Posts Tagged ‘Komödie’
Die Liebe in mir
Geschrieben von andreas am 02. August 2007 unter Film || keine Kommentare
Originaltitel: Reign Over Me
Herkunftsland/Jahr: USA, 2007
Länge: 124 Minuten
Kinostart: 16. August 2007
Regie: Mike Binder
Drehbuch: Mike Binder
Darsteller: Adam Sandler, Don Cheadle, Liv Tyler, Jada Pinkett Smith
Genre: Drama
Für Freunde von: In den Schuhen meiner Schwester
Offizielle Webseite – IMDB – Trailer
Andys 
Inhalt:
Zu Collegezeiten teilten sich die beiden Zahnmedizin-Studenten Charlie Fineman und Alan Johnson ein Zimmer. Nachdem sie sich im riesigen Moloch New York aus den Augen verloren haben, treffen die beiden sich Jahre später per Zufall wieder. Die Wendungen in ihrem Leben könnten unterschiedlicher nicht sein: Johnson hat eine gut laufende Zahnarzt-Praxis und hat Frau und Kinder. Doch unter der Oberfläche brodelt es, denn er würde gerne mehr in seinem Leben machen als Abends mit der Dame des Hauses Puzzles zu lösen. Fineman hingegen wäre froh wenn er Frau und Kinder noch hätte: diese sind saßen bei den Anschlägen vom 11. September in einem der Flugzeuge. Jäh aus der heilen Welt gerissen gab Fineman seine Praxis auf und lebte fortan von der Entschädigung, die ihm die Fluggesellschaft gezahlt hat. Sein Leben nach 9/11 sieht aus wie jenes das eines Jugendlichen: abhängen, essen gehen, Filme gucken, Platten sammeln und Games daddeln. Eine Lebensweise, die auf Johnson einen jugendlichen Charme ausstrahlt. Die beiden zusammengeführten Freunde vertreiben sich gemeinsam die Zeit, was in Johnsons Ehe bald zu einer Krise führt. Wirkliche Probleme hingegen hat natürlich Fineman: versucht Johnson ihn auf die Tragödie seiner Familie anzusprechen, rastet er aus und macht dicht. Johnson merkt, dass Fineman den Schmerz nicht ansatzweise verarbeitet hat und möchte ihm gern helfen, aber das ist gar nicht so einfach.
Andy:
Dieser Film sorgt für eine große Überraschung: Adam Sandler, der bisher eigentlich nur in harmlosen Komödien aufgefallen ist, taugt auch zum Charakter-Darsteller. Zumindest braucht er sich hinter dem oscar-nominierten Cheadle („Hotel Ruanda“) nicht zu verstecken. Im Gegenteil: die Rolle des verhärmten Introvertierten verlangt ihm noch wesentlich mehr ab als seinem Kollegen. Sandler schafft es beim Zuschauer Mitgefühl zu wecken und als ernstzunehmender Schauspieler zu überzeugen.
Dabei fällt das teilweise gar nicht so leicht: dass Finemans Familie ausgerechnet am 9/11 stirbt, soll vermutlich beim Publikum noch einen besondern „O! I see…“-Bonus bewirken und zusätzliche Betroffenheit erzeugen – für die Story an sich spielt die Todes-Art keinerlei Rolle. Auch die Problemchen des frustrierten Zahnarztes werden für meinen Geschmack etwas zu plakativ dargestellt. Dass in der Ehe etwas nicht ganz richtig läuft, hätte man auch subtiler darstellen können als mit einer gemütlichen Puzzle-Runde am Wohnzimmertisch. Zumal Jada Pinkett-Smith für einen solch tristen Alltag einfach viel zu attraktiv scheint. Da hätte eher ein Mauerblümchen gut getan anstatt dieser absoluten Klassefrau.
Trotz solch kleiner Macken kann der Film aber durchaus überzeugen und berühren. Wenn die beiden College-Freunde gemeinsam eine Jam-Session machen und somit ihre Jugendfreundschaft wieder entdecken, gibt’s ein wohliges Kribbeln in der Magengegend. Johnson blüht durch die kindliche Spontaneität von Fineman dermaßen auf, dass es eine wahre Freude ist, den beiden beim „Abhängen“ zuzusehen. Wenn Fineman dann – soviel sei verraten – beginnt sich mit dem Verlust seiner Familie auseinanderzusetzen, geht das teilweise sehr tief unter die Haut.
Sandler spielt den in sich gekehrten, wortkargen und teils verwirrten Vagabunden, ohne ihn in die Kategorie des Volldeppen abrutschen zu lassen. Teils lockern ein paar flotte Sprüche und lustige Sequenzen den Film erfreulich auf, ohne ihm aber eine zu starke komödiantische Note zu geben. Das Drama steht hier klar im Vordergrund, verstärkt durch einen fabelhaften und stimmigen Soundtrack.
Es ist immer ein großes Wagnis die Themen Trauer und Komödie in einen Film zu fassen. Während es in „Lieben und lassen“ erst jüngst ziemlich daneben ging und ebenso kürzlich in „Sterben für Anfänger“ einen wesentlich stärkeren Hang zur Komödie hatte, kann „Die Liebe in mir“ nun vollends überzeugen: als ein ruhiger, nachdenklicher Film rund um die Themen Trauer, Lebensfreude und Freundschaft. Die pointierte Komik ist ein gelungenes Sahnehäubchen, das den Film vor einem depressiven Tränenmeer schützt.
Idiocracy
Geschrieben von andreas am 29. Juli 2007 unter Film || Ein Kommentar
Titel/Originaltitel: Idiocracy
Herkunftsland/Jahr: USA, 2006
Länge: 84 Minuten
Kinostart: 25. Januar 2007
Regie: Mike Judge
Drehbuch: Mike Judge
Darsteller: Luke Wilson, Maya Rudolph, Dax Shepard
Genre: Komödie
Für Freunde von: Luke Wilson…;-)
Offizielle Webseite – IMDB – Trailer
Andys 
Inhalt:
Menschheit – quo vadis? Wie sieht unsere Zukunft aus? Während die meisten Filme uns eine hochtechnisierte Welt zeigen, in der coole und intelligente wirklich schlaue Dinge tun (oder sich mit ihrer hohen Intelligenz gerissene Gemeinheiten ausdenken…), geht Mike Judges „Idiocrazy“ einen anderen Weg. Ausgehend von der These, dass die sozial benachteiligten wesentlich mehr Kinder in die Welt setzten als die Intellektuellen, die sich mehr ums Karriere-Vorankommen als um Nachwuchs kümmern, wird uns eine erschreckende Welt vor Augen geführt. Der absolute Durchschnitts-Soldat Joe Bauers wird durch ein misslungenes Experiment 500 Jahre in die Zukunft verschlagen. Doch anstatt der vermuteten blitzblanken High-Tech-Sauberwelt erwarten ihn Völkerscharen von verdummten Menschen, die zwar viel High-Tech haben, aber dafür keinen Grips mehr im Kopf. Mit Intelligenz hat das alles nichts mehr zu tun. Und da der Blinde auch in 500 Jahren noch unter den Einäugigen der König ist, wird Joe, der in seinem früheren Leben durch stupides Nichtstun aufgefallen ist, zum intelligentesten Menschen der Welt erklärt. Schnell erhält er vom Präsidenten der Vereinigten Staaten (ein Ex-Pornostar und Catcher) den Auftrag die Probleme der Welt zu lösen.
Andy:
Mir persönlich macht die These des Drehbuchautors auch jedes Mal Bauchschmerzen wenn ich am Hannoverschen Hauptbahnhof sitze und mir vorstelle, dass die vorbeitrottenden Gestalten irgendwann mal für meine Rente aufkommen sollen. In der gesellschaftskritischen Grundidee des Films steckt viel Potenzial. Leider wird die ganze Sprengkraft dieser allzu realistischen These bereits in den ersten fünf Minuten verballert: an dem Beispiel zweier Paare – einerseits die „Karrieremenschen“, andererseits die „Vollpfosten“ – wird die Entwicklung hin zum Volk der Verdummten sehr eindringlich und äußerst lustig verbildlicht. Während erstere „irgendwann mal Kinder wollen, wenn’s in die berufliche Planung passt“, ist bei letzteren ein „Verdammt, ich bin schon wieder schwanger!“ ein jährlich wiederkehrender Ausruf. Sehr plakativ und unterhaltsam. Hier musste ich wirklich Tränen lachen, auch wenn die Beispiele schon fast zu realistisch waren.
Leider kann die folgende Handlung rund um Soldat Joe Bauers dieses hohe Niveau zu keiner Sekunde erreichen. Anstatt ein wenig hintergründige Sozialkritik zu üben und hier und da dem Zuschauer das Weiterdenken zu überlassen, ergeht sich der Film in offensichtlichen Banalitäten mit leichtem Hang zum platten Fäkalhumor. Dass beispielsweise „Starbucks“ in 500 Jahren ein Bordell ist, weil es eine „Full Body Latte“ anbietet, zeigt in etwa das Niveau der Witze. Nur selten regen einige Spitzen wirklich zum Nachdenken an: gelungene Sozialkritik wie etwa ein Gerichtssaal voll Bandenwerbung, ist sehr selten.
Gerade auch beim Charakter des amerikanischen Präsidenten hätte man beim derzeitigen Amtsträger genug Vorlagen für bissige Real-Satire gehabt, so dass man sich den plumpen Catcher und Pornostar hätte sparen können. Ein trotteliger Präsident wie ihn Dennis Quaid bravourös in „American Dreamz“ gegeben hat, hätte wesentlich mehr Chamre gehabt als ein schwarzer Muskelprotz mit langen Haaren, der dauern “Hey Baby” und ähnliches schreit. Die Witze bleiben durchweg zu dumm und zu harmlos, als dass einen der Fortgang der Geschichte auch nur ansatzweise interessieren würde. Da erstaunt es nicht, dass der Verleiher Fox selbst für die Aufführung in den USA nicht einmal Plakate druckte, so schlecht wie der Film in Test-Screenings ankam.
Auch Luke Wilson bleibt in seiner Rolle des Durchschnitts-Soldaten mehr als unauffällig. Zwar kann das Methode und Absicht sein, aber wenn ein realer Schauspieler weniger Tiefe bringt als eine Animationsfigur, dann „Gute Nacht“. Vielleicht hätte der Film als CGI-Komödie aus dem Hause Pixar besser gewirkt. Auf jeden Fall hätten sich die „Shrek“-Macher mit Hintergründigkeit und Witz ein wenig mehr Mühe gegeben. So bleibt eine „Pups-Komödie“, die man nach den ersten fünf Minuten getrost wieder abschalten kann. Diese fünf Minuten sind aber trotz aller Kritik wirklich sehenswert!
Wer früher stirbt ist länger tot
Geschrieben von andreas am 29. Juli 2007 unter Film || Ein Kommentar
Herkunftsland/Jahr: Deutschland, 2006
Länge: 104 Minuten
Kinostart: 17. August 2006
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch: Christian Lerch, Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Markus Krojer, Fritz Karl, Jürgen Tonkel, Saskia Vester
Genre: Komödie
Für Freunde von: Wunderbare Jahre (TV-Serie)
Offizielle Webseite – IMDB – Trailer
Andys 
Inhalt:
Der elfjährige Sebastian steckt voll in der Lebenskrise: von seinem großen Bruder hat er erfahren, dass ihre Mutter während seiner Geburt gestorben ist. Sebastian fühlt sich schuldig, nicht nur am Tod seiner Mutter, sondern auch an jenem einiger anderer Lebewesen. Das Thema Tod lässt ihn nicht mehr los: er möchte wissen wie es Jimi Hendrix geschafft hat „unsterblich“ zu werden und macht sich zudem auf die Suche nach einer neuen Freundin für seinen Vater. Der fristet ein graues Dasein als Wirt der Dorfkneipe. Um auch ja nichts falsch zu machen, holt sich Sebastian für seine Taten am Grab der Mutter immer deren Erlaubnis.

Andy:
Dass diese volkstümliche Komödie im bayrischen Ur-Dialekt viele Preise gewonnen hat (u.a. drei Trophäen beim Deutschen Filmpreis), war mir bewusst. Mit der vorab bekannten Handlung konnte ich jedoch nicht viel anfangen. Wem es ähnlich geht, dem sei empfohlen: diesen Film muss man einfach gesehen haben!
Wir werden in die naive Weltanschauung eines Elfjährigen entführt, der im festen Glauben an Himmel und Hölle aufwächst. In seiner Traumwelt urteilen die Schauspieler der örtlichen Laienspielgruppe über seinen Verbleib im Fegefeuer – dargestellt in vielen skurrilen Fantasie-Szenen.
Einen Großteil seines Charmes gewinnt der Film durch seinen ur-bayrischen Dialekt, der in einigen Szenen kaum zu verstehen war. Wenn Sebastian am Grab seiner Mutter steht und ganz schüchtern ein „Konnst `mer net a Zeich’n geba?“ herauspresst, möchte man den Kleinen am liebsten in den Arm nehmen. Der Dialekt unterstreicht die Unbedarftheit des Kleinen ebenso wie die konservativen Denkweisen seiner erwachsenen Umwelt. Weiteres Highlight des Films sind somit auch die zünftigen Stammtisch-Gespräche, in denen Sebastian von den Gästen/Freunden seines Vaters in die großen Fragen des Lebens eingeweiht wird: wie ist das wenn man tot ist und – für Männer noch wichtiger – wie wird eigentlich „g`schnakslt“? Wie kriegt man die Frauen rum?
Für den kleinen Nachwuchs-Schauspieler Markus Krojer, der mit seinem unschuldig-harmlosen Gesicht und den großen Kulleraugen einen großen Sympathie-Bonus einfährt, wirkt seine Rolle wie auf den Leib geschneidert. Da werden Erinnerungen an die 90er-Serie “Wunderbare Jahre” wach, in der Fred Savage als kleiner Kevin Arnold ebenso naiv versuchte in die Erwachsenenwelt hineinzuwachsen. Überzeugend gibt er den kleinen Lausbub, der brennend daran interessiert ist, die Sache mit dem Tod (und letztlich auch dem Leben) zu verstehen. Die Wege, die er dabei bestreitet, sind mehr als nur unterhaltsam. Mich hat der Film in ein ständiges Wechselbad der Gefühle getrieben. Ein dauerndes Hin und Her zwischen „Du Dummerchen, das kannst Du doch wohl nicht glauben!“ und „Haben wir das in dem Alter nicht alle geglaubt?“. Er erinnert an die eigene Unbedarftheit des Kindseins: daran, dass man für alle Probleme die idiotischsten (oder einfach nur „kindlichsten“) Lösungen gesucht hat. Die verrückteste Lösung und für mich der absolute Höhepunkt des Films….nein, zuviel verraten will ich nicht, deswegen sage ich nur „Frankenstein-Kaninchen“.
Die illustre Schauspieler-Riege schafft es eine heimelig-bayrische Stimmung zu erzeugen, füllen sie doch alle ihre zugegebenermaßen recht klischeebehafteten Rollen prima aus. Der Zuschauer bekommt das schöne Gefühl, dass – abgesehen von dem ewig präsenten Thema “Tod” – die Welt in den bayrischen Bergen noch komplett in Ordnung ist. So macht “Heimatfilm” richtig Spaß!
Schwedisch für Fortgeschrittene – Filmkritik
Geschrieben von andreas am 11. Juli 2007 unter Film, Filmkritiken || keine Kommentare
Genre: Komödie
Titel/Originaltitel: Heartbreak Hotel
Herkunftsland/Jahr: Schweden, 2006
Länge: 110 Minuten
Kinostart: 5. Juli 2007
Regie: Colin Nutley
Drehbuch: Colin Nutley
Darsteller: Helena Bergström, Maria Lundqvist, Claes Mansson, Johan Rabaeus
Offizielle Webseite – IMDB – Trailer
Ollys [rating:4/10]
Inhalt:
Das erste Aufeinandertreffen von Lisa und Gudrun verläuft suboptimal. Die Politesse Gudrun steckt der Gynäkologin Lisa ausgerechnet am Hochzeitstag ihres Sohnes ein Knöllchen ans Auto. Der Streit eskaliert in eine Wortschwall aus Kraftsausdrücken. Doch wie sagt das alte Sprichwort: „Man trifft sich immer zweimal im Leben.“ In diesem Fall in einer Frauenarzt-Praxis… Per Zufall treffen sich die beiden Frauen ein drittes Mal und lernen sich aufgrund dieser schicksalhaften Umstände näher kennen.
Gudrun lebt zurückgezogen und verwitwet mit ihrer Tochter zusammen, die ihre Mutter ständig auffordert, mal wieder „unter Menschen“ zu gehen. Lisa hingegen hat gerade die Scheidung von ihrem Mann hinter sich und genießt das Stockholmer Nachtleben nun wieder in freien Zügen. Nach ein wenig Motivationsarbeit machen die beiden die örtlichen Tanzflächen schnell gemeinsam unsicher. Aber wie es eben immer so ist: wenn etwas im Party-Leben Ärger macht, dann sind es die Männer…

Durch diverse Lady’s Nights hatte der Film schon einige Vorschusslorbeeren erhalten. Meiner Meinung nach wird er diesen auch durchaus gerecht. „Schwedisch für Fortgeschrittene“ ist eine unterhaltsame Komödie, die ansatzweise ein wenig Tiefgang bietet, aber nie in das Genre des ernsthaften Dramas wechselt. Schon beim ersten Treffen wird durch die inflationäre benutzten Kraftausdrücke die Marschrichtung klar: hier wird kein Blatt vor den Mund genommen.
Die Dialoge entsprechen teilweise schon sehr den klischeehaften Vorstellungen, die mit dem Thema „Party-Weiber“ verbunden sind („Schnapp dir doch den Kerl dahinten, so bringst Du wenigstens heute noch deine Gummis an den Mann…“). Beide Hauptcharaktere sind auf ihre eigene Weise sehr sympathisch, wenn auch die Glaubhaftigkeit in frage gestellt werden kann. Klar: eine Frau, die dermaßen „breitbeinig“ ihre neugewonnene Freiheit einfordert ist ebenso unrealistisch wie eine in sich gekehrte, verbitterte Frau, die Minuten später tanzend durch die Discos hüpft. Für meinen Geschmack nimmt der Film an Anfang ein wenig behäbig Fahrt auf und kommt dann auch zu abrupt zu seinem Ende.
Männer sollten sich bei diesem Film im Klaren darüber sein, dass sie nicht wirklich gut wegkommen. Zum einen sind da die ehemaligen Ehepartner, die nichts als Probleme machen, zum anderen die jüngeren Disco-Gänger, die anscheinend nach Belieben ins Bett gezerrt werden können. Aber mit einem Film, der Männer als Stimmungsbremsen und Betthäschen präsentiert, habe ich kein Problem. Über weite Strecken ist der Film wirklich sehr unterhaltsam und wirkt mit seinen teils ruhigen und ernsteren Szenen sehr „skandinavisch“.
Olly:
Es ist kein Zufall, dass Schwedisch für Fortgeschrittene seinen Siegeszug in den Lady Nächten der großen Kinoketten feiert. Der Film ist eine Großabrechnung mit der chauvinistischen Männerwelt und lässt dabei kein noch so plattes Klischee aus. Natürlich hat die verbitterte Gudrun noch nie einen Orgasmus gehabt, Männer können ja so gemein sein. Nachdem beide Frauen das Sklavenleben (sprich: ihre Männer) hinter sich gelassen haben, entdecken sie die Lust am Leben und drehen dann richtig auf.
Das Ganze erinnerte mich ein wenig an eine überlange Folge Sex and the City und setzt dabei auf ähnliche Witze. Im TV wäre der Film vermutlich auch deutlich besser aufgehoben gewesen. Und immer dann, wenn kurz das Gefühl aufkommt, der Film könnte einen lichten Moment haben, wird dieser sofort von den beiden Hauptdarstellerinnen in Grund und Boden gequatscht. So zum Beispiel als Gudrun ihren Ex-Mann wiedertrifft.
Zugegeben, der eine oder andere Witz ist ganz nett, darüber hinaus gibt‘s überwiegend nervig-zähe Dialoge, platte Klischees und Vorurteile.
Sterben für Anfänger – Filmkritik
Geschrieben von andreas am 22. Juni 2007 unter Filmkritiken || 2 Kommentare

Titel/Originaltitel: Death At A Funeral
Herstellungsland: England/USA/Deutschland 2007
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 19. Juli 2007
Regie: Frank Oz
Drehbuch: Dean Craig
Darsteller: Matthew MacFayden, Keely Hawes, Ewen Bremner, Alan Tudyk, Peter Dinklage
Offizielle Webseite – IMDB – Trailer
Inhalt:
Als wenn der Verlust des Vaters noch nicht schlimm genug wäre, haben die Bestatter bei der Überführung die Särge vertauscht und präsentieren Sohnemann Daniel einen wildfremden Leichnam. Doch damit beginnt erst eine große Serie an Katastrophen. Sind Trauerfeiern an sich für jeden von uns eine sehr unangenehme Angelegenheit, so wird aus der Zeremonie, die im Mittelpunkt dieses Filmes steht, ein wahrer Alptraum. Mit viel schwarzem Humor präsentieren die Macher eine wilde Mischung aus ungebetenen Gästen, keifenden Senioren, pedantischen Witwen, LSD-berauschten Schwiegersöhnen in spe, stalkenden Ex-Loverns und pikanten Geheimnissen. Und dann war da noch dieser Tote… also… der zweite Tote… Die Brüder Daniel und Robert versuchen gemeinsam mit ihren Freunden die Trauerfeier – und die Ehre ihres verstorbenen Vaters – zu retten.

Wenn wir an die Verfilmung einer Beerdigung als Komödie denken, welches Land fällt uns da spontan ein? Natürlich England, das Herkunftsland des schwarzen Humors. Entsprechend ist der englische Film “Sterben für Anfänger” schon eine gelungene Komödie, die gekonnt die Gratwanderung zwischen Pietätslosigkeit aber keineswegs respektlosem Ekel-Humor vollzieht. Schon zu Beginn des Films, wenn die Ankunft der Trauernden am Bestattungsort mit schwungvoller, spanisch anmutender Gitarrenmusik unterlegt ist, weiß man: diese Beerdigung wird nicht “Ideal-Standard”. Alles in allem weiß der Film schon gut zu unterhalten, vor allem das perfekte Mienenspiel des LSD-berauschten Anwalts sorgt den ganzen Film über für viele Lacher.
Dennoch fehlte mir der letzte Pfiff. Zu Beginn des Filmes fühlte ich mich wie ins kalte Wasser geschmissen: es gab keine richtige Einführung der Charaktere. Viele Szenenwechsel zwischen den verschiedenen Trauernden auf dem Weg zum Ort der Zeremonie, hielten die handelnden Personen auf Distanz. Auch im Verlauf des Films “tanzt die Trauerfeier auf zu vielen Hochzeiten”: die hauptsächlich agierenden sieben, acht Hauptpersonen haben ungefähr gleich viel Screen-Time, ein wirklicher Protagonist fehlt. Selbst die “Ocean’s”-Reihe legt mit ihren 11 bis 13 Personen doch eindeutig den Schwerpunkt auf Clooney und Pitt. Hier hingegen sorgt die Distanz dafür, dass ein echtes “Mitfiebern” meinerseits ausgeblieben ist. Es ist zwar sehr viel passiert, aber so richtig mitgelitten habe ich nicht. Zu viele Köche verderben eben doch den Brei.
Die Story an sich ist recht simpel gestrickt und bieten keine wirklichen Überraschungen oder Wendungen – bei einer Komödie aber eher vernachlässigbar. Bei der Gag-Dichte haben es die Macher aber ein wenig schleifen lassen. Teilweise nehmen die vorhandenen Längen zu sehr das Tempo aus dem Film – und Tempo ist meiner Meinung nach für eine gute Komödie dieser Art zwingend notwendig. Vermutlich war ich durch den kurz zuvor gesehenen “Hot Fuzz” noch ein wenig verwöhnt.
Mein Fazit: nicht unbedingt ein Film, für den man ins Kino gehen müsste, aber auf DVD oder im Fernsehen schon durchaus unterhaltsam.

Wieviel kann bei einer Beerdigung schiefgehen? “Sterben für Anfänger” lehrt uns: Zu viel!
Simon (Alan Tudyk), seines Zeichens angesehener Rechtsanwalt, hat Kopfschmerzen und bekommt aus Versehen eine Mischung aus “Amphetaminen und einer kleinen Prise LSD” verabreicht. Peter (Peter Dinklage), Größe knapp über 1 Meter, offenbart eine pikante Vergangenheit des verstorbenen Vaters. Sandra (Jane Asher), die verbitterte Witwe, die tief getroffen mit Ihrer Würde kämpft. Und Onkel Alfie (Peter Vaughan), in den Rollstuhl gefesselt, aber voller Lebenserfahrung und Ansprüche. Mehr braucht es nicht, um eine Beerdigung zu einem Lachfestival für den Zuschauer mutieren zu lassen.
Zwar hängt sich der Film lediglich an zwei echten Gags auf, nämlich dem Trip von Simon und dem Diskurs mit Peter, ob die Vergangenheit des gestorbenen Vaters aufgedeckt werden soll. Aber allein diese zwei Gags reichen aus, um den zuschauer 1 1/2 Stunden zu unterhalten. Eine selten so gut gesehene Darstellung von einem Drogentrip in allen Facetten (Halluzinationen, Apathie, Angstzustände), die sich durch den gesamten Film zieht und immer wieder mit neuen “Erlebnissen” brilliert, zeichnen den Film aus. Im Mittelpunkt des zweiten großen Gags des Films steht Peter, der mit dem verstorbenen Vater eine “sehr gute Freundschaft” hatte, und nun einen Teil der Erbschaft erwartet. Ansonsten würde er eindeutige Bilder der Trauergemeinde zeigen.
Daniel (Matthew Macfadyen) im Kreuzfeuer des Ganzen, um Fassung bemüht, schließlich wollte er nur eine normale Beerdigungsfeier, weiß nicht, was er tun soll und entscheidet sich für einen irrwitzigen Plan… Trotz der wenigen Hauptgags macht der Film durchgehend Spaß, es wird nie langweilig.
Mir hat der Film sehr gut gefallen, besonders die schwarzen Witze, die aber nie unter die Gürtellinie gehen oder die Pietät verlieren, halten den Zuschauer bei Laune. Als Running Gag agiert Simon, der manchmal im Hintergrund, mal ganz offensiv im Vordergrund seine 8 Stunden Trip auslebt und damit die Beerdigungsfeier erst richtig aus dem Lot bringt.
Ein brillianter Film, der wegen seiner unerwarteten Wendungen häufig zu einem johlendne Kinosaal führte.


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