Who am I? – Kritik und Gewinnspiel

Ein deutscher Cyber-Thriller? Schon eine dieser beiden Kombinationen in einer deutschen Produktion würde normalerweise ein Schaudern über den Rücken laufen lassen. Doch WHO AM I? ist anders –  nicht nur, weil er gerade in den Kino-Charts ganz nach oben geschossen ist, beweist der Film: Deutschland kann großes Kino. Und das sogar richtig gut.
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Story

Benjamin (Tom Schilling) ist der klassische Außenseiter, Einzelgänger. Nicht einmal gemobbt in der Schule, gänzlich unbeachtet von der Welt, verbringt er seine Zeit alleine am Computer. Durch einen Zufall macht er Bekanntschaft mit einer Gruppe von Hackern, die seine bemerkenswerten Programmier-Fähigkeiten entdecken und schätzen. So findet Benjamin zum ersten Mal Anerkennung, Freunde und einen Ausweg aus der Bedeutungslosigkeit. Doch die Aktionen der jungen Hacker-Gruppe, die fortan unter dem Namen „CLAY“ agiert, werden aggressiver in ihrer Suche nach internationaler Wertschätzung, bis die Situation schließlich eskaliert.

Trailer

Kritik

Vom Tellerwäscher zum Millionär. Vom Außenseiter zum coolen Hacker, der die Welt in Bewegung bringt, der endlich nicht mehr von ihr missachtet wird. Eine bekannte Geschichte, aus dem Mafia-Film oder nach Superhelden-Marvel-Rezept. Auch der Hacker-Film ist an sich nichts Neues, konnte es bisher aber nie wirklich in den Mainstream schaffen.

Lässt man einmal den Blick auf die politische und gesellschaftliche Aktualität von Themen wie Datenklau und Cyber-Kriminalität außen vor, die der Film glücklicherweise nicht sonderlich in den Mittelpunkt stellt, finden wir also in WHO AM I? zunächst eine Mischung aus frischem Wind und bewährtem Konzept. In einer großen Rückblende entfaltet sich die Handlung des Films. Benjamin hat sich gestellt, sitzt in einem Verhörzimmer und erzählt seine Geschichte, von den Anfängen seiner schwierigen, elternlosen Kindheit bis hin zu medienwirksamen Cyber-Attacken auf bedeutende Institutionen. Wir begleiten ihn durch seine Entwicklung vom Niemand zum Kopf einer kriminellen Organisation, vom Außenseiter zum begabten Hacker und zum geschätzten Mitglied seiner Gruppe, seiner Freunde.

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Max (Elyas M’Barek) will vor allem die Aufmerksamkeit der großen Fische – geht er dafür einen Schritt zu weit?

WHO AM I? gelingt es dadurch, sich nicht zu sehr am Hacken und an den Strukturen digitaler Kriminalität aufzuhalten. Stattdessen erzählt der Film die Geschichte einer Gang, die zwar Server statt Banken ausraubt und Gewinnspiel-Hotlines manipuliert statt Schutzgelder beim Imbiss an der Ecke zu erpressen – letztlich ist die Narration aber dieselbe. Getragen von Benjamins Off-Kommentar, erleben wir die Handlung mit seinen Erinnerungen. Auch hier eine formale Struktur, die WHO AM I? nicht neu erfindet, auch gar nicht neu erfinden braucht, sondern lediglich mit einem charismatischen Charakter ausstattet. Benjamin ist vielseitig, offenbart nach und nach immer weitere Schichten seiner Identität. Dabei ist diese Entwicklung nicht minder interessant und packend als die Hack-Angriffe, von denen er erzählt. Diese Ausgewogenheit hält den Film am Boden. Es wird kein atomares Steuerprogramm gehackt, das die Welt in die totale Vernichtung führen könnte (WARGAMES, 1993), die Figuren wollen lediglich die mediale Aufmerksamkeit, ein bisschen Spaß und ein bisschen Macht. Sie verfangen sich zwar schließlich in Verstrickungen großer Cyber-Mafias, der Film erzählt aber diesen Plot konsequent aus der Sicht Benjamins, der die Aktionen reflektiert und so verhindert, dass der Film sich übernimmt. Er bleibt im Rahmen seiner erzählerischen Möglichkeit und wird, und das ist ein großer Verdienst, nicht albern.

Dazu trägt insbesondere auch die Gestaltung der technischen Vorgänge bei – es ist kein neues Phänomen, dass Filme sich sehr schwer damit tun, glaubwürdiges Hacken zu inszenieren. WHO AM I? umgeht dieses Problem mit einer geschickten gestalterischen Idee: Das DarkNet, die Hinterhöfe des Internets, wird visualisiert als schäbiger U-Bahn-Waggon im schwarzen Nirgendwo, in dem die bunt-maskierten User sich austauschen. Dateien sind Pakete, Chats sind abgesperrte Abteile, die Nachrichten werden Dialog. So schafft es der Film nicht nur, eine stimmige Ästhetik für einen technischen Vorgang zu finden, sondern bleibt auch hier der Narration einer Gangster-Geschichte treu, in der die verfeindeten Gruppen sich in ihren Hinterzimmern treffen, verhandeln, gegenseitig ausspionieren.

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Ben (Tom Schilling, rechts) findet in den anderen Jungs der Gruppe CLAY endlich Freundschaft und Anerkennung

Was man beinahe vergisst: Es handelt sich um eine deutsche Produktion. Ein deutscher Mafia-Film? Ein dunkler Gangster-Streifen spielt in Berlin? Tatsächlich geht das Prinzip auf. Vielleicht nicht zuletzt, weil digitale Kriminalität weit weniger an lokale Milieus gebunden ist – es braucht kein Boston oder Chicago. Es geht nicht um das Viertel, um die Gebiete im Stadtplan. Damit erfrischt der Film die bekannte Gangster-Erzählung, trägt sie in die Tagesrealität und schafft es umgekehrt, eine Hacker-Geschichte mittels bewährter Strategien, allgemeinverträglich und doch glaubwürdig und faktensicher zu erzählen. WHO AM I? schafft es einerseits durch seinen Stil, der an US-amerikanische Crime-Serien erinnert, andererseits aber vor allem durch seine packende, ausgewogene Handlung, durch glaubwürdige, interessante Figuren und eine allgemeinverträgliche, aber immer dem Thema treue Umsetzung, ein internationaler Film aus Deutschland zu sein. Ein wirklich guter und hoffentlich entsprechend erfolgreicher Film. Es ist lange her, dass deutsche Filme Blockbuster-Potenzial gezeigt haben. Aber es ist umso erfreulicher, dass WHO AM I? dies  so überzeugend tut.

GewinnspielWD_STD_PS3_3D_GER

Wir verlosen zum Kino-Start des Films ein Exemplar des PS3-Spiels Watch Dogs. Um am Geinnspiel teilnehmen zu können, beantwortet folgende Frage in einem Kommentar unter diesem Artikel:

Die Gruppe hackt unter anderem die Beleuchtung im Büro-Gebäude eines Pharma-Konzerns und schreibt mit den erleuchteten Fenster “We kill animals” über die Fensterfront. – Wenn ihr könntet, wen würdet ihr hacken und welchen Spaß würdet ihr euch dann erlauben?

Lasst eure Kreativität von der Leine und schreibt eure Idee in einen Kommentar unter diesen Artikel. Unter allen Teilnehmern wird der Gewinner ausgelost. Einsendeschluss ist der 5. Oktober, 18.00 Uhr.

Es gelten unsere Teilnahmebedingungen, mit denen ihr euch durch die Teilnahme am Gewinnspiel einverstanden erklärt.
Beachtet bitte, dass es sich bei dem Spiel um einen FSK-18-Titel handelt und ihr für die Teilnahme am Gewinnspiel 18 Jahre alt sein müsst. Ein Alters-Nachweis des Gewinners ist erforderlich.

Weitere Infos und Material zum Film findet ihr auf dessen offizieller Webseite.

Kommentare(13)
  1. Meix 30.09.2014
  2. Maharishi Bibo 30.09.2014
  3. Chris Kaiser 01.10.2014
  4. Sternenmeer 02.10.2014
  5. Jobbe 02.10.2014
  6. Sebastian 02.10.2014
  7. Dragonlady 03.10.2014
  8. Sebastian 03.10.2014
  9. Der_Stille_Pupser 04.10.2014
  10. Rogist 05.10.2014
  11. Sanzinia 05.10.2014
  12. Hamsterspitzmaus 05.10.2014
  13. Lars 05.10.2014

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