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Idiocracy
Geschrieben von andreas am 29. Juli 2007 unter Film || Ein Kommentar
Titel/Originaltitel: Idiocracy
Herkunftsland/Jahr: USA, 2006
Länge: 84 Minuten
Kinostart: 25. Januar 2007
Regie: Mike Judge
Drehbuch: Mike Judge
Darsteller: Luke Wilson, Maya Rudolph, Dax Shepard
Genre: Komödie
Für Freunde von: Luke Wilson…;-)
Offizielle Webseite – IMDB – Trailer
Andys 
Inhalt:
Menschheit – quo vadis? Wie sieht unsere Zukunft aus? Während die meisten Filme uns eine hochtechnisierte Welt zeigen, in der coole und intelligente wirklich schlaue Dinge tun (oder sich mit ihrer hohen Intelligenz gerissene Gemeinheiten ausdenken…), geht Mike Judges „Idiocrazy“ einen anderen Weg. Ausgehend von der These, dass die sozial benachteiligten wesentlich mehr Kinder in die Welt setzten als die Intellektuellen, die sich mehr ums Karriere-Vorankommen als um Nachwuchs kümmern, wird uns eine erschreckende Welt vor Augen geführt. Der absolute Durchschnitts-Soldat Joe Bauers wird durch ein misslungenes Experiment 500 Jahre in die Zukunft verschlagen. Doch anstatt der vermuteten blitzblanken High-Tech-Sauberwelt erwarten ihn Völkerscharen von verdummten Menschen, die zwar viel High-Tech haben, aber dafür keinen Grips mehr im Kopf. Mit Intelligenz hat das alles nichts mehr zu tun. Und da der Blinde auch in 500 Jahren noch unter den Einäugigen der König ist, wird Joe, der in seinem früheren Leben durch stupides Nichtstun aufgefallen ist, zum intelligentesten Menschen der Welt erklärt. Schnell erhält er vom Präsidenten der Vereinigten Staaten (ein Ex-Pornostar und Catcher) den Auftrag die Probleme der Welt zu lösen.
Andy:
Mir persönlich macht die These des Drehbuchautors auch jedes Mal Bauchschmerzen wenn ich am Hannoverschen Hauptbahnhof sitze und mir vorstelle, dass die vorbeitrottenden Gestalten irgendwann mal für meine Rente aufkommen sollen. In der gesellschaftskritischen Grundidee des Films steckt viel Potenzial. Leider wird die ganze Sprengkraft dieser allzu realistischen These bereits in den ersten fünf Minuten verballert: an dem Beispiel zweier Paare – einerseits die „Karrieremenschen“, andererseits die „Vollpfosten“ – wird die Entwicklung hin zum Volk der Verdummten sehr eindringlich und äußerst lustig verbildlicht. Während erstere „irgendwann mal Kinder wollen, wenn’s in die berufliche Planung passt“, ist bei letzteren ein „Verdammt, ich bin schon wieder schwanger!“ ein jährlich wiederkehrender Ausruf. Sehr plakativ und unterhaltsam. Hier musste ich wirklich Tränen lachen, auch wenn die Beispiele schon fast zu realistisch waren.
Leider kann die folgende Handlung rund um Soldat Joe Bauers dieses hohe Niveau zu keiner Sekunde erreichen. Anstatt ein wenig hintergründige Sozialkritik zu üben und hier und da dem Zuschauer das Weiterdenken zu überlassen, ergeht sich der Film in offensichtlichen Banalitäten mit leichtem Hang zum platten Fäkalhumor. Dass beispielsweise „Starbucks“ in 500 Jahren ein Bordell ist, weil es eine „Full Body Latte“ anbietet, zeigt in etwa das Niveau der Witze. Nur selten regen einige Spitzen wirklich zum Nachdenken an: gelungene Sozialkritik wie etwa ein Gerichtssaal voll Bandenwerbung, ist sehr selten.
Gerade auch beim Charakter des amerikanischen Präsidenten hätte man beim derzeitigen Amtsträger genug Vorlagen für bissige Real-Satire gehabt, so dass man sich den plumpen Catcher und Pornostar hätte sparen können. Ein trotteliger Präsident wie ihn Dennis Quaid bravourös in „American Dreamz“ gegeben hat, hätte wesentlich mehr Chamre gehabt als ein schwarzer Muskelprotz mit langen Haaren, der dauern “Hey Baby” und ähnliches schreit. Die Witze bleiben durchweg zu dumm und zu harmlos, als dass einen der Fortgang der Geschichte auch nur ansatzweise interessieren würde. Da erstaunt es nicht, dass der Verleiher Fox selbst für die Aufführung in den USA nicht einmal Plakate druckte, so schlecht wie der Film in Test-Screenings ankam.
Auch Luke Wilson bleibt in seiner Rolle des Durchschnitts-Soldaten mehr als unauffällig. Zwar kann das Methode und Absicht sein, aber wenn ein realer Schauspieler weniger Tiefe bringt als eine Animationsfigur, dann „Gute Nacht“. Vielleicht hätte der Film als CGI-Komödie aus dem Hause Pixar besser gewirkt. Auf jeden Fall hätten sich die „Shrek“-Macher mit Hintergründigkeit und Witz ein wenig mehr Mühe gegeben. So bleibt eine „Pups-Komödie“, die man nach den ersten fünf Minuten getrost wieder abschalten kann. Diese fünf Minuten sind aber trotz aller Kritik wirklich sehenswert!
Wer früher stirbt ist länger tot
Geschrieben von andreas am 29. Juli 2007 unter Film || Ein Kommentar
Herkunftsland/Jahr: Deutschland, 2006
Länge: 104 Minuten
Kinostart: 17. August 2006
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch: Christian Lerch, Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Markus Krojer, Fritz Karl, Jürgen Tonkel, Saskia Vester
Genre: Komödie
Für Freunde von: Wunderbare Jahre (TV-Serie)
Offizielle Webseite – IMDB – Trailer
Andys 
Inhalt:
Der elfjährige Sebastian steckt voll in der Lebenskrise: von seinem großen Bruder hat er erfahren, dass ihre Mutter während seiner Geburt gestorben ist. Sebastian fühlt sich schuldig, nicht nur am Tod seiner Mutter, sondern auch an jenem einiger anderer Lebewesen. Das Thema Tod lässt ihn nicht mehr los: er möchte wissen wie es Jimi Hendrix geschafft hat „unsterblich“ zu werden und macht sich zudem auf die Suche nach einer neuen Freundin für seinen Vater. Der fristet ein graues Dasein als Wirt der Dorfkneipe. Um auch ja nichts falsch zu machen, holt sich Sebastian für seine Taten am Grab der Mutter immer deren Erlaubnis.

Andy:
Dass diese volkstümliche Komödie im bayrischen Ur-Dialekt viele Preise gewonnen hat (u.a. drei Trophäen beim Deutschen Filmpreis), war mir bewusst. Mit der vorab bekannten Handlung konnte ich jedoch nicht viel anfangen. Wem es ähnlich geht, dem sei empfohlen: diesen Film muss man einfach gesehen haben!
Wir werden in die naive Weltanschauung eines Elfjährigen entführt, der im festen Glauben an Himmel und Hölle aufwächst. In seiner Traumwelt urteilen die Schauspieler der örtlichen Laienspielgruppe über seinen Verbleib im Fegefeuer – dargestellt in vielen skurrilen Fantasie-Szenen.
Einen Großteil seines Charmes gewinnt der Film durch seinen ur-bayrischen Dialekt, der in einigen Szenen kaum zu verstehen war. Wenn Sebastian am Grab seiner Mutter steht und ganz schüchtern ein „Konnst `mer net a Zeich’n geba?“ herauspresst, möchte man den Kleinen am liebsten in den Arm nehmen. Der Dialekt unterstreicht die Unbedarftheit des Kleinen ebenso wie die konservativen Denkweisen seiner erwachsenen Umwelt. Weiteres Highlight des Films sind somit auch die zünftigen Stammtisch-Gespräche, in denen Sebastian von den Gästen/Freunden seines Vaters in die großen Fragen des Lebens eingeweiht wird: wie ist das wenn man tot ist und – für Männer noch wichtiger – wie wird eigentlich „g`schnakslt“? Wie kriegt man die Frauen rum?
Für den kleinen Nachwuchs-Schauspieler Markus Krojer, der mit seinem unschuldig-harmlosen Gesicht und den großen Kulleraugen einen großen Sympathie-Bonus einfährt, wirkt seine Rolle wie auf den Leib geschneidert. Da werden Erinnerungen an die 90er-Serie “Wunderbare Jahre” wach, in der Fred Savage als kleiner Kevin Arnold ebenso naiv versuchte in die Erwachsenenwelt hineinzuwachsen. Überzeugend gibt er den kleinen Lausbub, der brennend daran interessiert ist, die Sache mit dem Tod (und letztlich auch dem Leben) zu verstehen. Die Wege, die er dabei bestreitet, sind mehr als nur unterhaltsam. Mich hat der Film in ein ständiges Wechselbad der Gefühle getrieben. Ein dauerndes Hin und Her zwischen „Du Dummerchen, das kannst Du doch wohl nicht glauben!“ und „Haben wir das in dem Alter nicht alle geglaubt?“. Er erinnert an die eigene Unbedarftheit des Kindseins: daran, dass man für alle Probleme die idiotischsten (oder einfach nur „kindlichsten“) Lösungen gesucht hat. Die verrückteste Lösung und für mich der absolute Höhepunkt des Films….nein, zuviel verraten will ich nicht, deswegen sage ich nur „Frankenstein-Kaninchen“.
Die illustre Schauspieler-Riege schafft es eine heimelig-bayrische Stimmung zu erzeugen, füllen sie doch alle ihre zugegebenermaßen recht klischeebehafteten Rollen prima aus. Der Zuschauer bekommt das schöne Gefühl, dass – abgesehen von dem ewig präsenten Thema “Tod” – die Welt in den bayrischen Bergen noch komplett in Ordnung ist. So macht “Heimatfilm” richtig Spaß!


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