Die Liebe in mir

dieliebeinmir-poster2.jpgOriginaltitel: Reign Over Me
Herkunftsland/Jahr: USA, 2007
Länge: 124 Minuten
Kinostart: 16. August 2007
Regie: Mike Binder
Drehbuch: Mike Binder
Darsteller: Adam Sandler, Don Cheadle, Liv Tyler, Jada Pinkett Smith
Genre: Drama
Für Freunde von: In den Schuhen meiner Schwester
Offizielle WebseiteIMDBTrailer

Andys

Inhalt:

Zu Collegezeiten teilten sich die beiden Zahnmedizin-Studenten Charlie Fineman und Alan Johnson ein Zimmer. Nachdem sie sich im riesigen Moloch New York aus den Augen verloren haben, treffen die beiden sich Jahre später per Zufall wieder. Die Wendungen in ihrem Leben könnten unterschiedlicher nicht sein: Johnson hat eine gut laufende Zahnarzt-Praxis und hat Frau und Kinder. Doch unter der Oberfläche brodelt es, denn er würde gerne mehr in seinem Leben machen als Abends mit der Dame des Hauses Puzzles zu lösen. Fineman hingegen wäre froh wenn er Frau und Kinder noch hätte: diese sind saßen bei den Anschlägen vom 11. September in einem der Flugzeuge. Jäh aus der heilen Welt gerissen gab Fineman seine Praxis auf und lebte fortan von der Entschädigung, die ihm die Fluggesellschaft gezahlt hat. Sein Leben nach 9/11 sieht aus wie jenes das eines Jugendlichen: abhängen, essen gehen, Filme gucken, Platten sammeln und Games daddeln. Eine Lebensweise, die auf Johnson einen jugendlichen Charme ausstrahlt. Die beiden zusammengeführten Freunde vertreiben sich gemeinsam die Zeit, was in Johnsons Ehe bald zu einer Krise führt. Wirkliche Probleme hingegen hat natürlich Fineman: versucht Johnson ihn auf die Tragödie seiner Familie anzusprechen, rastet er aus und macht dicht. Johnson merkt, dass Fineman den Schmerz nicht ansatzweise verarbeitet hat und möchte ihm gern helfen, aber das ist gar nicht so einfach.

andi1.jpegAndy:

Dieser Film sorgt für eine große Überraschung: Adam Sandler, der bisher eigentlich nur in harmlosen Komödien aufgefallen ist, taugt auch zum Charakter-Darsteller. Zumindest braucht er sich hinter dem oscar-nominierten Cheadle („Hotel Ruanda“) nicht zu verstecken. Im Gegenteil: die Rolle des verhärmten Introvertierten verlangt ihm noch wesentlich mehr ab als seinem Kollegen. Sandler schafft es beim Zuschauer Mitgefühl zu wecken und als ernstzunehmender Schauspieler zu überzeugen.

Dabei fällt das teilweise gar nicht so leicht: dass Finemans Familie ausgerechnet am 9/11 stirbt, soll vermutlich beim Publikum noch einen besondern „O! I see…“-Bonus bewirken und zusätzliche Betroffenheit erzeugen – für die Story an sich spielt die Todes-Art keinerlei Rolle. Auch die Problemchen des frustrierten Zahnarztes werden für meinen Geschmack etwas zu plakativ dargestellt. Dass in der Ehe etwas nicht ganz richtig läuft, hätte man auch subtiler darstellen können als mit einer gemütlichen Puzzle-Runde am Wohnzimmertisch. Zumal Jada Pinkett-Smith für einen solch tristen Alltag einfach viel zu attraktiv scheint. Da hätte eher ein Mauerblümchen gut getan anstatt dieser absoluten Klassefrau.

Trotz solch kleiner Macken kann der Film aber durchaus überzeugen und berühren. Wenn die beiden College-Freunde gemeinsam eine Jam-Session machen und somit ihre Jugendfreundschaft wieder entdecken, gibt’s ein wohliges Kribbeln in der Magengegend. Johnson blüht durch die kindliche Spontaneität von Fineman dermaßen auf, dass es eine wahre Freude ist, den beiden beim „Abhängen“ zuzusehen. Wenn Fineman dann – soviel sei verraten – beginnt sich mit dem Verlust seiner Familie auseinanderzusetzen, geht das teilweise sehr tief unter die Haut.

Sandler spielt den in sich gekehrten, wortkargen und teils verwirrten Vagabunden, ohne ihn in die Kategorie des Volldeppen abrutschen zu lassen. Teils lockern ein paar flotte Sprüche und lustige Sequenzen den Film erfreulich auf, ohne ihm aber eine zu starke komödiantische Note zu geben. Das Drama steht hier klar im Vordergrund, verstärkt durch einen fabelhaften und stimmigen Soundtrack.

Es ist immer ein großes Wagnis die Themen Trauer und Komödie in einen Film zu fassen. Während es in „Lieben und lassen“ erst jüngst ziemlich daneben ging und ebenso kürzlich in „Sterben für Anfänger“ einen wesentlich stärkeren Hang zur Komödie hatte, kann „Die Liebe in mir“ nun vollends überzeugen: als ein ruhiger, nachdenklicher Film rund um die Themen Trauer, Lebensfreude und Freundschaft. Die pointierte Komik ist ein gelungenes Sahnehäubchen, das den Film vor einem depressiven Tränenmeer schützt.

Hinterlasse uns einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.