Battle of the Sexes


Filmposter: Battle of the SexesRegie: , , , ,
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Kinostart D:
Kinostart US: (PG-13)
Originaltitel: Battle of the Sexes

Filmkritik zu “Battle of the Sexes”

4/5 von andreas

Wir schreiben das Jahr 1973. Billie Jean King (Emma Stone) ist die Weltranglistenerste im Damentennis. Es stört sie, dass Frauen bei Turnieren wesentlich weniger Preisgelder erhalten als ihre männlichen Kollegen, obwohl ihre Spiele ebenso gut besucht sind. Als sie in Verhandlungen mit den Tennis-Bossen kühl abblitzt, beschließt sie, mit ihren Kolleginnen ein eigenes Turnier auszutragen. Als sie daraufhin aus dem Tennisverband geschmissen werden, gründen sie einen eigenen: die noch heute bestehende Women’s Tennis Association (WTA). So viel Frauenpower kommt bei den Chauvinisten der frühen 70er Jahre natürlich nicht gut an. Vor allem Alt-Wimbledon-Sieger Bobby Riggs (Steve Carell) ist der Meinung, dass Frauen ins Schlafzimmer oder an den Herd gehören, aber nicht auf den Tennisplatz. Zwar ist er inzwischen 55 Jahre alt, fordert die Besten des Damentennis dennoch zu einem Turnier „Mann gegen Frau“. Auch wenn sich Billie Jean King anfangs sträubt, lässt sie sich später doch auf dieses Match ein. Was für sie noch erschwerend hinzu kommt: in dieser aufgeheizten, frauenfeindlichen Stimmung bemerkt sie, dass sie Gefühle für eine Frau entwickelt. Ihr Ehemann ist davon natürlich nicht gerade begeistert.

Das am 13.05.1973 im Astrodome in Houston ausgetragene Match King vs. Riggs gilt mit mehr als 30.000 Zuschauern als eines der größten aller Zeiten. Das Medieninteresse war überwältigend, fällt es doch in eine Zeit, in der immer mehr Frauen für Ihre Rechte auf die Straße gegangen sind. Vermutlich nicht wenige Männer waren der voller Hoffnung, dass ein Sieg von Riggs der Frauenbewegung einen ordentlichen Dämpfer geben könnte. Diese Geschichte vom Regisseur-Duo Jonathan Dayton und Valerie Faris verfilmen zu lassen, war eine hervorragende Idee. Auch ihr Film „Little Miss Sunshine“ ist eine wunderbare Dramödie, die es sehr gut versteht, dramatische mit komischen und teils grotesken Momenten zu verbinden. Auch hier steht der Spaß eindeutig im Vordergrund. Mein absolutes Highlight in diesem Film kann symbolisch für den ganzen Film an sich stehen: Steve Carell erleben wir hier in seiner besten Rolle. Er versteht es brillant, Bobby Riggs einerseits als den Macho darzustellen, der er nun mal war – auf der anderen Seite ist er aber auch jederzeit das liebenswerte Schlitzohr, der Verlierertyp, der sein Leben nach der glanzvollen Tenniszeit nie so ganz unter Kontrolle bringen konnte, aber dabei doch ein Mensch mit viel Herz geblieben ist. Wenn er etwa im Vorfeld des Matches mit einer Bratpfanne als Tennisschläger zu sehen ist, um zu zeigen, dass er selbst damit die Frauen in Grund und Boden spielen könnte, dann ist das natürlich anmaßend – aber eben auch herzerfrischend lustig.

Daraus könnte man dem Film natürlich einen Strick drehen, denn hier findet sich mein einziger Kritikpunkt an dem Film: dafür, dass das Thema Frauenrechte behandelt wird, kommt es im Film nur sehr beiläufig vor. Alles ist ein wenig zu lustig, als dass man wirklich ein Gefühl dafür kriegen würde, wie sehr Frauen damals noch benachteiligt gewesen sind. Die Gesellschaftskritik bleibt somit sehr oberflächlich und geht eher in einer einzigen Neckerei a la „Ich bin eben besser als die anderen“ unter. Hier hätte ich mir noch ein paar andere Beispiele gewünscht, die das Thema Benachteiligung von Frauen noch greifbarer gemacht hätten.

Emma Stone wird ihrer Rolle gerecht. Im Vergleich zu Carell geht sie ein wenig unter, da sie Billie Jean King eben nicht als so super-sympathisch und spitzbübisch darstellt, sondern eher als rational denkende Frau, die auf ihre Rechte pocht. Natürlich macht die frisch mit einem Oscar ausgezeichnete Stone (“La La Land”) in ihrer Rolle alles richtig, der nächste Goldjunge wird für diese Performance aber vermutlich nicht fällig.

„Battle Of The Sexes“ ist ein durchweg unterhaltsamer Film, der einem gut erklärt, wie es zu diesem historischen Schau-Duell gekommen ist, welche Beweggründe King dazu gebracht haben, nach ihrer anfänglichen Ablehnung dann doch noch zuzusagen. Und auch die Geschichte einer Frau, die eben nicht heutzutage ihre Liebe zu anderen Frauen bemerkt, sondern Anfang der 70er Jahre, ist sehr sehenswert – zumal sie ja nicht irgendeine Frau war, sondern eine, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand. Die innere Zerrissenheit, die King angesichts ihrer neu entdeckten Liebe verspürt, wird von Emma Stone sehr greifbar dargestellt. Fast schon unglaubwürdig wirkt hingegen die Reaktion ihres Mannes auf ihre heimliche Liaison, die von unvorstellbarer menschlicher Größe geprägt ist.

Doch immer dann, wenn der Film drohen könnte, ins Drama abzurutschen, ist auch schon Steve Carell mit einem unsagbaren Macho-Spruch zu sehen oder eine der smarten Spielerinnen macht einen flotten Kommentar. Ein wenig Drama ist okay, aber den Kinosaal verlässt man dann eher nicht nachdenklich, sondern mit einem beschwingten Gefühl, weil die 2 Stunden Film wie im Fluge vergangen sind.

Diese Kritik erschien zuerst beim Fifi-Blog.

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