28 Weeks Later

28weekslater_poster02.jpgOriginaltitel: 28 Weeks Later
Herkunftsland/Jahr: England, 2007
Länge: 99 Minuten
Kinostart: 30. August 2007
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesus Olmo, Enrique Lopez Lavigne
Darsteller: Robert Carlyle, Rosy Byrne, Jeremy Renner, Imogen Poots
Genre: Horror
Für Freunde von: 28 Days Later, Dawn Of The Dead
Offizielle Webseite – IMDBTrailer

Andys

Inhalt:

Nachdem in „28 Days later“ ein Killervirus aus den Bewohnern Englands blutrünstige Bestien gemacht hat, beginnt im Nachfolger „28 Weeks later“ die Wiederansiedlung der geflohenen Briten in London. Die US-Armee hat den Stadtteil Canary Wharf hermetisch abgeriegelt und gibt den Briten im ehemaligen Bankenviertel eine neue Bleibe. Doch es kommt, wie es kommen muss: durch einen Zufall bricht das Virus wieder aus. Nachdem die Situation vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist, läuten die US-Generäle „Code Red“ ein: die Vernichtung jeglichen Lebens innerhalb der Sperrzone.

Frisch in der alten Heimat angekommen, machen sich die beiden Teenager Tammy und Andy auf die Flucht vor der Massenvernichtung. Begleitet werden sie von der Army-Medizinerin Scarlett und dem Scharfschützen Doyle. Gemeinsam suchen sie ein Schlupfloch, um dem sicheren Tod zu entkommen. Nur um zu merken, dass außerhalb der Schutzzone durch ebenfalls flüchtende Virus-Träger auch eine tödliche Gefahr besteht.

andi1.jpegAndy:

Während die englische Fachpresse voll des Lobes war, zeigte sich das deutsche Publikum nach der ersten Aufführung wesentlich skeptischer. Bemängelt wurden vor allem einige Logikfehler, unsinnige Handlungen und der teilweise Verzicht auf Realitätsnähe. Doch gerade in diesem Punkt muss ich widersprechen. Zwar bieten die kritisierten Punkte tatsächlich eine große Angriffsfläche (genauere Details ersparen wir der Spoiler-Freiheit wegen), aber im großen und ganzen zeichnet der Film meiner Meinung nach schon ein sehr realitätsnahes Bild eines zusammengebrochenen England.

Luftaufnahmen von menschenleeren Londoner Straßenschluchten wirken ebenso bedrückend wie US-Panzer in der Nähe bekannter Wahrzeichen. In Sachen atmosphärische Dichte braucht „28 Weeks Later“ sich nicht hinter dem ebenso futuristisch-morbiden London aus „Children Of Men“ zu verstecken. Und hier sind wir auch schon bei dem Punkt, der mir an diesem Film eine ganze Menge Spaß gemacht hat: alles wirkt ziemlich echt. In vielen Situationen dachte ich mir „Genau so könnte es ablaufen.“ Neuankömmlinge wandern auf eine Quarantäne-Station, die nicht futuristisch, sondern real aussieht. Die Umsetzung von „Code Red“ wird in ihrer ganzen Konsequenz detailliert gezeigt – inklusive Sniper-Angriffen auf Hilflose, Napalm-Bombardements und Giftgaswolken rund um Piccadilly Circus. Auch wenn die Hintergrundgeschichte eines Killer-Virus mit Tollwut-Charakter etwas weit hergeholt ist: die Reaktionen auf den Ausbruch einer Seuche wirken real und sorgen für den besonderen Thrill.

Kameratechnisch ist die ganze Hatz sehr gut in Szene gesetzt. Von vielen bemängelt, von mir gelobt: in wirklich actiongeladenen Szenen, in denen die Infizierten wüten, bekommen wir meist nur unscharfe Handkamera-Bilder zu sehen. Ich für meinen Teil finde es gut, dass hier nicht wie etwa in „Hostel“ oder „Saw“ knallhart draufgehalten wird, sondern man das Grauen meist nur aus dem Augenwinkel sieht und sich den Rest selbst denken kann. Blut fließt zudem zuhauf, so dass die barbarischen Angriffe doch gut in Szene gesetzt sind. Außerdem gibt es einige Szenen, in denen der Zuschauer praktisch durch das Zielfernrohr eines Snipers oder durch ein Nachtsichtgerät schaut. Interessante Einstellungen, die dem Film sehr dienlich sind.

Schauspielerisch wird dem Cast nicht wirklich Großes abverlangt, entsprechend sollte man keine Heldentaten erwarten. Die beiden Teens füllen ihre Rolle zwar aus, Zeit für Tiefgang oder gar charakterliche Entwicklung bleibt jedoch nicht. Auch die anderen Charaktere sind halt da, aber nicht wirklich präsent. Einzig Robert Carlyle hat einige wirklich gute Szenen. Sei es drum: in einem Action-Reißer wie diesem erwarte ich keinen furios aufspielenden Sean Connery.

Untermalt wird das ganze Endzeit-Epos von einem düsteren Soundtrack, der von Muse beigesteuert wurde. Ich meine mich jedoch zu erinnern, dass die musikalische Untermalung in der englischen Version etwas auffälliger und abwechslungsreicher war (der „Soundtrack“ zum Trailer war furios, fehlt aber leider im Film selbst).

Wer über kleine Logikfehler hinwegsehen kann und sich gerne auf ein in seiner Gesamtheit durchaus vorstellbares „Was passiert, wenn…“-Szenario einlässt, der bekommt mit „28 Weeks Later“ einen Film, der atmosphärisch sehr dicht ist und viele Spannungsmomente birgt. Meinem Empfinden nach war er besser als der erste Teil, welcher zum Ende hin deutlich abgeflacht ist.

Hinterlasse uns einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.