte man ansatzweise schon in “Little Miss Sunshine” sehen. Nun zeigt sie in “Beim Leben meiner Schwester”, dass sie für eine 13jährige ihrer Rolle eine erstaunliche dramaturgische Tiefe geben kann. Zwar ist sie, anders als das Filmplakat suggerieren mag, nicht der Mittelpunkt der Story, aber zumindest ein Highlight in einem auch ansonsten hervorragend besetzten Cast.

Carmeron Diaz, die vornehmlich mit leichten Komödien wie “Verrückt nach Mary” oder “Love Vegas” erfolgreich wurde, zeigt hier, dass mehr in ihr steckt als nur eine Spezialistin für Flachfilme. Sie geht in der Rolle der stur kämpfenden Mutter vollkommen auf und spielt die kraftlose Verzweiflung sehr glaubwürdig. Ihr Film-Gatte Jason Patric gerät zwar durch den wilden Aktionismus seiner Frau gewaltig in den Hintergrund, vermag es aber doch mit einem pointierten Spiel Aufmerksamkeit zu bekommen. Natürlich muss auch Sofia Vassilieva als todkranke Kate gelobt werden. Sie schafft es beim Zuschauer Mitgefühl zu erwecken, ohne darum betteln zu müssen. Sie lässt Kate nicht in Selbstmitleid zergehen, sondern zeigt, dass auch ein zerberchlich-schwaches Mädchen noch unheimlich stark sein kann. Ein großes “Bravo” also für die schauspielerische Leistung der kompletten Familie Fitzgerald.

Auch zwei weitere Schauspieler leisteten in ihren Rollen hervorragende Arbeit: Alec Baldwin hatte man vor einigen Jahren schon mächtig abgeschrieben. Scheidungskrieg mit Kim Basinger und Alkoholsucht waren die einzigen Dinge, mit denen er noch für Schlagzeilen sorgen konnte. Inzwischen ist der ehemalige Trunkenbold dank “30 Rock” wieder ein gefragter Schauspieler, der zumindest ebenso wie Mickey Rourke eine mediale Erwähnung also “Mann mit Comeback” verdient hätte. Für die Rolle eines listigen und trotzdem sympathischen Anwalts hat er genau das richtige Format. Die Rolle von Joan Cusack ist zugegeben sehr klein. Und dennoch: als Richterin, die ihrer eigenen verunfallten Tochter hinterher trauert, sorgte sie für mich durch ein perfektes Mienenspiel für einen der vielen “Kloß-im-Hals-Momente”.

Und nun Klartext: die Story ist absolut auf “Rotz und Wasser” ausgelegt. Im Kinosaal war auffällig häufig Taschentuchrascheln und Schnäutzen zu hören. Natürlich geht dieser Film ziemlich tief rein, zumal ich persönlich mich nicht mal dafür entscheiden konnte, was ich tragischer finden sollte. War es das Schicksal von Kate, die sich mit dem Gedanken an den nahenden Tod anfreunden muss? Oder nicht doch die herausragende Darstellung einer Mutter, die sich lieber ihr eigenes Herz rausreißen würde, als ihr Kind sterben zu sehen. Das eigene ethische Empfinden sagte mir, dass diese Mutter im Unrecht ist, aber verurteilen könnte ich sie beim besten Willen nicht. Dafür ging mir gerade auch ihre Situation zu nahe.

Doch leider gab es einen Punkt, der mich bei all der traurigen Geschichte und all dem wirklichen Mitgefühl mit den Akteuren ziemlich genervt hat, ja, mir sogar die Lust am Film ein wenig verdorben hat. Regisseur Nick Cassavetes (“Alpha Dog”) konnte anscheinend nicht darauf vertrauen, dass die auf einem Bestseller beruhende Story und ein hervorragender Cast den Film zum Rührstück des Jahres 2009 machen. Um den Herzschmerz-Effekt noch zu verstärken musste er leider in zu vielen Szenen auf einen Weichzeichner setzen, der einem David Hamilton alle Ehre machen würde. Meiner Meinung nach gab dieser Effekt dem Film etwas sehr kitschiges, was ihm so gar nicht gut zu Gesichte steht. Purer Realismus hätte mir da weit besser gefallen. Weiterhin fehlten dem Film meiner Meinung nach die tatsächlich einschneidenden Szenen, an die man sich auch Jahre später noch erinnern kann. Zwar kommt man natürlich mit sehr gedämpfter und nachdenklicher Stimmung aus diesem Film heraus, eine Langzeitwirkung wie etwa bei “Ben X” sucht man jedoch vergebens.

Nichtsdestotrotz ist “Beim Leben meiner Schwester” ein durchaus sehenswerter Film, der (für mich wider Erwarten) hervorragend aufspielende Darsteller und eine gute, weil nahegehende Story zusammenbringt. Wer sich traurigen Filmen nicht verschließt und es auch ruhig riskiert, mit verweinten Augen aus dem Kinosaal zu kommen, dem sei der Film gerne empfohlen.

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