Motel

motel_poster_2.jpgOriginaltitel: Vacancy
Herkunftsland/Jahr: USA, 2007
Länge: 85 Minuten
Kinostart: 19. Juli 2007
Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Mark L. Smith
Darsteller: Kate Beckinsale, Luke Wilson, Frank Whaley
Genre: Thriller
Für Freunde von: The Hills Have Eyes, Psycho
Offizielle WebseiteIMDBTrailer

Ollys [rating:7/10]

Inhalt:

Es gibt Tage im Leben, da geht einfach alles schief. In tiefster Nacht gibt das Auto des zerstrittenen Noch-Ehepaares David und Amy Fox mitten im Nirgendwo den Geist auf. An einen Automechaniker ist um diese Uhrzeit nicht mehr zu denken, so steigen sie beide übermüdet in einem Motel ab. Und als wenn schmierige Bettbezüge und handtellergroße Kakerlaken in der Honeymoonsuite noch nicht schlimm genug wären, finden sie im Videorekorder ihres Zimmers einen beängstigenden Film. Mehrere Männer erstechen zwei Frauen, deren hilfloses Geschrei durch Mark und Bein geht. Allem Anschein nach ist das kein Spielfilm, sondern gefilmte Realität – und der Mord spielt sich in ihrem Motel-Zimmer ab! David entdeckt im Zimmer verteilt versteckte Kameras – und schon klopft es an der Tür. Die Menschenjagd beginnt.

Auf den ersten Blick macht der Film vieles richtig: die Story klingt interessant und passt sich mit seinen gefilmten Reality-Morden gut in die Reihe der „Hostel“- und „Saw“-Filme ein. Auch der dreckige Schmuddel-Look erinnert an die vorgenannten Filme. Nur leider ist die Story dann eher zum Kopfschütteln denn zum Luftanhalten. Zu viele Ungereimtheiten sorgen dafür, dass die rechte Spannung nicht aufkommen will. Zu häufig passieren Aktionen, die anscheinend nur dazu dienen die Story ein wenig in die Länge zu ziehen anstatt zu einem schnellen Ende zu kommen.

Erfreulicherweise wird trotz des morbiden Settings wenig Gewalt explizit gezeigt. Wer hier große Blutfontänen und Fleischwunden erwartet, wird herb enttäuscht. Gut, dass der Realismus hier mal nicht so ausgeschlachtet wird durch stupides Kameradraufhalten wie in anderen Filmen des Genres. Schade nur, dass der Film gerade zum Ende hin viel von dem anfangs vermittelten Realismus einbüßt. Dadurch verliert er leider nicht nur eine gewisse Glaubwürdigkeit, sondern auch das Interesse des Zuschauers.

Kate Beckinsale und Luke Wilson spielen innerhalb ihrer Möglichkeiten durchschnittlich, können letztlich aber nicht fesseln. Rein filmtechnisch gesehen könnte der Streifen auch wesentlich früher entstanden sein. Statt moderner Kamerafahrten und perfekt gesetzter Bildausschnitte gibt es hier nur konventionelle Massenware. Somit ist „Motel“ ein Film, der dem geneigten Zuschauer einen schönen DVD-Abend bieten kann, für das Kino kommt dieser Film aber zwei, drei Jahrzehnte zu spät.

Olly:

Überraschung. Nach den eher durchwachsenen Kritiken war ich angenehm von Motel überrascht. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass endlich mal ein normaler Horror-Thriller ins Kino kommt, der sich darauf konzentriert, den Zuschauer zu thrillen und nicht darauf, die Gewaltspirale ein wenig weiter zu überdrehen. Gedreht wurde Motel vom Regie-Neuling Nimrod Antal, der vor Jahren mit seinem glänzenden Erstling Kontroll in Cannes gefeiert wurde.

Es ist natürlich schade, dass er sein Talent nun in eine recht flache Produktion steckt, deren Budget vermutlich zum größten Teil in die bekannten Gesichter Kate Beckinsale und Luke Wilson geflossen ist. Er zeigt aber auch sehr schön, dass man durch eine stimmige Atmosphäre und fesselnde Inszenierung deutlich mehr Spannung aufbauen kann, als mit tumber Gewalt.

Denn davon ist in Motel erfreulich wenig zu sehen. Einzig in den von den Killern gedrehten Snuff-Filmen wird Gewalt explizit dargestellt. Ein gelungener Kniff, so das Grauen darzustellen. Kate Beckinsale und Luke Wilson machen ihre Sache als von Angst zerfressenem Paar ziemlich gut, gemessen an ihren Möglichkeiten.
Natürlich gibt es die üblichen Klischees und genretypischen Probleme und das Ende hat mich auch alles andere als überzeugt. Abseits davon ist Motel aber ein sehr gelungener Thriller, der mich seit langer Zeit mal wieder richtig gefesselt hat, inklusive angekauter Fingernägel. Eine echte Überraschung mit einer kleinen Verbeugung an den Genreklassiker Psycho.

Der Film war schon lang von mir erwartet, verspach der Trailer doch eine Jagd nach unbescholtenen Bürgern und ihre Versuche zur Flucht.

Und der Trailer versprach nicht zu viel. Ziemlich schnell machte sich in mir eine bedrückende Stimmung breit, gepaart mit einem kleinen Hauch von Furcht. Und da hat mich der Film gepackt, wo er mich am Besten bekommt: Nicht der blutigste Splatter jagt mir den Schrecken in die Knochen, sondern die kleinen, aber feinen Psychotricks, die man aus der Realität auch kennt. Wer verspürt nicht ein kleines bisschen Unbehagen, wenn es hinter der nächsten Tür sehr komische Geräusche gibt? Das zeichnet den Film aus: Bis auf die wenigen Gewaltdarstellungen in den Videos ist der Film frei von Gewalt und Blut, hebt sich somit deutlich von anderen Streifen wie Saw oder Hostel ab.

Seine Chancen verspielt der Film aber in einer allzu voraussehbaren Story, unsinnigem Verhalten der Protagonisten und starke Logikfehler, über die man nicht mehr hinwegsehen kann. Dadurch geht eine Menge der aufgebauten Stimmung verloren, es führt teilweise sogar zu kleinen Schmunzlern über Situationen, die so gar nicht zum Schmunzeln sind. Keiner verlangt, dass ein Film in sich schlüssig ist, aber gewisse Logikpatzer und Verhaltensweisen der Protagonisten fielen schon in anderen Filmen auf und sollten deswegen nicht wiederholt werden.

All das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass ich mich mehrmals ziemlich derb erschrocken habe. Letztendlich ist und bleibt der Film aber ein mittelmäßiges Werk ohne besondere Höhen, aber glücklicherweise auch ohne extreme Tiefen.

Hinterlasse uns einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.